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Reinigung von Schulen, Krankenhäusern und anderen Gebäuden Corona-Schutz: Diese Regeln gelten jetzt für Gebäudereiniger

In Zeiten von Corona sorgt die Reinigungsbranche für eine hygienische Umgebung. Doch welche betrieblichen Maßnahmen sind nötig und was müssen Gebäudereiniger für ein gesundes Arbeiten beachten? Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks und die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft haben hierfür Arbeitsschutzstandards und Handlungshilfen definiert.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) und die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) haben gemeinsam einen SARS-CoV-2- Arbeitsschutzstandard für Gebäudereiniger veröffentlicht und damit das allgemeine Arbeitsschutzkonzept zur Coronavirus-Pandemie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) umgesetzt.

 "Im Kampf um die Eindämmung des Coronavirus stehen unsere Unternehmen vor der Herausforderung, die Vorgaben und besonderen hygienischen Anforderungen in die Arbeitsabläufe zu integrieren", sagt Johannes Bungart, Geschäftsführer des BIV. "Wir möchten sie dabei unterstützen, indem wir darstellen, mit welchen technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen gearbeitet werden kann.“

Gesundes Arbeiten während der Corona-Krise: Das gilt in der Reinigungsbranche

Der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard für die Gebäudereinigung konkretisiert die vom BMAS vorlegten 17 Grundsätze zum Arbeiten während der Coronavirus-Pandemie. Gemeinsam haben BIV und BG BAU diese auf das Reinigungsgewerk angewandt. Neben allgemeinen Grundsätzen zum sicheren und gesunden Arbeiten während der Corona-Pandemie und zusätzlichen betrieblichen Maßnahmen definiert das Dokument konkrete Handlungshinweise. Unter anderem gelten folgende Regelungen:

  • Die Abstandsregeln von mindestens 1,5 bis 2 Meter müssen eingehalten werden. In Zweifelsfällen oder wo dies nicht möglich ist, z. B. im Bereich der Krankenhausreinigung, müssen die Reinigungskräfte durch Schutzausrüstung geschützt werden. Die Auswahl der Schutzbedeckung hängt vom Infektionsrisiko und der Art der Tätigkeit ab. Der BG BAU bietet hier eine Entscheidungshilfe.
  • Zur Reinigung der Hände sind hautschonende Flüssigseife und Handtuchspender zur Verfügung zu stellen. Bei Tätigkeiten, die es nicht möglich machen, Sanitärräume zu nutzen (z. B. in der Baureinigung oder Treppenhausreinigung) müssen Handdesinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden.
  • Die Reinigungsintervalle sind anzupassen. Dies gilt insbesondere für Sanitäreinrichtungen, Gemeinschaftsräume und Handkontaktflächen wie z. B. Türklinken.
  • Um erregerhaltige Luft zu reduzieren, muss regelmäßig gelüftet werden.
  • Firmenfahrzeuge sind mit Mitteln zur Handhygiene und -desinfektion sowie mit Papiertüchern und Müllbeuteln auszustatten. Die gleichzeitige Nutzung von Fahrzeugen durch mehrere Mitarbeiter ist möglichst zu vermeiden. 
  • Werkzeuge und Arbeitsmittel sind personenbezogen zu verwenden. Sollte das nicht gehen, sind diese zu reinigen beziehungsweise zu desinfizieren, insbesondere vor der Übergabe an andere Personen.

In Schulen: "Reinigungskräfte ganz besonders gefordert"

Auch in den zum Teil wiedereröffneten Schulen nehmen die Reinigungsunternehmen ihren Betrieb wieder auf. Die BG BAU unterstützt die Reinigungsbranche zusätzlich mit einer konkreten Handlungshilfe zum Thema Reinigung von Betreuungs- und Bildungseinrichtungen in der Coronavirus-Epidemie. Diese fußt ebenfalls auf den Umsetzungsempfehlungen des SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards für das Reinigungsgewerbe.

"Wenn die Schulen wieder öffnen, sind die Reinigungskräfte ganz besonders gefordert – sie sorgen für die Einhaltung der hygienischen Standards und sorgen damit für Infektions- und Gesundheitsschutz", sagt Bernhard Arenz, Präventionsleiter der BG BAU. Das Vorgehen bei der Schulreinigung geben die Kultusministerien der Bundesländer mit den Hygieneplänen vor. Diese Regeln haben Einfluss auf die Arbeit der Reinigungsbranche.

Auch in den Bildungseinrichtungen müssen Reinigungskräfte Regeln wie das Abstandsgebot und die Hygieneetikette beachten. Sie müssen zugleich ihre eigene Gesundheit, die der Schüler sowie des Lehrpersonals schützen. Die BG BAU spricht auch hier die Empfehlung aus, Reinigungshäufigkeiten kritisch zu prüfen. Eine vermehrte Reinigung kommt zum Beispiel für Bereiche in Frage, an denen sich viele Personen aufhalten. In Schulen zählen dazu Eingangsbereiche oder Sanitärräume. Aber auch viel genutzte Flächen wie Türklinken, Treppengeländer oder Schülertische sollten häufiger gereinigt werden. Arbeits-, Pausen-, und Essenszeiten sind versetzt durchzuführen, um die Ansammlung von Mitarbeitern und Schülern sowie sonstigen Personen zu begrenzen und den Mindestabstand einzuhalten.

Handlungshilfen auch bei psychischen Belastungen

Welche Vorgaben noch zu beachten sind und welche Maßnahmen ergriffen werden können, auch im Fall einer Corona-Verdachtfalls, wird in der Handlungshilfe der BG BAU konkret dargestellt. Neben den üblichen Gefährdungen für Reinigungskräfte, zum Beispiel durch Desinfektions- und Reinigungsmittel, ist auch eine erhöhte psychische Belastung möglich. Konfliktsituationen mit Dritten, Verunsicherungen oder Ängste sind möglich. "Umso wichtiger ist es, diese möglichen psychischen Aspekte im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu erfassen", rät Arenz. Aber auch arbeitsorganisatorische Maßnahmen wie feste Teams und unterschiedlicher Arbeitsbeginn können unterstützend wirken.

BG BAU bietet weitere Hilfen für Gebäudereiniger

Die BG BAU unterstützt neben dieser konkreten Handlungshilfe mit weiteren Angeboten, darunter Informationen zu Hygiene, Masken, Händedesinfektion und vielem mehr. Der Verband ist über die kostenfreie Servicehotline unter der Telefonnummer 0800/3799100 Montag bis Donnerstag von 08:00 bis 17:00 Uhr sowie Freitag von 08:00 bis 15:00 Uhr zu erreichen. Alternativ können sich Betriebe online über das Kontaktformular an die BG BAU wenden.

Die Corona-Standards der Reinigungsbranche zum Download:

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