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Neuregelung Einkommensteuer: Das gilt 2020 für die Anrechnung der Gewerbesteuer

Im Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz wurde die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer erhöht. Hier die wichtigsten Informationen zur Steueranrechnung und welche Handwerksbetriebe durch die Anrechnung vollständig von der Gewerbesteuerbelastung verschont werden.

Bisher rechnete das Finanzamt bei Gewerbetreibenden das 3,8-fache des Gewerbesteuermessbetrags auf die Einkommensteuerschuld an. Ab 2020 beträgt die Anrechnung das 4,0-fache.

Beispiel – Steueranrechnung im Jahr 2019

Ein selbständiger Handwerker erhält vom Finanzamt einen Gewerbesteuermessbescheid 2019 mit einem Messbetrag von 10.000 Euro. Er hat seinen Betriebssitz in einer Gemeinde mit einem Hebesatz von 490 Prozent.

Das bedeutet, dass der Unternehmer bei einem Hebesatz von 490 Prozent an die Gemeinde Gewerbesteuer in Höhe von 49.000 Euro zahlen muss. Gibt er für 2019 eine Einkommensteuererklärung beim Finanzamt ab, rechnet das Finanzamt auf die Einkommensteuer 2019 Gewerbesteuer in Höhe von 38.000 Euro an (10.000 Euro x 3,8). Unter dem Strich ist der Handwerker damit nur mit Gewerbesteuer in Höhe von 11.000 Euro belastet.

Variante – Steueranrechnung im Jahr 2020

Würde der selbständige Handwerker im Jahr 2020 einen Gewerbesteuermessbescheid vom Finanzamt mit einem Messbescheid von 10.000 Euro erhalten und hätte seinen Sitz in einer Gemeinde mit einem Hebesatz von 490 Prozent, müsste er nach wie vor 49.000 Euro Gewerbesteuer an die Gemeinde bezahlen (10.000 Euro x 490 Prozent).

Neu ist 2020, dass die Gewerbesteueranrechnung auf 40.000 Euro klettert. Das bedeutet, dass der Handwerker nur noch mit 9.000 Euro Gewerbesteuer effektiv belastet ist.

Welche Gewerbetreibenden werden vollständig entlastet?

Durch die neue Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer in Höhe des 4,0-fachen des Gewerbesteuermessbetrags werden übrigens nicht nur Gewerbetreibende vollständig von der Gewerbesteuerbelastung verschont, die ihren Sitz in einer Gemeinde mit einem Hebesatz von 400 Prozent haben. Da sich durch die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer nach § 35 EStG auch der Solidaritätszuschlag mindert, werden sogar Unternehmer mit Sitz in Gemeinden mit einem Hebesatz von bis zu 422 Prozent komplett von der Gewerbesteuerbelastung verschont.

Antrag auf Herabsetzung der laufenden Einkommensteuervorauszahlungen 2020

Hat ein Unternehmer seinen Sitz in einer Gemeinde mit einem Hebesatz von mehr als 380 Prozent, sollte er aufgrund der höheren Gewerbesteueranrechnung unbedingt einen Antrag auf Herabsetzung der laufenden Einkommensteuervorauszahlungen 2020 stellen.

Weitere Senkung der Gewerbesteuerbelastung in Sicht

Die Gewerbesteuerbelastung kann übrigens generell auch durch eine Änderung im Gewerbesteuergesetz sinken. Bei Aufwendungen für Zinsen. Mieten, Leasingraten und Lizenzzahlungen erhöht sich nach § 8 Nr. 1 GewStG der Gewerbeertrag, der für die Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrag und somit für die Höhe Gewerbesteuer maßgeblich ist. Von den anteiligen Zurechnungen wurde bisher ein Freibetrag von 100.000 Euro abgezogen. Vom verbleibenden Betrag würden dann dem Gewerbeertrag 25 Prozent hinzugerechnet. Im Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz wurde der Freibetrag auf 200.000 Euro erhöht.

Praxis-Tipp: Da durch den höheren Freibetrag der Gewerbeertrag nur geringer oder bestenfalls gar nicht mehr erhöht wird, sollte ein Antrag auf Herabsetzung der laufenden Gewerbesteuervorauszahlungen 2020 in Erwägung gezogen werden. Der Antrag muss übrigens beim Finanzamt und nicht bei der Gemeinde gestellt werden.

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