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Der richtige Umgang von Ausbildern mit Azubis Azubis richtig motivieren

Wie engagiert ein Auszubildender im Betrieb zu Werke geht und welchen weiteren Werdegang er im Handwerk nimmt, liegt auch in Händen des Ausbilders. Mit der richtigen Strategie können Sie Ihre Azubis motivieren.

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En Auszubildender sollte seine Azubis für seine Aufgaben begeistern. -

Ausbildende Fachkräfte in einem Handwerksbetrieb sind mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Nicht jeder Auszubildende bringt die gleichen Fähigkeiten mit und nicht jeder ist in gleichem Maße motiviert für seine Aufgaben. Um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, müssen mangelnde Motivation von Azubis erkennen und ihr entgegentreten. Das Bundesbildungsministerium hat einen Ratgeber für Ausbilder veröffentlicht, der Hilfestellung geben soll.

So erkennen Sie mangelnde oder nachlassende Motivation

Es ist wichtig, dass Ausbilder Anzeichen einer mangelnden oder nachlassenden Motivation frühzeitig wahrnehmen. Solche Anzeichen können sein:

  • Unmuts- bzw. Unlustäußerungen als Reaktion auf Aufgabenzuweisungen, Erklärungen oder Hinweise. Diese bringen Azubis verbal, aber häufig auch durch entsprechende Gesichtsausdrücke oder Gesten zum Ausdruck.
  • Nachlässigkeit bzw. Unzuverlässigkeit bei der Ausführung übertragener Aufgaben: Die Lehrlinge führen Arbeiten schlechter aus, als es dem bisherigen Leistungsstand entspricht.
  • Häufigeres Zuspätkommen und fadenscheinige Rechtfertigungsversuche oder
  • mangelnde Bereitschaft und Initiative, wenn es um die Beteiligung an bestimmten Arbeiten geht oder wenn die Auswertung erledigter Aufgaben ansteht.

Warum ist Ihr Azubi unmotiviert?

Die Hintergründe solch nachlassender Lern- und Leistungsbereitschaft können vielfältig sein. Je nachdem, wo die Ursachen liegen, müssen Ausbilder damit unterschiedlich umgehen. Aber man sieht es den Auszubildenden nicht an, was hinter ihrer vermeintlichen Lustlosigkeit steht. Wenn Ihnen solche Anzeichen also auffallen, dann kommt es darauf an, dass Sie nicht voreilig Schlussfolgerungen ziehen und damit Gefahr laufen, unangemessen zu reagieren. Sie sollten versuchen, Anlass und Hintergründe eines solchen Verhaltens zu klären. Dabei ist es immer besser, die Auszubildenden möglichst bald direkt anzusprechen.

Anlässe und Hintergründe nachlassender Motivation

  • (scheinbare) Unterforderung durch "langweilige" oder Routinearbeiten,
  • Ablenkung durch private Interessen und Probleme,
  • mangelndes Interesse am Beruf ( falsche Berufswahl),
  • Unzufriedenheit mit den Ausbildungs- bzw. Arbeitsbedingungen oder
 
  • fehlende berufliche und betriebliche Perspektiven.

Unterforderung vermeiden

Bei immer wiederkehrenden und Routinearbeiten stellt sich leicht Langeweile und Nachlässigkeit ein. Häufig fällt es den Jugendlichen dabei schwer einzuschätzen, welche Tätigkeiten sinnvoll sind, um die erforderliche Routine zu entwickeln und Erfahrung zu sammeln. Leicht entsteht deshalb der Eindruck, dass solche Arbeiten nichts mehr mit dem Ausbildungszweck zu tun haben und dass man nur als billige Arbeitskraft ausgenutzt wird.

Ihre Aufgabe ist es deshalb, gerade bei Arbeiten, die sich häufiger wiederholen, den Jugendlichen klarzumachen, wozu eine Tätigkeit gut ist: dass sie durch Übung an Sicherheit und an Schnelligkeit in der Durchführung gewinnen. Machen Sie den Auszubildenden deutlich, wo und in welchem Maße sie sich noch verbessern können und müssen.
Außerdem dürfte hin und wieder auch der Hinweis notwendig sein, dass Arbeit nicht immer nur Spaß macht, sondern auch mit Mühe und Anstrengung verbunden ist und manchmal auch eintönig und ermüdend ist. Das mag für Sie selbstverständlich sein, ist es aber für junge Menschen häufig noch lange nicht.

Wichtig ist dabei, dass die Auszubildenden sehen, dass nicht sie alleine es sind, die solche eher unangenehmen Aufgaben zu erledigen haben. Gleichzeitig sollten Sie aber auch immer bemüht sein, eine Unterforderung der Azubis zu vermeiden, indem Sie für abwechslungsreiche und/oder anspruchsvolle Aufgabenstellungen sorgen.

Überforderung von Auszubildenden

Manchmal scheint es aber nur, als fehle es den jungen Menschen an Motivation: Die Auszubildenden weichen Aufgaben aus, gehen nur langsam an Arbeiten heran, wirken unkonzentriert, und Fehler häufen sich. Grund hierfür kann sein, dass sie von der Aufgabenstellung intellektuell, psychisch oder physisch überfordert sind:

  • Sie haben nicht verstanden, was genau sie tun sollen.
  • Sie sind mit der Handhabung eines Werkzeugs/einer Maschine noch nicht ausreichend vertraut.
  • Sie haben Angst, etwas falsch zu machen (und machen deshalb lieber erst einmal gar nichts oder möglichst wenig).
Falls Sie also den Eindruck haben, Ihre Auszubildenden beschäftigen sich nur lustlos mit ihrer Arbeit, dann versuchen Sie, die Hintergründe dafür zu klären. Achten Sie aber darauf, dass Sie aus Ihrer Beobachtung und Ihrem ersten Eindruck keinen Vorwurf machen.

Zwischenergebnisse besprechen

Lassen Sie sich erste Arbeitsergebnisse zeigen und erläutern. Legen Sie gemeinsam fest, wann weitere (Zwischen-)Ergebnisse besprochen werden sollen. Wenn Sie auf diese Weise feststellen, dass Ihre Auszubildenden sich tatsächlich der Aufgabenstellung nicht gewachsen fühlen, denken Sie darüber nach, wie Sie die Arbeitsaufgaben sowie den Wissens- und Leistungsstand besser anpassen können.

Wenn Sie allerdings wiederholt die Beobachtung machen, dass Ihre Auszubildenden – auch bei niedrigeren Anforderungen – nicht in der Lage sind, die Arbeiten korrekt und zeitgerecht zu erledigen, dann sollten Sie Rücksprache mit der Ausbildungsleitung halten. Schildern Sie Ihre Erfahrungen mit den Auszubildenden möglichst konkret: Welche Leistungen haben sie erbracht? An welchen Aufgaben sind sie gescheitert? Wie haben Sie versucht, das Anforderungsniveau zu variieren? Unter Umständen kann man Ihnen weitere Anregungen und Tipps geben, wie Sie noch besser auf das Leistungsvermögen Ihrer Auszubildenden eingehen können.

>> Weitere Informationen zum Thema Zwischenzeugnis. <<

Folgen mangelnder Motivation

Die Folgen mangelnder Motivation können tiefgreifend sein:

  • Unzuverlässigkeit und geringe Leistungsbereitschaft führen leicht zu Konflikten mit anderen Auszubildenden, mit Kollegen und Kolleginnen, mit Vorgesetzten und unter Umständen auch mit Kunden.
  • Nachlassende Leistungen ziehen schlechte Bewertungen und Noten in der Berufsschule nach sich. Ein Versagen in Prüfungen ist vorprogrammiert.
  • Letztlich kann es auch zum Ausbildungsabbruch kommen. So gab in einer Betriebsbefragung vom Frühjahr 2012 fast jede(r) zweite befragte Ausbildungsverantwortliche an, dass für das Scheitern des Ausbildungsverhältnisses eine zu geringe Motivation der Auszubildenden mit ausschlaggebend war.

3 Tipps: So fördern Sie die Motivation Ihres Azubis

Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Formen, die Motivation der Jugendlichen zu fördern – und zwar nicht erst dann, wenn Interesse und Leistungsbereitschaft nachlassen, sondern von Beginn der Ausbildung an.

1. Organisation der Ausbildung

Bei der Organisation der Ausbildung und der Formulierung von Ausbildungs- bzw. Arbeitsaufgaben sollten Sie Folgendes beachten:
  • Selbstverständlich müssen Sie Ihren Auszubildenden vieles erst einmal zeigen und vormachen, bevor sie selbst Hand anlegen dürfen. Aber achten Sie immer darauf, dass die Auszubildenden nicht zu lange und nicht zu häufig nur zuschauen, sondern frühzeitig beginnen, etwas selber zu machen. Dabei sind Arbeiten an "echten" Aufträgen und Produkten immer reinen Übungs­aufgaben vorzuziehen. Auf diese Weise können die Auszubildenden miterleben, dass ihre Arbeit wichtig ist und geschätzt wird.
  • So können Sie auch leichter den Sinn und Zweck der Aufgaben erklären: Welche Bedeutung hat die Arbeit für den Betrieb, für die Zusammenarbeit mit den Kolle­gen und Kolleginnen, und an welche Anforderungen vonseiten der Kundschaft ist dabei zu denken? Zugleich sollten Sie immer wieder daran denken, den Auszubildenden auch deut­lich zu machen, welche Bedeutung bestimmte Aufgaben für ihren Lernfortschritt haben.
  • Auch wenn nur Übung den Meister macht: Bemühen Sie sich, Abwechslung in den Ausbildungsalltag zu bringen. Variieren Sie den Schwierigkeitsgrad sowie Umfang und Komplexität der Aufgaben. Wechseln Sie zwischen Wiederholungen zur Sicherung des Erlernten und neuen Aufgaben. Nutzen Sie unterschiedliche Ausbildungsmethoden: Vortrag, Lehrgespräch, 4-Stufen-Methode und Lernauf­trag.
  • Durch die Variation des Anforderungsniveaus und des Umfangs der Aufgaben bieten Sie Auszubildenden immer wieder die Mög­lichkeit von Erfolgserlebnissen. Erfolge sind notwendig, um durchzuhalten. Misserfolge frustrieren und demotivieren! Konfrontieren Sie Ihre Auszubildenden dennoch auch mit ganz neuen, anspruchsvollen Aufgaben – ohne ihnen dabei allzu viel zu erklären. Fordern Sie ihre Kreativität und Eigeninitiative heraus! Bieten Sie gleichzeitig aber immer auch Ihre Unterstützung an, wenn Ihre Auszubildenden nicht weiterwissen.
  • Überprüfen Sie regelmäßig den Lernstand Ihrer Auszubildenden. Lassen Sie sich Zwischenergebnisse von Arbeits- und Ausbildungsaufgaben zeigen und erläutern. Geben Sie Hilfestellung, wenn dies notwendig ist.

2. Kommunikation: Die richtigen Worte finden

Von großer Bedeutung für die Motivation der Auszubildenden ist nicht nur, was man ihnen sagt und zur Aufgabe macht, sondern auch wie man es ausdrückt:

Selbstbewusstsein stärken
  • Selbstverständlich ist es notwendig, Fehler bei der Arbeit aufzeigen – aber ohne Angriffe auf die Person! Auch wenn Sie sich ärgern, dass er oder sie "schon wieder" denselben Fehler gemacht hat: Bleiben Sie sachlich.
  • Ein Lob ist der Motivation förderlicher als ein Tadel (oder Druck oder Strafe). Des­halb ist auch ein "kleines" Lob wichtig, wenn Sie Lernfortschritte feststellen, selbst wenn diese nur gering sind. Natürlich sollte man es mit dem Loben nicht über­treiben, dann wird es unglaubwürdig .
  • Häufig steht im Hintergrund scheinbar geringer Leistungsbereitschaft die Angst, etwas falsch zu machen. Bemühen Sie sich darum, das Selbstbewusstsein Ihrer Auszubildenden zu stärken. Machen Sie Ihren Auszubildenden Mut: Fehler sind da, um aus ihnen zu lernen. Zeigen Sie, dass Ihre Auszubildenden wichtig für den Betrieb sind. Schauen Sie auf die Stärken der Auszubildenden: Wo liegen ihre besonderen Fähigkeiten und Begabungen? Was zeichnet ihre Persönlichkeit aus? Nutzen und fördern Sie diese Stärken.

>> So motivieren Sie Mitarbeiter mit Delegation. <<

3. Azubi als vollwertiges Teammitglied

Denken Sie an Ihre Vorbildfunktion: Wichtig ist, dass Sie, Ihre Kollegen und Kolleginnen respektvoll miteinander kommunizieren, einander zuhören und sich gegenseitig ernst nehmen. Beziehen Sie die Auszubildenden mit ein, geben Sie ihnen Gelegenheit zur Mitwirkung:

 
  • Nehmen Sie die Ausbildenden als vollwertige Mitglieder in das Team auf. Weisen Sie ihnen die Zuständigkeit und Verantwortung für bestimmte (kleinere) Aufgaben zu. So fühlen die Auszubildenden, dass sie gebraucht werden und dass man ihnen etwas zutraut. Besprechen Sie die Ergebnisse dieser selbstständig bearbeiteten Aufgaben.
  • Fördern und fordern Sie konstruktive Kritik der Auszubildenden an der Aus­bildung: Wo fühlen sie sich unterfordert oder überfordert? Was haben sie nicht verstanden? Welche Ausbildungsmethoden kommen gut, welche weniger gut an? Wo wünschen sich die Auszubildenden mehr Unterstützung? Wo mehr Freiraum? An welchen Aufgaben/Arbeiten hätten sie Interesse? Bemühen Sie sich darum, gemeinsam Verbesserungen zu erarbeiten. Und prüfen Sie gemeinsam die Mach­barkeit von Alternativvorschlägen.

Viele dieser Hinweise mögen banal und selbstverständlich klingen. Aber gerade deshalb denkt man häufig nicht daran. Deshalb sollten Sie sich daran gewöhnen, regelmäßig über Ihr Verhalten gegenüber den Auszubildenden in den zurückliegenden Tagen nachzudenken. Das kann helfen, einen Ausbildungsabbruch zu vermeiden. dhz

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