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ETFs Das Risiko der passiven Investments zeigt sich jetzt

Unter Risikoaspekten sind ETFs mit Vorsicht zu betrachten. Schließlich bilden diese Wertpapierindizes eins zu eins ab. Damit nehmen sie sowohl Aufwärts- als auch Abwärtsbewegungen vollständig mit. In gut laufenden Börsenphasen bietet das leicht zugängliche Gewinnpotenziale. Risiken können sie nicht begrenzen. Der durch das Coronavirus ausgelöste Crash hat dies einmal mehr gezeigt.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Ein typischer ETF auf den MSCI World hat binnen eines Monats mehr als 13 Prozent an Wert verloren. Der Aktienindex spiegelt die Entwicklung von über 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern wider. Die fünf größten Unternehmen im Index sind Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und JPMorgan. Unter den zehn größten MSCI-World-Unternehmen befindet sich mit der Schweizer Nestlé nur ein Nicht-US-Konzern. Diese zehn Top-Unternehmen machen aktuell mehr als 13,5 Prozent der Gewichtung des Index aus. Auf die US-Unternehmen entfallen rund 12,8 Prozent – und davon wiederum ein großer Teil eher auf Growth- als auf Value-Werte. Rechnet man die übrigen US-Unternehmen im MSCI-Index dazu, steigt diese Quote auf etwa 60 Prozent.

ETF-Körbe sollten genau analysiert werden

Das bedeutet: Käufer eines MSCI World-ETFs investieren generell zu 60 Prozent in US-Unternehmen und ein Achtel des Vermögens in neun dieser Unternehmen. Und von diesen wiederum sind fünf der IT-Branche und zwei der Finanzdienstleistung zugeordnet. Dass dies wenig mit einer professionellen Streuung zu tun hat, versteht sich von selbst. Der Fokus auf die USA ergibt zwar Sinn hinsichtlich der Marktkapitalisierung, aber genauso wird das Risiko stark auf diesen Markt konzentriert.

Natürlich lassen sich durch ETFs bestimmten Nischen und Spezialitäten gut dem Portfolio beimischen. Ebenso lässt sich die Investitionsquote schnell und kostengünstig verändern. Aber die ETF-Körbe sollten genau analysiert werden, damit es zu keinen Klumpenrisiken beziehungsweise taktisch und strategisch ungewollten Über-Allokationen bestimmter Regionen und/oder Branchen kommt. Gerade im Kontext des umfassenden Risikomanagements ist dies ein entscheidendes Kriterium, sodass, trotz höherer Gebühren, das Vermögen in aktiv gemanagten Produkten besser aufgehoben ist.

Über den Autor: Dyrk Vieten ist Geschäftsführer der ficon Vermögensmanagement GmbH in Düsseldorf.

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