Unternehmensführung -

Fachkräfte suchen, finden und halten Damit Arbeiten auch im Alter Spaß macht

Demografieberater helfen Handwerkern, Fachkräfte zu finden, zu binden und fit zu halten. Auch für kleine Betriebe gibt es gute Möglichkeiten den Mangel an guten Mitarbeitern zu umgehen und ältere Arbeitnehmer langfrsitig zu beschäftigen.

Jürgen Herrmann und Pavel Litgano
Glücksgriff: Firmenchef Jürgen Herrmann (links) ist froh, dass er Mitarbeiter Pavel Litgano gefunden hat – trotz dessen Alters. Wer sich auf sein Glück nicht verlassen möchte, kann sich an die Demografieberater... -

Jürgen Herrmann ist rundweg be­geistert von seinem Neuzugang. "Der Mann ist ein 6er mit Zusatzzahl", schwärmt er immer noch. Denn so ganz neu ist Pavel Litgano ja auch gar nicht mehr bei dem Badsanierungsunternehmen aus Unterhaching. Als der gebürtige Rumäne bei Herrmann einstieg, war er trotzdem schon 54 Jahre alt und froh darüber, noch eine neue Anstellung bekommen zu haben. Für Maurermeister Herrmann war das Alter kein Problem. Da sei er ganz offen. Er sieht vor allem die Vorteile, die ein älterer Mitarbeiter mitbringt: langjährige Erfahrung, der souveräne Umgang mit Kunden und als Vorbild für die Jungen.

Genau an diesen Eigenschaften setzen auch die Demografieberater im Handwerk an. Die Integration funktioniere dann, wenn die jeweiligen guten Eigenschaften der unterschiedlichen Altersgruppen im Betrieb miteinander verknüpft werden, wenn die Älteren den Jüngeren zum Beispiel ein Vorbild sind. Ideal ist es, wenn dann auch noch die Altersmischung stimmt.

"Mit kaputtem Rücken kann niemand bis 67 arbeiten"

Doch das wird gerade in kleinen Betrieben schwierig. Umso wichtiger ist es, Mitarbeiter so fit zu halten, dass sie im Alter noch arbeiten können. "Mit kaputtem Rücken und Knien kann niemand bis 67 arbeiten. Wir müssen die Menschen frühzeitig dafür sensibilisieren, auf ihre Gesundheit zu achten", sagt Rolf Schäfer, Geschäftsführer der Bildungsakademie der Handwerkskammer Ulm und Mitinitiator eines Projekts zur Demografieberatung in den baden-württembergischen Handwerkskammern.

95 Prozent aller Handwerksbetriebe haben weniger als zehn Mitarbeiter. Eine demografische Idealzusammensetzung ist damit kaum möglich. Auch der Vorschlag, altersgemischte Teams zu bilden, funktioniert in Kleinstbetrieben nur bedingt. Trotzdem müssen ältere Mitarbeiter bis zu ihrer Rente im Betrieb arbeiten können. Handwerker können viel tun, um sich zu wappnen. Im laufenden Betrieb helfen technische Hilfsmittel, die Gesundheit der Mitarbeiter zu schonen. Krankenkassen und Innungen bieten kostenlose Schulungen und unterstützen bei der Gesundheitsvorsorge. Auch die Arbeits- und Einsatzplanung hat einen großen Effekt auf die Gesundheit, denn sinnvoll strukturierte Abläufe reduzieren Stress und Unfallgefahren.

Unternehmen müssen an ihrer Außenwirkung arbeiten

Um das Abwandern guter Fachkräfte zu vermeiden und um clevere Bewerber anzulocken, ist es wichtig, dass Unternehmen an ihrer Außenwirkung arbeiten. Nicht die Verdienstmöglichkeiten, sondern vor allem die Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten und das Image entscheiden darüber, ob Menschen sich bei einem Betrieb bewerben und dort dauerhaft bleiben. Wenn der Unternehmer seinen Mitarbeitern Weiterbildungen anbietet, sich beispielsweise auch an der Meisterausbildung beteiligt, motiviert er nicht nur das Team, sondern profitiert selbst von der höheren Kompetenz.

Kammern reagieren stärker auf Bevölkerungswandel

Immer mehr Handwerkskammern reagieren in ihrer Unternehmensberatung auf die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur. So hat die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz ein Tool entwickelt, mit dem Unternehmer selbst testen können, wie sie in Sachen Fachkräftesicherung aufgestellt sind. "Das ist ein kompletter Unternehmens­check aus dem Blickwinkel der Demografie, für alle diejenigen, die wirklich etwas machen wollen", erklärt Jürgen Kilger, Leiter der Betriebsberatung. Jürgen Herrmann hat es auch ohne Demografieberatung geschafft. Aber wie oft gewinnt man schon einen 6er mit Zusatzzahl.

Kontakte und Links

  • Die Demografieberater sind bei der jeweiligen Handwerkskammer erreichbar.
  • Der Selbstcheck der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz testet, wo Unternehmer stehen: demografieberatung.hwkno.de.
  • Die Handwerkskammern bieten auch Beratung zur Eingliederung schwerbehinderter Menschen, zum Beispiel unter hwk-muenchen.de, Rubrik Beratung, Betriebsführung.
  • Vor allem die Arbeitsbedingungen und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten entscheiden, wer einen Handwerksberuf lernt und ihm treu bleibt, zeigt eine Analyse des Ludwig-Fröhler-Instituts unter lfi-muenchen.de.
  • Das Deutsche Handwerksinstitut hat einen Leitfaden herausgegeben, mit dem Unternehmen ihre Mitarbeiter effektiver an sich binden können: unter lfi-muenchen.de, Aktuelles.
  • Das Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft (RKW) hat Hintergründe und Vorschläge für Maßnahmen im Betrieb zusammengetragen, mit denen Unternehmen ihre Fachkräfte an den Betrieb binden: alternsgerechte-arbeit.de.
Downloads
Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten