Finanzen + Geld -

Crowdfunding Wie Sie mit der Crowd zu Geld kommen

Wer Geld für den Betrieb braucht, muss nicht unbedingt zur Bank gehen. Crowd-Portale bieten sich auch fürs Handwerk an. Doch wer diese Finanzierungsform nutzen möchte, muss sich gut informieren. Crowdfunding wird immer beliebter. So funktioniert es.

Wenn viele zusammenlegen, kommt aus vielen kleinen Summen eine große zusammen. Das ist das Prinzip von Crowdfunding, das sich mit dem Wort Schwarmfinanzierung ins Deutsche übersetzen ließe. Etwa seit dem Jahr 2011 gibt es auch in Deutschland einen Markt für diese Finanzierungsform. Und dieser Markt findet immer mehr Nutzer. Der Anteil der Deutschen, die sich finanziell schon einmal bei einem Crowdfunding-Projekt engagiert haben, steigt – allein von 7,3 Prozent im Jahr 2015 auf 17,7 Prozent im Jahr 2018. Faz.net berichtet von Zahlen der weltweiten Plattform kickstarter.com. Demnach hat sich die Zahl der Personen, die Crowdfunding-Projekte unterstützen, in den vergangenen zehn Jahren in etwa verdreifacht. Das gesamte in Deutschland investierte Crowdkapital hat nach Angaben der Plattform crowdfunding.de im Juni 2018 die 500 Millionen-Euro-Marke erreicht.

Doch wer mit dem Gedanken spielt, Crowdfunding für seinen Betrieb zu nutzen, sollte sich vorher gut mit den Risiken auseinandersetzen, die entstehen, wenn man statt auf eine klassische Bank auf Onlineportale als Kreditvermittler der besonderes Art setzt. So hat Stiftung Warentest im vergangenen Jahr Crowdfunding-Portale genauer unter die Lupe genommen und die Abwicklung der angebotenen Crowd-Finanzierungen bewertet. Im Ergebnis heißt es: "Die Platt­formen vermitteln nur zwischen Kapitalhung­rigen und Interes­senten. Sie beraten die potenziellen Geld­geber nicht bei der Frage, ob ein Projekt zu ihnen passt."

Im Klartext: Es wird zu wenig über die Risiken aufgeklärt. Der Nutzer muss sich selbst mit den Details der Finanzierungsform auseinandersetzen. Wer dazu bereit ist, findet mit  über die Schwarmfinanzierung aber durchaus eine Alternative zum Bankkredit. So funktioniert  Crowdfunding.

Wer kann Crowdfunding nutzen und für welche Art der Investition?

Unternehmen, die Geld benötigen, wenden sich nicht an eine Bank oder eine klassische Investmentgesellschaft, sondern sammeln das Geld von vielen Kleinanlegern ein. Grundsätzlich ist dies für alle Investitionen denkbar, angefangen bei Gründungen über Anschaffungen bis hin zu Firmenübergaben.

Allerdings muss man bei Crowdfunding Überzeugungsarbeit leisten. Wem es gelingt, sein Projekt auf einem Portal gut zu präsentieren, der kann Gleichgesinnte zu Mitstreitern machen. Gerade im Handwerk ein entscheidender Aspekt. Dafür gibt es immer mehr Onlineplattformen, die auch speziell das Handwerk ansprechen wie etwa die Deutsche Mikroinvest, Bankless 24 oder hauptsächlich für (kreative) Gründer Seedmach oder Visionbakery.

Die Vorteile: Andere Handwerker beispielsweise kennen die Eigenarten der Branche genauer als Banker, können Risiken einschätzen und sind vielleicht eher bereit, innovative ­Ideen zu finanzieren. Auch Kunden lassen sich auf diese Weise beteiligen.

Kommt man mit Crowdfunding schnell an Geld?

Wer allerdings glaubt, dass Crowdfinanzierungen einfacher sind als Bankfinanzierungen, der irrt. Denn um Investoren zu finden, sind jede Menge Vorarbeiten nötig. Eine ausführliche Darstellung des Projektes auf dem Portal selbst ist nur das eine. Je mehr Geld jemand benötigt, umso mehr Engagement ist notwendig. Es empfiehlt sich deshalb auch Flyer zu drucken, Videos zu drehen und vieles mehr. Denn auf fast allen Portalen gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip.

Konkret: Für jedes Projekt gibt es eine sogenannte Fundingschwelle, also eine Summe, die mindestens zusammenkommen muss, damit das Geld überhaupt ausgezahlt werden kann. Gelingt die Überzeugungsarbeit nicht, scheitert das Projekt, ein Schicksal, das derzeit etwa jede zweite Kampagne erleidet.

Um welche Summen geht es beim Crowdfunding?

Dabei für Neueinsteiger verwirrend: Der Begriff Crowdfunding wird in der Branche eigentlich doppelt verwendet. Zum einen als Oberbegriff für Schwarmfinanzierungen allgemein. Zum anderen aber auch für eine spezielle Form der Crowdfinanzierung, von denen es insgesamt vier gibt. Von Crowdfunding im engeren Sinne spricht man, wenn das investierte Geld nicht zurückfließt, sondern der Investor stattdessen Produkte oder Dienstleistungen erhält.

Wer dagegen größere Summen braucht, bei dem geht es um Crowd­investing. Bei dieser Form der Finanzierung erwerben die Investoren regelrechte Beteiligungen. Anfangs legte die Form in Deutschland am meisten zu, doch das Interesse ging dann wieder leicht zurück und nun halten sich die verschiedenen Formen gleich auf.

Vier Formen der Crowdfinanzierung

Von Eigenleistung bis Eigenkapital – Crowdfinanzierung ist nicht gleich Crowdfinanzierung. Je nach Art des Rückflusses an die Geldgeber unterscheidet man vier Formen.

Crowd Donation
Bei dieser einfachsten Form der Schwarmfinanzierung erhalten die Geldgeber kein Geld zurück. Faktisch spenden sie also. Eingesetzt wird diese Form vor allem im sozialen Bereich.

Reward based Crowdfunding 
Beim Crowdfunding im eigentlichen Wortsinn erhalten die Investoren ebenfalls kein Geld zurück, sondern ein Produkt oder eine Gegenleistung. Diese Form der Schwarmfinanzierung wird daher mitunter auch als kreativer Vorverkauf bezeichnet. Nach Meinung von Experten gut auch fürs Handwerk geeignet.

Crowdlending
Diese Form, bei der es eigentlich um klassische Kredite geht, gibt es schon länger. Bekannte Portale (wie Smava, auxmoney etc.) richten sich aber überwiegend an Privatpersonen. Mit dem Aufstieg der Funding- und Investingplattformen kommen nun auch Lending-Anbieter auf den Markt, die speziell Unternehmen ansprechen, beispielsweise Funding Circle oder Finmar. Investoren erhalten während einer festgelegten Laufzeit feste monatliche Zins- und Tilgungsraten zurück. Fürs Handwerk geeignet.

Crowdinvesting 
Bei dieser Form werden die Unterstützer am Unternehmenserfolg beteiligt, erhalten aber meist kein Stimmrecht. Während der Laufzeit und nach Kündigung des grundsätzlich unbefristeten Beteiligungsvertrages erhalten sie Geld zurück, wobei sich die Höhe nach dem unternehmerischen Erfolg bemisst. Fürs Handwerk nur bedingt, sprich für größere Betriebe, geeignet. Das eingesammelte Geld wird üblicherweise dem Eigenkapital zugerechnet.

Welche Vorteile bietet Crowdfunding?

Crowdfinanzierung ist zwar teurer als der normale Bankkredit. Dennoch kann sie sich für das Unternehmen rechnen und das vor allem aus zwei Gründen: Das gesammelte Geld, insbesondere beim Crowdinvesting, kann in der Regel dem Eigenkapital zugerechnet werden, sprich: Mit einem gelungenen Crowdprojekt erhöhen Betriebe nicht nur die Liquidität, sondern auch die weitere Kreditwürdigkeit.

Vielleicht noch wichtiger: Wer über einen Schwarm finanziert, bekommt in der Regel nicht nur Kapital, sondern oft auch neue Kunden, denn die Marketingaktivitäten, die Geldgeber anlocken sollen, erhöhen letztlich insgesamt die Aufmerksamkeit. shw/dhz

Crowdfunding: Das gilt beim Schutz für Kleinanleger

Seit 2015 gelten schärfere Regeln zum Schutz von Kleinanlegern und damit auch fürs Crowdfunding. Bürger, die sich im Netz mit überschaubaren Beträgen an einem Projekt oder einer Firmenidee beteiligen und auf gute Renditen hoffen, müssen so vor einer Teilnahme online bestätigen, dass sie Warnhinweise zu den Risiken der Anlage gelesen haben. Zusätzlich wird es ein 14-tägiges Widerrufsrecht geben. Anleger bekommen die Gelegenheit, eine möglicherweise übereilt getroffene Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Ein Crowdinvestment kann komplett online durchgeführt werden. Die Grenze, ab der Anbieter größerer Crowd-Projekte in einem umfangreichen Prospekt informieren müssen, liegt aktuell bei 2,5 Millionen Euro.

Zwar dürfen die Anbieter für ihre Finanzierungsoptionen werben, aber mit Einschränkung: Bei Werbung, die eine bestimmte, jedoch nicht garantierte Rendite in Aussicht stellt, muss der obligatorische Warnhinweis um folgenden Zusatz erweitert werden: "Der in Aussicht gestellte Ertrag ist nicht gewährleistet und kann auch niedriger ausfallen." Die Finanzaufsicht Bafin kann Werbung für besonders riskante Angebote aber beschränken oder komplett verbieten.

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten