Meisterstücke -

Besondere Grabsteine Das Leben in Stein gemeißelt

Ein Baumstamm, ein Unimog, ein gedeckter Tisch: Die Steinmetze Hilmar und Markus Gröger stellen in ihrem Betrieb ganz persönliche Grabsteine her – es geht ihnen dabei vor allem um  das Leben, nicht den Tod.

Hilmar und Markus Gröger Meisterstücke
Hang zum Außergwöhnlichen: Die Steinmetze Hilmar und Markus Gröger. -

Manchmal nehmen mich die Schicksale schon sehr mit", sagt Hilmar Gröger mit feuchten Augen. "Gerade wenn es um Kinder geht“, stimmt sein Bruder Markus Gröger zu. Einmal waren die beiden Steinmetze aus Ottobrunn bei München mit einem Abschiedsbrief von einem jungen Mädchen konfrontiert. Das werden sie nicht mehr vergessen. Doch sie wollen nicht den Tod, sondern das Leben darstellen.

Denn die Brüder stellen Grabsteine her. Positive Grabsteine, wie sie es nennen. Individuell angefertigt, erfassen sie das Wesen der Verstorbenen – oder drücken in Bildern das aus, was die Angehörigen mit der Person verbinden. Das kann der Unimog für einen Gemeindeangestellten sein, der die Straßen schneefrei gehalten hat. Oder die Weinflasche und die Pasta für den Südländer, dessen Leidenschaft das Kochen und ein guter Tropfen war.

Steinmetze Gröger Grabsteine 2
-

Erst kürzlich hat Hilmar Gröger einen Grabstein in Form eines abgestorbenen Baumstammes gestaltet, der nun auf einer Lichtung im Münchner Waldfriedhof steht. Der Witwer selbst entwarf die Inschrift. Menschen, die den Verstorbenen nicht kannten, wissen meist gar nicht, was sich hinter der Symbolik verbirgt.

Das Geheimnis liegt im Zuhören

Wichtig ist den Steinmetzen vor allem, dass ihre Grabsteine leise wirken. Und wichtig ist es ihnen, die Person genau zu treffen, die sie nur aus Erzählungen kennen. Am Anfang eines solchen Grabsteines steht daher immer das Gespräch über den Verstorbenen. Oft dauert es eine Weile, bis die Angehörigen sich öffnen. "Die Kunst ist es, zuzuhören", sagt Hilmar Gröger, der Ältere der beiden. Manchmal muss man die Kunden auch erst wieder nach Hause schicken, weil sie noch nicht bereit sind.

Die Handwerker erzählen dann Geschichten von anderen Kunden und die Angehörigen kommen beim nächsten Treffen mit einem großen Korb voller Erinnerungsstücke. Die Beratungsgespräche stellen sie nicht in Rechnung, auch wenn die Leute fünfmal kommen. Teils erscheinen die Kunden aber schon mit Ideen.

Schon seit die Brüder in den 90er Jahren gemeinsam mit Hilmars Ehefrau Nelly den Betrieb ihres Vaters übernommen haben, fertigen sie individualisierte Grabsteine. Mit einheit­lichen, auf Hochglanz polierten Grabsteinen können sie nicht viel anfangen, obwohl Standardsteine 60 Prozent ihres Geschäfts ausmachen. Doch es werden immer mehr, die etwas ganz Persönliches suchen, das sehen sie auch auf den umliegenden Friedhöfen: "Aha, die anderen haben sich auch getraut", so Hilmar Gröger. "Es geht vieles, aber manchmal muss man Überzeugungsarbeit leisten", fügt sein Bruder hinzu.

Traditionelles Handwerk

Nicht immer ist die Friedhofsverwaltung mit den Entwürfen gleich einverstanden. Doch es geht den Grögers darum, ein Denkmal im Sinne eines "denk mal darüber nach" zu setzen. Und mit diesem Ansatz haben sie schon viele Auszeichnungen gewonnen. So gewannen die Brüder vier Medaillen beim Gestaltungswettbewerb "Grabzeichen" 2012, der vom Bundesinnungsverband ausgetragen wird.

Steinmetze Gröger Grabstein
-

Und das sind auch Auszeichnungen für die Mitarbeiter. Inzwischen sind sie ein zehnköpfiges Team. Viele Mitarbeiter haben die Grögers selbst ausgebildet. Denn es ist ihnen wichtig, dass die noch das traditionelle Handwerk beherrschen, während viele andere Steinmetze nur noch Grabsteinhändler seien. Viele Steine werden noch mit Hand bearbeitet, die Entwürfe direkt auf den Rohling gezeichnet. Kein Computer, keine Schablonen.

Dass auch ihre Mitarbeiter das beherrschen sollen, hat einen Grund: Die beiden Meister haben mit den Beratungsgesprächen inzwischen so viel zu tun, dass sie immer mehr Aufgaben delegieren müssen – nur hin und wieder beweisen sie sich selbst noch ihr handwerkliches Geschick. Ihre Mitarbeiter wissen dafür genau, wie sie die Entwürfe der Chefs umsetzen müssen.

Kreatives Chaos

Die Grabmäler haben allerdings nicht nur ein besonderes Design, auch die Steine sind meist einzigartig. Auf dem Grundstück lagern unzählige davon – teils alte Steine, die sie wiederverwerten, teils Steine, die sie wegen ihrer außergewöhnlichen Form gekauft haben. "Manchmal hört man eine Geschichte über einen Verstorbenen und hat sofort den passenden Stein im Kopf", erzählt Hilmar Gröger.

Dann dauert es oft Tage, bis sie ihn mit dem Gabelstapler freigeräumt haben. "Ich sage dazu immer, bei uns herrscht ein kreatives Chaos", meint Markus Gröger lachend. Wie viele Steine sie lagern? "Das ist ganz schwierig zu sagen."

Dass es ein bisschen so wirkt, als sei die Zeit bei ihnen stehengeblieben, darauf sind die Steinmetz-Meister irgendwie stolz. "Wenn wir das Handwerk nicht so betreiben, geht es irgendwann verloren", sagt Hilmar Gröger. Doch sie verwehren sich dem Wandel der Zeit nicht – den Trend zu Urnen und Baumbestattungen haben sie bereits aufgegriffen.

Einen Lieblingsstein unter den tausenden Grabmälern, die sie bisher geschlagen haben? Fehlanzeige. Das ändert sich laufend. Und wie ihr eigenes Denkmal eines Tages aussehen soll, wissen die beiden auch nicht. "Man entwickelt sich ständig weiter."

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten