Gesundheit -

Berufsunfähigkeitsversicherung "Corona-Zusatzfragen der Versicherung sind unfair"

Nutzen Berufsunfähigkeitsversicherer die Corona-Pandemie aus, um bei Gesundheitsfragen genauer hinschauen zu können? Versicherungsmakler Matthias Helberg berichtet im Gespräch mit der DHZ über fleißige, faire und unfaire Versicherer in diesen Tagen.

DHZ: Herr Helberg, bevor wir zu Corona und Versicherung kommen: Sie sind ja ein doppelt spezieller Dienstleister. Zum einen sind Sie spezialisiert. Mit Ihrem Team beraten Sie fast ausschließlich zur Versicherung gegen Berufsunfähigkeit (kurz: BU). Zum anderen beraten sie die Kunden bundesweit. Das geht ja nicht über Hausbesuche vor Ort…

Matthias Helberg: Nein, drei Male rund 700 Kilometer von Osnabrück nach Rosenheim, zu unserem südlichsten Handwerker-Kunden, zu fahren wäre ein teurer Spaß. Wir haben vor rund zehn Jahren angefangen und es zunehmend geschafft, unsere Kunden orts- und zeitunabhängig zu beraten. Das kommt vielen entgegen, deren Terminplan auch so schon voll genug ist. Das nötige Vertrauen wächst durch kompetente Antworten, nicht dadurch, dass man zusammen auf einem Sofa sitzt.

DHZ: Die in den Zeiten von Corona scheinbar neu erfundene Digitalisierung funktioniert also?

Helberg: Ja, bei uns schon seit Jahren. Deswegen mussten wir wegen Corona auch so gut wie nichts an unserer Dienstleistung ändern.

DHZ: Sprechen wir über Corona und Folgen. Die BU-Policen der Versicherer sollen eine Rente bezahlen. Dies im Fall, dass der oder die Versicherte nicht nur krank wird, sondern krank bleibt. Wie stellen Sie das für die Kunden sicher?

Helberg: Der Versicherer soll dem krank bleibenden Kunden sein wegfallendes Arbeitseinkommen zumindest teilweise ersetzen. Bei 2.500 Euro im Monat, sagen wir für 37 Jahre bis 67, geht es also um über eine Million Euro. So eine Police muss für den Kunden wasserdicht sein. Das bedeutet vor allem: Alle Fragen des Versicherers muss man als Kunde korrekt und vollständig beantworten, damit der Versicherer nicht im Fall des Falles ein Schlupfloch findet und sich um die Zahlung drücken kann. Wir helfen dabei, möglichst korrekte Angaben zu machen.

DHZ: Das klingt nach viel Arbeit für Sie…

Helberg: Na klar – aber nicht nur für uns, auch für die Kunden. Dazu gehören Anfragen bei Ärzten und Krankenkassen, um nichts zu vergessen. Manchmal sind Befunde oder zusätzliche ärztliche Atteste erforderlich. Das Ergebnis ist ein medizinisch und datenschutzrechtlich korrektes Gesundheitsdossier des Kunden. Dieses bekommen die Versicherer in anonymisierter Form – damit niemand auf einer "schwarzen Liste" landet.

DHZ: Und die Versicherung macht dann ein Angebot für den Kunden?

H elberg: Vielleicht nicht alle angefragten Versicherer, aber oft zumindest ein paar geben ein sogenanntes Votum ab: Normale Annahme, höherer Beitrag oder auch der Ausschluss einer Vorerkrankung oder eines Körperteils vom Versicherungsschutz, zum Beispiel des linken Knies; dies kann akzeptabel sein, wenn eine Meniskus-Operation stattgefunden hat. Dafür können dann vielleicht alle anderen Ursachen einer Berufsunfähigkeit mitversichert werden.

DHZ: Was hat sich bei ihrem Geschäftsprozess durch Corona geändert?

Helberg: Na, so gut wie nichts! Weder bei unserer digitalen Kommunikation noch im medizinischen Hintergrund. Zunächst mein Kompliment an die Versicherer: Die Mediziner und Risikoprüfer haben oft aus ihrem wegen Corona neuen Homeoffice denselben, guten Job gemacht wie immer. Manchmal dauern Vorgänge vielleicht ein bisschen länger. Aber: Einige Versicherer fordern etwa seit April auch ohne besonderen Anlass Corona-Zusatzfragebögen mit zahlreichen Fragen an die Kunden. Diese Versicherer haben wir aktuell gestrichen. Denn, komisch: Andere brauchen das nicht. Die haben wir als Anbieter behalten. Fazit: Auch in den Zeiten von Corona haben wir unsere Kunden unverändert gut versichern können. Corona-Zusatzfragebögen auf Verdacht hin anzufordern, ist unfair.

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