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Südtirol Das Erbe der Berge

Reinhold Messner erzählt in bald sechs Südtiroler Museen die Geschichte des Bergsteigens. In jedem einzelnen wird begreiflich, was die Berge für die Menschen bedeuten.

Eine große bunte Gebetsmühle, leise tibetanische Meditationsklänge und ab und zu ein tiefes "Ommmm". Kleine Buddha-Statuen mit dicken Bäuchen stehen verteilt in den Nischen des alten Gemäuers. Nein, es ist kein heiliger Tempel im fernöstlichen Tibet. Die Besucher befinden sich in Südtirol, auf Schloss Sigmunskron, im Messner Mountain Museum "MMM Firmian" in der Nähe von Bozen.

Das "MMM Firmian" ist eines von fünf Museen, die durch Reinhold Messner gestaltet wurden. Er hat das Projekt "Messner Mountain Museum" ins Leben gerufen und bezeichnet es selbst als seinen 15. Achttausender. In jedem Museum berichtet er themenbezogen über eigene Erkenntnisse und Erlebnisse. Jeder Standort hat einen besonderen historischen und geografischen Hintergrund. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie beschäftigen sich alle mit dem Thema Berg, dem Bergtourismus und den Bergvölkern.

Das "MMM Firmian" thematisiert die Auseinandersetzung Mensch–Berg und wer denkt, wie bei einem normalen Museum an den Exponaten vorbeischlendern zu können, der täuscht. Die Besucher laufen treppauf und treppab, besteigen die alten Türme und Wehrmauern der Burg. Laufen über Brücken und steigen in die Tiefen der Keller-Gewölbe ab, wo die Entstehung und die Ausbeutung der Berge nachvollziehbar wird.

Messner Mountain Museum
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Geschichte im "Weißen Turm"

Der Rundgang führt die Besucher von der fernöstlichen Kultur und Religion zu Ausstellungsräumen, die die Besteigungsgeschichte der Achttausender zeigt. Es werden Ausrüstungsgegenstände aus den Anfängen des Bergsteigens und hochmoderne orangene Expeditionsanzüge ausgestellt. In einem nur wenige Quadratmeter großen Raum hängen an den groben Burgmauern Schwarz-Weiß-Aufnahmen tödlich verunglückter Bergsteiger und in der Mitte, in einer Glasvitrine, steht der Bergschuh von Messners Bruder Günther, der 1970 am Naga Parbat im Himalaja ums Leben kam.

Da das Schloss Sigmunskron auch eine große geschichtliche Bedeutung für Südtirol hat, ist die Ausstellung im „Weißen Turm“ der Geschichte der Burg und dem Kampf um die Autonomie des Landes gewidmet.

Den heiligen Bergen gewidmet

Das "MMM Juval" im Vinschgau, in der Nähe von Naturns, gehört zum Privatbesitz Messners. Hier verbringen er und seine Familie die Sommermonate. Es wurde 1995 eröffnet und steht unter dem Thema "Mythos Berg". Er widmet dieses Museum den heiligen Bergen, den Schlüsselbergen der jeweiligen Bevölkerung. Wie beispielsweise der Kailash in Tibet, der Fujiama in Japan oder dem Ayers Rock in Australien. Außerdem beherbergt das Museum eine Maskensammlung aus fünf Kontinenten, eine Tibetika-Sammlung und im Expeditionskeller sind Ausrüstungsgegenstände der Reinhold-Messner-Expeditionen ausgestellt.

In Sulden am Ortler befindet sich das "MMM Ortles" auf 1.900 Metern Höhe. Es ist unterirdisch angelegt und nur an einer Stelle gibt es den Blick auf den 3.905 Meter hohen Ortler frei. Hier geht es um das Thema "Eis". Draußen ist das Eis real, man kann es sehen, riechen und fühlen. Im Museum geht man förmlich in den Berg hinein. Reinhold Messner erzählt von den Schrecken des Eises, der Arktis und der Antarktis und den drei Polen, dem Nordpol, dem Südpol und dem Mount Everest – dem Ende nach oben.

Im Herzen der Dolomiten, zwischen Pieve die Cadore und Cortina D’Ampezzo, erhebt sich der Monte Rite (2.181 m). Zu Zeiten des ersten Weltkriegs war auf dem Gipfel ein Fort, heute ist in dem ehemaligen Militärstützpunkt das "MMM Dolomites" untergebracht. Im vierten Messner-Museum dreht sich alles um den "Fels". Es erzählt die Erschließungsgeschichte der Dolomiten anhand jener Forscher und Kletterer, die mit ihren Entdeckungen, neuen Wegen und Erstbegehungen alpine Geschichte geschrieben haben.

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Neueröffnung im Juli 2014

Das bisher letzte Museum wurde 2012 im Schloss Bruneck eröffnet, das "MMM Ripa". Dieses widmet Messner den Bergvölkern aus Asien, Afrika, Südamerika und Europa. Er stellt die Kultur und Religion der Bergvölker dem Tourismus gegenüber und zeigt das Alltagsleben der verschiedenen Völker.

In Sichtweite von Bruneck erhebt sich der 2.275 Meter hohe Kronplatz. Hier wird Reinhold Messner dieses Jahr sein sechstes und letztes "MMM-Museum" eröffnen, das "MMM Corones". Hier soll es um die großen Wände, um die Königsdisziplin des Alpinismus und das Leben der Bergsteiger gehen. Die Eröffnung ist für Juli 2014 ­geplant.

Weitere Informationen sowie Öffnungszeiten und Eintrittspreise erhalten Sie ­unter messner-mountain-museum.it

Reinhold Messner

Reinhold Messner ist am 17. September 1944 in Südtirol geboren. Bereits mit fünf Jahren bestieg er seinen ­ersten Dreitausender in Begleitung seines Vaters. Nach dem Technik-Studium arbeitete er kurz als Mittelschullehrer, bevor er sich ganz dem Bergsteigen widmete. Er bestieg alle 14 Achttausender sowie die "Seven Summits". Ihm gelangen viele Erstbegehungen und er war der Erste, der den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät bestieg. Er durchquerte die Antarktis, die Wüste Gobi und Takla Makan und ihm gelang die Längsdurchquerung Grönlands.

Zwischen seinen Reisen lebt Reinhold Messner mit seiner Frau und seinen vier Kindern in Meran und auf Schloss Juval. Er bewirtschaftet Bergbauernhöfe und schreibt Bücher. Er ist als Kommentator im Fernsehen sowie als Vortragsredner von Alpinisten, Touristikern, Wirtschaftsführern weltweit begehrt. Im Anschluss an sein Mandat als EU-Abgeordneter (1999–2004) kann er sich nun seit mehr als 15 Jahren seinem Projekt "Messner Mountain Museum" sowie seiner Stiftung widmen, die Bergvölker weltweit unterstützt.

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