Beruflich unterwegs -

Geldwerter Vorteil beim Dienstwagen So hilft das Fahrtenbuch beim Steuern sparen

Angestellte Handwerker und GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer müssen nach neuer Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) damit rechnen, dass sie für die unterstellte Privatnutzung des Dienstwagens künftig erstmals einen geldwerten Vorteil als Arbeitslohn versteuern müssen. Das Zauberwort, um die Steuerbelastung zu reduzieren oder komplett zu vermeiden, lautet Fahrtenbuch.

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Neue Rechtsprechung Fahrtenbuch
Arbeitnehmer, die ihren Dienstwagen nicht privat nutzen, sollten das mit einem Fahrtenbuch nachweisen. -

Unterstellte Privatnutzung nicht mehr wegzudiskutieren
Nach neuer Rechtsprechung genügt für die Besteuerung des geldwerten Vorteils bereits die Möglichkeit, den Dienstwagen privat nutzen zu dürfen. Ob der Arbeitnehmer ihn tatsächlich zu Privatfahrten verwendet hat, interessiert nicht mehr. Das gilt zumindest, so lange kein Fahrtenbuch für den Dienstwagen geführt wird (BFH, Urteil v. 01.03.2013, Az.: R 31/10). Bisher konnte die Vermutung der Privatnutzung selbst ohne Fahrtenbuch widerlegt werden, indem auf vorhandene Privatfahrzeuge verwiesen wurde. Diese Widerlegung gibt es nicht mehr.

Beispiel: Die angestellte Handwerkerin Müller darf einen Dienstwagen auch zu privaten Fahrten nutzen (Bruttolistenpreis: 30.000 Euro). Sie nutzt den Dienstwagen aber nicht privat, denn sie und ihr Ehegatte nutzen zwei vergleichbare eigene Fahrzeuge für private Spritztouren. Ein Fahrtenbuch wird nicht geführt.

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Folge: Da sich die Privatnutzung ohne Fahrtenbuch nicht mehr wegdiskutieren lässt, muss jeden Monat ein geldwerter Vorteil von 300 Euro versteuert werden (30.000 Euro × 1 Prozent).

Ausweg: Wer seinen Dienstwagen kaum oder gar nicht privat nutzt, sollte das also unbedingt mit einem Fahrtenbuch nachweisen. Wer kein Fahrtenbuch führen möchte, weil ihm das zu anstrengend ist, sollte auf billige Dienstwagen mit einem günstigen Bruttolistenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung umsteigen. Alternativ kann auch ein arbeitsrechtliches Privatnutzungsverbot durch den Arbeitgeber ausgesprochen werden.

Privatnutzungsverbot nicht automatisch widerlegbar
Eine interessante Alternative, um die Besteuerung eines geldwerten Vorteils für die vermutete Privatnutzung eines Dienstwagens zu vermeiden, ist ein vom Arbeitgeber schriftlich erteiltes Privatnutzungsverbot. Bisher pochten die Finanzämter darauf, dass dieses Privatnutzungsverbot nachweislich vom Arbeitgeber überwacht wird. Doch die Richter des Bundesfinanzhofs änderten hier ihre langjährige Rechtsprechung. Selbst ohne Überwachung des Privatnutzungsverbots darf das Finanzamt nicht automatisch unterstellen, dass der Arbeitnehmer dagegen verstoßen hat. Eine Besteuerung trotz Privatnutzungsverbot kommt danach nur in Betracht, wenn der Prüfer des Finanzamts weitere Indizien für eine Privatnutzung findet (BFH, Urteil v. 21.03.2013, Az.: VI R 46/11).

Tipp: Da die Prüfer der Finanzämter natürlich alle Hebel in Bewegung setzen werden, um weitere Indizien für eine Privatnutzung zu finden und dabei wohl meist auch erfolgreich sein dürften, sollte trotz dieses Urteils ein ausgesprochenes Privatnutzungsverbot unbedingt überwacht werden. Die Überwachung kann durch Führung eines Fahrtenbuchs geschehen oder durch tägliche Abgabe der Autoschlüssel nach Feierabend.

Neue Rechtsprechung gilt nicht für ­Einzelunternehmer

Die neue Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs zum Dienstwagen ist übrigens ausdrücklich nur zur Lohnsteuer für Mitarbeiter ergangen. Führt ein Einzelunternehmer oder ein Mitunternehmer einer Personengesellschaft bei Nutzung eines Firmenwagens kein Fahrtenbuch, kann er die vermutete Privatnutzung weiterhin durch clevere Argumente widerlegen (BFH, Urteil v. 04.12.2012, Az.: VIII R 42/09).

Zwei Argumente gegen Besteuerung
Zwei klassische Möglichkeiten, wie bei Unterstellung einer Privatnutzung des Dienstwagens ohne Fahrtenbuch gekontert werden kann.

Klassiker 1: Die Privatnutzung ist immer dann zu verneinen, wenn ein Mitarbeiter seinen Dienstwagen nur mit nach Hause bekommt, weil er Rufbereitschaft oder am nächsten Tag einen auswärtigen Einsatz hat. Hier überlagern die betrieblichen Interessen die Vermutung der Privatnutzung.

Klassiker 2: Der Arbeitnehmer nutzt einen Dienstwagen, der nicht zur Privatnutzung geeignet ist. Das wäre ein Wagen ohne Rücksitze mit eingebauten Waren- oder Werkzeugregalen.

Steuer-1x1 zu Dienst- und Firmenwagen

Hummer kein Lkw: Bei der Kfz-Steuer ist ein Hummer HMC4 nicht begünstigt als Lkw, sondern als Pkw zu behandeln, selbst wenn sich im Heck eine Ladefläche befindet (FG Münster, Urteil v. 13.06.2013, Az.: 13 K 3612/09).

Fahrtenbuch I: Wer ein elektronisches Fahrtenbuch nutzt, muss dieses zeitnah führen. Es spricht nichts dagegen, wenn die betrieblichen Fahrten spätestens sieben Tage nach Abschluss der Fahrt in einem Webportal erfasst werden (OFD Rheinland, Kurzinfo LSt-Außendienst 2/2013 v. 18.02.2013).

Fahrtenbuch II: Ein elektronisch geführtes Fahrtenbuch wird nur dann steuerlich anerkannt, wenn die Eintragungen unveränderbar sind oder wenn Änderungen nachvollziehbar festgehalten werden. Ein Excel-Fahrtenbuch fällt in den Augen des Finanzamts deshalb durch.

Verfassungskonform: Dass bei der 1-Prozent-Regelung der Bruttolistenpreis herangezogen wird und die Rabatte der Autohändler ignoriert werden, verstößt nicht gegen die Verfassung (BFH, Urteil v. 13.12.2012, Az.: VI R 51/11; siehe Kasten Steuerlexikon: Bruttolistenpreis).

Kostenbeteiligung: Zuzahlungen des Arbeitnehmers zum Kauf des Dienstwagens mindern den zu versteuernden geldwerten Vorteil für die Privatnutzung. Muss der Arbeitnehmer dagegen einzelne Fahrzeugkosten wie Tanken, Leasingrate, Versicherung oder Autowäsche bezahlen, reduziert sich der zu versteuernde geldwerte Vorteil nicht (BMF, Schreiben v. 19.04.2013, Az.: IV C 5 – S 2334/11/10004).

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