Stuttgart -

Abschluss- und Gesellenprüfung Dank an das „Bodenpersonal“

63 junge Handwerker aus der Region Stuttgart zählen zur Elite ihres Gewerks. Sie haben die Abschluss- oder Gesellenprüfung mit Bestnoten absolviert. Anfang Oktober wurden sie im Forum der Handwerkskammer in Stuttgart geehrt.

Der Abend war ganz dem Motto „Überflieger“ gewidmet. Nach dem Check-in der „Passagiere“ düsten kleine Propellerflugzeuge über die Köpfe der 250 Gäste. Ein Astrophysiker erklärte, wie ein Raumschiff auf Kurs gebracht werden kann, und Moderator Christian Krack vom Lokalsender 107,7 begleitete den Abend-Flug kurzweilig. Zu den Überfliegern zählte auch Marco Schäfer.

Als Jahrgangsbester der Informationselektroniker mit Schwerpunkt Geräte- und Systemtechnik war er eingeladen – und schon vom roten Teppich vor dem Haus ganz angetan. „Der Abend ist toll, ich hatte nicht erwartet, dass wir so wertschätzend empfangen werden“, fasste er seine Eindrücke zusammen. Schäfer weiß, wovon er spricht. Seine Erstausbildung absolvierte er im Einzelhandel. „Das ist kein Vergleich.“ Zufrieden und motiviert weist er nun auf seine Pläne hin: „Ich mache den Meister – da stehen dann alle Türen offen.“

Stolz auf die „Überflieger“ zeigte sich auch Alexander Kotz, Vizepräsident der Handwerkskammer. „Nicht umsonst nennen wir die Elite dieses Jahr so. Sie verkörpern das, was das Handwerk ausmacht: Leistungsorientierung, hohe Qualität und Modernität. Das haben sie in den Prüfungen bewiesen.“ Er zollte den Ausbildungsbetrieben und den Mitarbeitern der Berufsschulen und Bildungszentren großen Respekt. „Um im Fliegerdeutsch zu bleiben: Auch das Bodenpersonal hat toll gearbeitet.“

Als „Chance“ bezeichnete Kotz die Flüchtlingswelle, die nun auch auf das Handwerk zukomme. Weil die Industrie sehr viele Menschen wegsauge, bleibe dem Handwerk nichts anderes übrig, als selbst nach dem Fachkräftepotential zu schauen. „Die Bereitschaft unserer Betriebe zur Integration der Kriegsflüchtlinge ist enorm. Aber wir müssen klar sehen, dass für den deutschen Arbeitsmarkt oder die duale Ausbildung umfangreiche deutsche Sprachkenntnisse vorliegen müssen.“ Hier gelte es, die Hebel bei der Unterstützung rasch anzusetzen.

Rotary Club fördert junge Handwerker

Vom Hörensagen kannten die drei Preisträger den Rotary Club. Dass diese Vereinigung das berufliche Fortkommen unterstützt, war für sie aber ganz neu. „Total überrascht“ waren Lea Teweleit, Mario Teising und Ina Ronja Buchfink, dass gerade sie bei der Ehrung der Jahrgangsbesten ein zweites Mal auf die Bühne durften. Diesmal konnten sie einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro von Claus Munkwitz in seiner Rolle als Präsident des Rotary Clubs Stuttgart in Empfang nehmen. Munkwitz wies auf die Förderkriterien hin, zu denen unter anderem ein besonders gutes Abschneiden in der Gesellenprüfung und klare Zukunftspläne zählen. „Mit den Förderpreisen wollen wir besonders begabten und motivierten jungen Handwerkern finanziell unter die Arme greifen und so auf der Karriereleiter nach oben helfen.“

Praktischer Leistungswettbewerb

Von A wie Augenoptiker bis Z wie Zimmerer reicht in diesem Jahr die Bandbreite der 63 Ausbildungsberufe, die einen Jahrgangsbesten stellen, den sogenannten Kammersieger. Unter anderem kann erstmals wieder der beste Geselle aus dem Uhrmacherhandwerk geehrt werden. Auch weniger bekannte Berufe wie der des Müllers, Sattlers oder Weinküfers zeichnen ihre Spitzenreiter aus. Bei den 63 Besten sind 20 junge Frauen dabei, 25 der jungen Profis können die allgemeine Hochschulreife vorweisen. Das Durchschnittsalter liegt bei 22 Jahren. Bei der Bewertung der Leistung kommt es auf die Gesamtpunktzahl bei der Gesellen- oder Abschlussprüfung an. Diese besten Handwerker aus der Region Stuttgart haben jetzt die Chance, beim Leistungswettbewerb auf Landesebene teilzunehmen. Unter Prüfungsbedingungen müssen dann Arbeitsproben erstellt werden oder es wird das Gesellenstück neu bewertet. Schließlich erreicht der Wettbewerb auf Bundesebene im November in Frankfurt/Main sein Finale.

Bildergalerie: hwk-stuttgart.de

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