Panorama -

Klaas Heufer-Umlauf im Interview Comeback im Handwerk: Wenn Klaas den Friseur spielt

TV-Moderator und Schauspieler Klaas Heufer-Umlauf hat nach der Schule das Handwerk des Friseurs gelernt. Ab dem 2. Januar kehrt er für die Comedy-Serie "Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres" zu seinen Wurzeln zurück. Wie er seinen eigenen Friseursalon nennen würde, verrät er im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung.

DHZ:  Bevor Du zum Fernsehen gekommen bist, hast Du eine Ausbildung gemacht. Warum bist Du damals Friseur geworden?

Klaas Heufer-Umlauf: Mir war nach der Realschule klar, dass ich keine Lust hatte, Abitur zu machen. Eine Ausbildung lag also nahe. Ich wollte unbedingt einen Beruf erlernen, der mir Spaß macht. Hinter einem Computer versauern wollte ich dabei auf keinen Fall. Der Job sollte kreativ sein und was mit Menschen zu tun haben. Da fiel die Wahl schnell auf den Friseur.

DHZ:  Was hat Dir am meisten Spaß gemacht?

Heufer-Umlauf: An dem Job hat mir vor allem der Austausch mit den Menschen viel Spaß gemacht. Aber auch diese Hektik, die in einem Friseursalon ausbrechen kann, hat mich fasziniert. Wenn der Laden brummt, hat man immer den Eindruck, man macht sechs Sachen gleichzeitig. Überall läuft ein technisches Gerät und man serviert immer noch gut gelaunt Kaffee. Bei der Hektik den Überblick zu behalten und mit den Kollegen gemeinsam den Laden in Schuss zu halten, das ist eine tolle Herausforderung.

DHZ: Wenn Du nicht beim Fernsehen gelandet wärst, wärst Du dann heute noch Friseur?

Heufer-Umlauf: Nein. Das liegt aber nicht daran, dass es mir keinen Spaß gemacht hat. Ich bin einfach nicht talentiert genug. Ich hätte niemals die Chance gehabt, der Beste zu werden. Einfach so vor mich hin zu arbeiten und zu wissen, dass ich nur im Mittelfeld bin, hätte mir auf lange Sicht die Motivation geraubt. Ich hätte dem deutschen Handwerk damit keinen Gefallen getan.

DHZ: Welchen Tipp würdest Du anderen geben, die sich für den Beruf interessieren?

Heufer-Umlauf: Neben dem handwerklichen Geschick sollte man natürlich kommunikativ sein. Man muss Lust haben, sich mit fremden Leuten auseinanderzusetzen. In dem Job hat man einen recht intimen Kundenkontakt. Man fasst die Kunden an. Man wäscht ihnen die Haare. Das ist schon ein Unterschied zu Berufen, bei denen man mit einem Kunden im Geschäft steht und dazwischen ist noch der Bedien-Tresen. Während der Ausbildung muss man dann eine Zeit lang ackern, bis man die Aufgaben machen darf, die man sich so vorstellt. Wenn man einfach nur sagt: "Ich weiß nicht, was ich machen soll, also werde ich Friseur", dann hat man ein böses Erwachen. Es ist wichtig, sich bewusst dafür zu entscheiden, was man machen will und es dann durchzuziehen. Das ist der einzige Weg zum persönlichen Glück.

DHZ:  Wie hilft Dir die Ausbildung bei Deiner Arbeit heute?

Heufer-Umlauf: Meine Ausbildung hat mir vor allem eine unersetzliche Erkenntnis gebracht: Wenn man etwas anfängt, dann kann man es auch zu Ende machen. Das klappt auch, wenn es tiefe Täler gibt, über die man kaum hinweggehen mag. Ich habe durch diese Erfahrung auch viel über mich selbst gelernt und schöpfe daraus immer wieder Motivation. Wenn man immer nur sagt: "Ich kann das nicht. Ich will das nicht", wird man es niemals schaffen. Wenn man aber die Gewissheit hat, dass man auch andere Dinge geschafft hat, die einem unmöglich erschienen, kann man dieses Wissen auf alles Mögliche anwenden. Es war ein tolles Gefühl, endlich meinen Gesellenbrief in der Hand zu halten. Ein Moment, der mir viel Substanz mitgegeben hat für alle Unsicherheiten, die im Laufe eines Lebens auf einen zukommen.

DHZ: Viele Azubis stellen sich die Frage, ob sie ihre Ausbildung abbrechen sollen. Was rätst Du ihnen?

Heufer-Umlauf: Die Ausbildung abzubrechen, ist die schlechteste Idee. Das ist ein Trauma. Selbst, wenn man die Ausbildung total scheiße findet, sollte man lieber mit einer Vier abschließen als alles hinzuschmeißen. Das ist ein Erlebnis, dass man seinem Karma nicht antun sollte.

DHZ: Du spielst in der Serie " Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres ", die ab 2. Januar im NDR zu sehen ist, den Friseur Ingo. Dein Salon hat den lustigen Namen "Contain-Hair Ingo". Wenn Du einen eigenen Salon hättest, wie würdest Du ihn nennen?

Heufer-Umlauf: Ich würde ihn "Heufhair-Umlauf" nennen (lacht). Leider gibt es eine Menge schlimmer Namen für Friseursalons. In Berlin, in der Nähe eines bekannten Flusses, gibt es zum Beispiel den Namen "Haarspree". Aber auch von "Vier Haareszeiten" bis "Kamm in and find out" ist alles zu finden. Meiner Meinung nach zeigt sich die Kreativität eines Friseurs am Kopf der Kunden und nicht unbedingt am Schild, das vor dem Salon steht.

DHZ: In der Serie hast Du blond gefärbte Haare. Ein etwas ungewöhnlicher Anblick. Was sagst Du zu der Frisur?

Regisseur Lars Jessen mit Klaas Heufer-Umlauf und Olli Dittrich.

Heufer-Umlauf: Naja, als Künstler ordnet man sich da eben unter. Drei Tage lang fand ich das auch ganz witzig. Aber ich musste wochenlang damit rumlaufen. Da verlässt einen irgendwann die Selbstironie. Das Schlimme ist, man kann auch nicht immer jedem erklären, warum man diese komische Frisur hat. Es gibt viele Leute, die sagen nichts und denken sich: "Ok, der Alte ist wohl etwas schrullig geworden". Lügner kann man übrigens sehr gut damit enttarnen. Wenn jemand sagt, "das sieht ja toll aus", sollte man den Kontakt sofort abbrechen.

DHZ:  In der Serie versuchst Du eine gute Marketingstrategie für einen Friseursalon zu finden. Du legst Musik auf und produzierst mit Deiner Kollegin lustige Videos für die sozialen Netzwerke. Wie können Friseure heute erfolgreich sein?

Heufer-Umlauf: Also so wie wir das in der Serie machen, ist es schon ganz gut. Mal abgesehen von der lauten Musik – das finde ich ja abstoßend beim Friseur. Man muss sich überlegen, mit was man sich identifiziert und was diesen einen Salon von anderen Friseuren abhebt. Die Konkurrenz ist groß und man sollte sich auch nicht scheuen, Medien auf ungewöhnliche Art und Weise zu benutzen. Ich finde es zum Beispiel nicht lächerlich, wenn ein Friseur einen Instagram Account hat, aber dann sollte man eben mehr machen als nur Kundenhaarschnitte zu fotografieren.

DHZ: Das stimmt. Leider gelingt es einigen Handwerksbetrieben nicht, sich richtig um diese Marketing-Strategien zu kümmern. Wie sollte man sich richtig aufstellen?

Heufer-Umlauf: Es muss eine Person geben, die sich richtig um das Marketing kümmert. Das muss nicht immer der Chef sein. Viele Kommunikationsregeln sind mittlerweile verstaubt: "Den Kaffee serviert man immer von rechts. Wenn niemand im Saal ist, verteilt man sich." Das steht, meiner Meinung nach, für das Bild eines Handwerksbetriebs von 1965. Ich finde es wichtig, einen netten und zum Salon passenden Ton zu etablieren. Das hängt auch damit zusammen, wie man seine Mitarbeiter auswählt. Man sollte zum Beispiel schon beim Bewerbungsgespräch darauf achten, dass man einen gemeinsamen Ton hat und ihn nicht erst finden muss.

Sendetermine

Die Comedy-Serie "Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres" läuft am 2. und 4. Januar im NDR-Fernsehen, jeweils um 22.30 Uhr.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten