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PUR- und PIR-Dämmung Dämmstoffe werden knapp

Nach dem Entsorgungsengpass bei Styropor-Dämmstoffen gibt es nun die nächsten Dämmstoff-Probleme: Baumaterialien aus Polyurethan (PUR) und Polyisocyanurat (PIR) werden knapp. Die Folgen fürs Handwerk und mögliche Alternativen.

Nur stark verzögert kommen PUR- und PIR-Dämmstoffe derzeit auf den Markt. Probleme gibt es bei der Herstellung der Baumaterialien. Hochwasser bei einem Lieferanten, ein Brand in einem Herstellungswerk und dazu noch Wartungen – all diese Probleme an verschiedenen Standorten der großen Chemiefabrikanten BASF, KMCI und Covestro haben dafür gesorgt, dass nur noch sehr wenig der Stoffe Methylendiphenylisocyanat MDI) und Toluol-2,4-diisocyanat (TDI) produziert werden konnten.

Doch ohne MDI und TDI können wiederum die Stoffe PUR und PIR nicht hergestellt werden, die als Dämmplatten bei der Gebäudedämmung eingesetzt werden. So kommt es derzeit zu einer massiven Knappheit bei den Dämmstoffen und Betriebe, die diese Stoffe einsetzen wollen, müssen auf Alternativen ausweichen.

PUR-und PIR-Dämmungen zählen zu Baustoffen, die häufig verwendet werden und so sind sie auf vielen Baustellen schon im Vorfeld fest eingeplant. Medienberichten zufolge kommt es nun bereits zu Baustopps und stark steigenden Preisen. Vor allem bei großen Bauvorhaben lag der Beginn der Dämmarbeiten noch zu Zeiten, in denen PUR und PIR problemlos verfügbar waren. Ein Ausweichen auf Alternativen ist dort schwer möglich.

Dämmstoffknappheit: Wie das Dachdeckerhandwerk betroffen ist

Etwas anders sieht es bei den meisten kleinen Dachdeckerfirmen aus. Zwar verwenden auch diese normalerweise die PUR- und PIR-Dämmungen regelmäßig – und die Knappheit ist auch hier ein Thema. "Allerdings kann bei kleineren Baumaßnahmen einfacher auf eine Alternative umgeschwenkt werden", sagt Claudia Büttner, Sprecherin des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks.

Aus der Branche hat sie die Rückmeldung, dass die Kunden der Dachdecker durchaus im Steildachbereich statt der PUR- und PIR-Dämmungen auch Mineralwolle oder Holzfaserdämmstoffe akzeptieren. Im Flachdachbereich kann auch sogenannte EPS-Dämmung oder Schaumglas eingesetzt werden. Dennoch bleibe ein Kostenproblem, wenn Alternativen teurer sind, und bei Verträgen, die vorher den Dämmstoff festlegten, kann die Baumaßnahme nicht fertiggestellt werden.

Zwar berichtet sie, dass die Hersteller angekündigt hätten, kurzfristig anstehende Objekte mit PU-Einsatz vorrangig bedienen zu wollen. Über die Dauer der Lieferengpässe konnten sie jedoch noch keine konkreten Aussagen treffen. In Internetberichten wird zwar bereits darüber spekuliert, dass etwa ab August wieder eine normale Verfügbarkeit der Dämmstoffe erreicht werden soll. So ein konkretes Datum möchte der Dachdeckerverband jedoch nicht bestätigen. "Wir gehen von einem zeitlich befristeten Problem aus, aber wann genau die Hersteller wieder regulär liefern können, wissen wir nicht. Wir erwarten aber von den Herstellern entsprechende Unterstützung, um Bauvorhaben nicht zu gefährden", sagt Claudia Büttner.

Das aktuelle Dämmstoff-Problem ist also augenscheinlich nicht mit dem um den Entsorgungsengpass der HBCD-haltigen Styropor-Dämmungen zu vergleichen. Dieses hatte und hat weit gravierendere Folgen.

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