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"Fahrradfreundlicher Arbeitgeber" Das Rad als Vehikel zur Mitarbeiterbindung

Im Juni erhielt die HGDS Hoffbauer & Gebauer Datenservice GmbH aus Riesa als erstes Unternehmen in ganz Sachsen die Zertifizierung "Fahrradfreundlicher Arbeitgeber" in Silber. Die Förderung der Fahrradkultur am Arbeitsplatz vereint gleich mehrere Vorteile.

Als Jan Gebauer vor ein paar Jahren in einer Zeitschrift las, dass sich Unternehmen als “Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ zertifizieren lassen können, war sein Ehrgeiz geweckt. "Wir haben viele Mitarbeiter, die per Rad zu uns auf Arbeit kommen und auch sonst sportlich aktiv sind", erklärt der Geschäftsführer der HGDS Hoffbauer & Gebauer Datenservice GmbH aus Riesa. Das Team aus Elektronikern und Softwareentwicklern bringt für Großkonzerne modernste Anlagen zum Laufen und richtet diese ein.

"Als ich dann noch feststellte, dass zwar viele große Firmen in den alten Bundesländern das Zertifikat bereits hatten, aber in Sachsen noch kein einziges Unternehmen, da war mein Ziel klar." Beim Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der die EU-weite Zertifizierung “Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ seit 2017 vergibt, informierte sich der Elektroingenieur über die Modalitäten für die Vergabe.

Fahrradkultur am Arbeitsplatz

"Und da waren wir auf den ersten Blick gar nicht einmal schlecht aufgestellt", erinnert sich Gebauer und verweist auf die Stellplätze für Fahrräder auf dem Firmengelände des Spezialisten für Automation und Softwareentwicklung, einen abschließbaren Raum für Räder sowie Duschen, Umkleide und eine kleine Werkstatt, in der an den Drahteseln auch geschraubt werden kann. "Wir sind ein Unternehmen mit rund 35 Mitarbeitern. Viele von ihnen nutzen gern das Rad. Wir haben Mütter und Väter, die zuvor ihre Kinder mit dem Fahrrad in die Kita bringen, wir haben Hobbysportler, die mit dem Rennrad pendeln", führt der Riesaer aus und erläutert, dass deswegen im Laufe der Jahre die Rad-Infrastruktur stetig zunahm.

"Ein paar vor uns bilden also eine recht fahrradfanatische Truppe", lacht Gebauer, der auch selbst gern in die Pedale tritt und zudem Leiter der Abteilung Triathlon des SC Riesa ist. "Aber natürlich reichte das noch nicht ganz aus", schmunzelt der Geschäftsführer. "Denn als bei uns schließlich ein Auditor des ADFC vorbeischaute, kritisierte dieser, dass wir keinen überdachten und beleuchteten Fahrradstellplatz hätten." Ein Umstand, der dank eines örtlichen Metallbauers, ein bisschen Eigenleistung im Unternehmen und Hilfe der Stadt beim notwendigen Bauantrag inzwischen geändert worden ist.

Im Juni erhielt die HGDS als erstes Unternehmen in ganz Sachsen die Zertifizierung "Fahrradfreundlicher Arbeitgeber" in Silber vom ADFC. Carolin Kruse, Projektleiterin beim ADFC-Bundesverband, sagt: "HGDS hat den positiven ­Nutzen der Radverkehrsförderung erkannt. Die Fahrradkultur am Arbeitsplatz vereint gleich mehrere Vorteile: Sie ist modern, zukunftsorientiert und fördert die Mitarbeiterbindung sowie das Teamgefühl."

Ähnlich sieht es auch Jan Gebauer: "Im Vergleich mit Industriebetrieben muss man als Arbeitgeber immer schauen, wie man punkten kann. Unsere Radaktivitäten sind Teil eines umfangreichen Gesundheitsmanagements für unsere Mitarbeiter. Dazu zählen zum Beispiel auch Besuche eines Physiotherapeuten oder die Möglichkeit, das Riesaer Freibad und Hallenbad auf Firmenkosten zu besuchen." All das scheint zu wirken. "Jugendliche, die bei uns ein Praktikum oder eine Ausbildung machen wollen, haben uns ausdrücklich auf das Radzertifikat angesprochen", freut sich Gebauer.

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