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Corona-Pandemie Krise kostete Bäckereien bislang eine Milliarde Euro

Vor allem die Schließung der Bäckerei-Cafés hat die Handwerksbäcker schwer getroffen – das geht aus einer aktuellen Umfrage des Bäckerverbands hervor. Mit spürbaren Einschränkungen rechnen die meisten Betriebe noch bis Mitte des nächsten Jahres.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Deutschlands Innungsbäcker mussten zwischen März und September 2020 ein Umsatzminus von rund 13 Prozent verbuchen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Bäckerverbands, an der sich rund 1.100 Bäckereien beteiligt haben. "Hochgerechnet fehlt den Handwerksbäckern damit mehr als eine Milliarde Euro Umsatz in den Kassen", sagt Michael Wippler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. Im Vergleich zu anderen Branchen dürfte das Bäckerhandwerk damit insgesamt noch mit einem blauen Auge davongekommen sein, fasst Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider die Ergebnisse zusammen. Entscheidend wird jedoch sein, wann die Bäckereibetrieben wieder zum Normalbetrieb zurückkehren können, warnt er.

Betriebe befürchten spürbare Einschränkungen bis Mitte 2021

Hier zeigte sich die Mehrheit der Befragten eher pessimistisch. Die meisten Betriebe befürchten spürbare Einschränkungen bis Sommer/Herbst kommenden Jahres. 23 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Pandemie frühestens 2022 überwunden sein wird.

Herbe Umsatzeinbußen mussten vor allem die Bäckerei-Cafés während des Lockdowns hinnehmen. Der Umfrage zufolge ging der Umsatz mit Kaffee und Heißgetränken sowie Snacks bei mehr als 86 Prozent der befragten Betriebe zurück. Auch Brot und Backwaren haben sich in den vergangenen Monaten bei 54 Prozent der befragten Betriebe schlechter verkauft. Insgesamt verbuchten 56 Prozent der Unternehmen spürbar weniger Kundschaft in den Filialen. Immerhin 28 Prozent gaben an, dass sich ihre Kundenfrequenz in den vergangenen Monaten erhöht hat.

Fast 9 von 10 Betrieben bilden weiterhin aus

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Staatliche Hilfen mussten bislang nur rund 40 Prozent der Betriebe in Anspruch nehmen. Gefragt waren vor allem die Soforthilfen des Bundes sowie das Kurzarbeitergeld und die Möglichkeit der Steuerstundung. Den staatlichen Hilfen sei es wohl auch zu verdanken, dass es bislang bei fast neun von zehn Betrieben noch zu keinen betriebsbedingten Kündigungen gekommen ist, teilt der Bäckerverband mit. Auch in Sachen Ausbildung gaben 88 Prozent der Betriebe an, dass die Corona-Krise bislang keine Auswirkungen hatte und sie weiterhin ausbilden.

Schutzmaßnahmen sinnvoll und ausreichend

Zu den Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie äußerte sich der Großteil der Betriebe positiv. Diese seien sinnvoll und ausreichend, so das Ergebnis der Umfrage. Als belastend empfinden die Befragten dennoch vor allem die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes sowie die Beschränkung der Kundenzahlen im Verkaufsraum. Auch Maskenverweigerer machen jedem dritten Betrieb zu Schaffen.

"Zweiten Lockdown möglichst verhindern"

Besorgt zeigt sich Hauptgeschäftsführer Schneider angesichts des gestiegenen Insolvenzrisikos. Mehr als doppelt so viele Betriebe wie noch vor einem Jahr bewerten ihr Risiko, zahlungsunfähig zu werden, als hoch. "Angesichts dieser Zahlen ist es für die Bäckereien wichtig, dass ein zweiter Lockdown oder weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens möglichst verhindert werden", sagt Schneider. Die Politik müsse bei allen weiteren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie die wirtschaftlichen Folgen ihres Tuns im Hinterkopf haben. "Andernfalls drohen viele Betriebe in eine ernsthafte Schieflage zu geraten." fre

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