Finanzen -

Aufwand für Selbstständigkeit Das kostet eine Gründung im Handwerk

Nach dem Erwerb des Meistertitels folgt für viele Handwerker der Weg in die Selbstständigkeit. Doch was kostet die Existenzgründung an Zeit und Geld? Die interessantesten Zahlen im Überblick.

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Der Aufwand einer Existenzgründung lässt sich im Vorfeld abschätzen. -

Der durchschnittliche Erfüllungsaufwand einer Existenzgründung beträgt 95,15 Euro und dauert circa zwei Stunden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums. Befragt wurden dazu 108 Gründerinnen und Gründer, viele aus dem Handwerk. Bedingt durch die steuerliche Anmeldedauer eines Gewerbes erhöht sich die Bruttozeit einer Unternehmensgründung jedoch auf 11,7 Werktage.

Je nach Unternehmenstyp kommen einzelne Kosten hinzu und oder fallen weg, zum Beispiel für die Eintragung in die Handwerksrolle oder die Beurkundung eines Gesellschaftsvertrags. Im Durchschnitt liegen die zusätzlichen Verwaltungsgebühren bei 120,78 Euro.

Insgesamt beläuft sich der Erfüllungsaufwand für alle Unternehmensgründungen in Deutschland jährlich auf über 30 Millionen Euro. (2012: 32,96 Millionen Euro).

Beispiel Baugewerbe:

Doch was gilt speziell für eine Existenzgründung im Handwerk? Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Kosten im Baugewerbe näher untersucht.

Zu den Kernprozessen der Unternehmensgründung zählt die Gewerbeanmeldung. Bei den befragten Betrieben aus dem Baugewerbe dauert dies durchschnittlich 16 Minuten. Die damit verbundenen Kosten für Personal, Wege- und Wartezeiten sowie Sachaufwendungen belaufen sich auf 18,49 Euro.

Der nächste wichtige Schritt: Die steuerliche Anmeldung. Die Gesamtkosten im Baugewerbe belaufen sich auf 42,98 Euro. Darin enthalten sind Sachkosten von 26,54 Euro. Den Zeitaufwand gaben die Gründer ebenfalls mit 16 Minuten an. Die befragten Betriebe haben Geld für einen Steuerberater ausgegeben. Das ist ratsam, um keine Fehler zu machen. Eine gesetzliche Verpflichtung gibt es allerdings nicht.

Um Mitglied einer Berufsgenossenschaft zu werden, müssen Neugründer 11,44 Euro einplanen. Dabei fallen vor allem die Personalkosten mit 6,67 Euro ins Gewicht. Um Mitglied zu werden, mussten die Betriebe im Schnitt 13 Minuten aufwenden.

Die Eintragung in die Handwerksrolle ist ein branchenspezifischer Verfahrensschritt. Die Existenzgründer mussten dafür 26 Minuten einplanen. Der Großteil der Gesamtkosten von 30,69 Euro entfiel auf die Personal- und Wegekosten.

Je nach Einzelfall können dann noch Kosten für die Beantragung einer Betriebsnummer bei der Bundesagentur für Arbeit (12,82 Euro/15 Minuten im Schnitt), die Eintragung ins Handelsregister (27,69 Euro/35 Minuten) und die Beurkundung eines Gesellschaftervertrags (12,82 Euro/15 Minuten) anfallen.

Weitere spannende Erkenntisse:

  • Der Kernprozess einer Gründung (Gewerbeanzeige, steuerliche Anmeldung, Mitgliedschaft in Berufsgenossenschaft) erfordert geringe Bearbeitungszeiten.
  • Die steuerliche Anmeldung ist der Verfahrensschritt mit dem höchsten Erfüllungsaufwand, da sehr häufig Gründerinnen und Gründer bevorzugen, für diese Aufgabe einen Steuerberater zu beauftragen.
  • Für die notarielle Beurkundung eines Gesellschaftsvertrags und die Eintragung ins Handelsregister ist aufgrund hoher Komplexität ein relativ hoher zeitlicher Aufwand gemessen worden.
  • Die Beantragung einer Mitgliedschaft bei einer fachlich zuständigen Berufsgenossenschaft sowie die Beantragung der Betriebsnummer verursachen den niedrigsten Erfüllungsaufwand. Beides wird häufig postalisch oder telefonisch beantragt, wodurch Kosten für Wege- und Wartezeiten entfallen.
  • Viele Gründerinnen und Gründer wissen nicht, ob und wie eine Anmeldung zur Berufsgenossenschaft zu erfolgen hat.
  • Über 80 Prozent der befragten Gründerinnen und Gründer haben persönlich bei der jeweils zuständigen Stelle ihre Gewerbeanmeldung bzw. die Eintragung bei der Handwerkskammer beantragt. Der persönliche Kontakt ist für die Gründerinnen und Gründer sehr wichtig. Einerseits erhöht dies die Wegezeiten, andererseits gibt es seltener Rückfragen zwischen Behörden und Gründerinnen und Gründer. Insgesamt resultieren fast 25 Prozent des Erfüllungsaufwands aus der Wegezeit.

Die Aufnahme von Fremdkapital ist oft unverzichtbar:

  • 84 Prozent der befragten Gründerinnen und Gründer, die eine Finanzierung benötigten, hatten eine Förderung aus öffentlichen Mitteln beantragt.
  • KfW-Gründerkredite und Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit wurden anteilig mit je etwa einem Drittel häufig in Anspruch genommen.
  • Die meisten Gründerinnen und Gründer empfanden die Beantragung von Fördermitteln als aufwendig oder sehr aufwendig.
  • Die Antragsanforderungen seien zu hoch und die Beantragung zu kompliziert.
  • Die Gründerinnen und Gründer warteten im Mittel knapp 38 Werktage , bevor sie ihre Fördermittel in Anspruch nehmen konnten. Die Rücklaufzeit wurde insgesamt als zu lang angesehen.
  • Die Gründerinnen und Gründer wünschten sich auch bei der Beantragung von Fördermitteln mehr Hilfestellung von einer einheitlichen Anlaufstelle.

Bei der Informationsbeschaffung gibt es Verbesserungspotenzial:

  • noch mehr Hilfestellung (Bündelung der Informationen) durch das Internet,
  • eine Checkliste als Gesamtüberblick über die erforderlichen Gründungsschritte (richtige Anlaufstellen in der richtigen Reihenfolge),
  • ein Formular, in dem alle für die Gründung notwendigen Angaben der Gründerinnen und Gründer enthalten sind, damit diese nur einmal zusammengestellt werden müssen,
  • Beratung und Durchführung aller relevanten Verfahrensschritte durch eine zentrale Anlaufstelle sowie
  • eine stärkere Bekanntmachung des Einheitlichen Ansprechpartners, z. B. durch Werbekampagnen.

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