Unternehmensführung -

Was tun, wenn der Chef ausfällt Damit der Betrieb nicht stillsteht

Was ein Handwerker im Vorfeld regeln sollte, damit im Unglücksfall der Betrieb weiterlaufen kann und die Familie nicht an der Last zerbricht.

Lediglich eine Woche Auszeit vom Alltagstrubel nahm sich Zimmermeister Harald P. im Juni. In Südtirol allein die Gebirge erkunden und dann mit gewohnter Frische zurück zu seinen sieben Mitarbeitern auf die Baustelle. Dann der Anruf aus dem Krankenhaus: Harald liegt im Koma – ein Autounfall. Dauer ungewiss. Und obwohl diese Hiobsbotschaft schon schlimm genug ist, geht der Stress für die Familie im eigenen Handwerksbetrieb erst richtig los.

Das Alltagsgeschäft gerät ins Stocken. Ohne Chef können die Zimmerer zwar einen Dachstuhl aufrichten, beim Kalkulieren von Zusatzwünschen der Kunden tun sie sich schon schwer. Als sich der Monat dem Ende nähert, taucht die nächste Hürde auf. Die Bank will keine Zahlungen veranlassen. Weder Mitarbeiter noch Lieferanten bekommen ihr Geld – es fehlt an Handlungsvollmachten.

Den Notfall im Voraus ordnen

"Anders als beim Tod fällt nämlich die Rechtsnachfolge gesetzlich nicht automatisch dem Ehepartner oder Nachkommen zu, wenn der Betroffene lediglich handlungsunfähig ist. Hat der Verunglückte im Vorfeld keine Handlungsvollmacht ausgestellt, muss im schlimmsten Fall eine fremde dritte Person als Vertreter handeln", weiß Rechtsanwalt Axel Steiner von der Kanzlei Görtz aus Heilbronn. Um derartigen Szenarien vorzubeugen, sei es ratsam, von Anfang an Personen des Vertrauens notariell zu bevollmächtigen. Hierbei kann der Handwerker genau regeln, was die gewählte Person entscheiden darf.

So könne etwa ein langjähriger Mitarbeiter vor dem Ehegatten das Tagesgeschäft betreuen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Mehr Macht jedoch steht ihm nicht zu – seine Rechte sind begrenzt.

Der Spezialist für Erbrecht und Unternehmensnachfolge rät, die klassischen General- und Vorsorgevollmachten gut zugänglich aufzubewahren. Um im Ernstfall schnell handeln zu können, biete sich ein Notfallordner an. Der solle im Ernstfall Konflikten vorbeugen und alles Wichtige beinhalten, damit der Betrieb weiterlaufen kann. Farblich abgesetzt können Eingeweihte so schnell greifbar an wichtige Informationen und Unterlagen kommen.

Notfallordner anlegen und fortlaufend aktualisieren

Hartmut Drexel erklärt: "Neben Vollmachten und Versicherungen sind erste konkrete Handlungsanweisungen, ein Krisenstab und Notfallplan gut in dem Ordner aufgehoben." Der Hauptabteilungsleiter der Handwerkskammer für München und Oberbayern rät, ebenso Hinweise zu wichtigen Daten wie Passwörtern zu dokumentieren. Bei Bedarf auch Personen zu nennen, die zu informieren sind oder weitere wichtige Fakten beziehungsweise Gegenstände wie Schlüssel besitzen. Wichtig sei außerdem, diesen Ordner mindestens jährlich zu aktualisieren.

Aktuell ist immer auch das Thema Risiko. Schließlich ist ein Handwerker mit eigenem Betrieb vom ersten Tag an selbstständig und somit risikobehaftet. Vorsorgen sollte er deshalb für sich selbst und für den Betrieb. Als Inhaber muss er eine Kranken-, Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Da Letztere vergleichsweise teuer ist, scheuten sich viele davor, weiß Drexel.

"Um einen lückenlosen Rundumschutz zu haben, lohnt sich diese dennoch in jedem Fall. Bei der Auswahl des passenden Tarifs hilft ein Berater am besten vor Ort. Denn eine Vertrauensperson im Ernstfall ist viel wert", rät der Handwerkskammerberater. Auch hier gelte: Einmal im Jahr die Versicherung an die Lebenssituation anpassen. Wer seit seiner Junggesellenzeit nichts geändert hat, wird kaum den Bedarf einer Familie damit abdecken können.

Vertraute rechtzeitig schulen

Im Betrieb ist das Thema komplexer. Zwar kann der Inhaber Gebäude, Vermögen, Elektronik und Elementarschäden versichern – die eigene Arbeitsleistung in puncto Organisation jedoch nicht. Die Lösung heißt neben den Vollmachten: Vertraute rechtzeitig schulen. Die Person muss im Ernstfall schließlich das Tagesgeschäft am Leben halten. Den Vertrauten einzubinden und ihm alle Vorgänge von der Materialbestellung bis zur Planung nahezubringen, sollte selbstverständlich sein. Denn die Baustelle läuft trotz allem weiter.

Checkliste

  • verantwortungsvollen Vertreter festlegen und ihm das Tagesgeschäft nahebringen
  • General- und Vorsorgevollmachten über den Tod hinaus erstellen und notariell beglaubigen lassen
  • Notfallordner mit allen wichtigen Informationen zu Vollmachten, Banken und Testament erstellen und Personen des Vertrauens darüber informieren
  • Versicherungen einmal jährlich beim Berater vor Ort an die Lebenssituation anpassen
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