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Hygienische Versorgung von Krankenhäusern und Pflegeheimen Corona-Krise: Wäschereien fordern Einstufung als systemrelevant

Gerade in der Corona-Krise rückt die Versorgung von Krankenhäusern, Senioren- und Pflegeheimen mit hygienischer Wäsche in den Fokus. Die Politik erkennt textile Dienstleister wie Wäschereien jedoch nicht als systemrelevant an. Die Folge könnte eine Gefährdung der Arbeit sein – sowohl von Ärzten und Pflegern als auch Wäscherei-Mitarbeitern.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

"Private Wäschereien und textile Dienstleistungsunternehmen stemmen die Versorgung von rund 95 Prozent aller Krankenhäuser und 60 Prozent aller Pflegeeinrichtungen in Deutschland mit hygienischen Textilien. Sie versorgen täglich 500.000 Krankenhausbetten, 1,3 Millionen Pflegende und 1 Millionen Alten- und Pflegeheimbewohner in Deutschland mit sauberer Wäsche und Bekleidung“, sagt der Geschäftsführer vom Deutschen Textilreinigungs Verband (DTV) Andreas Schumacher. Die Einschätzung der Bundesregierung, Wäscherei und textile Dienstleister nicht als systemrelevant einzustufen, sei für ihn deshalb unbegreiflich und gefährde die Arbeit von Ärzten, Pflegern und vielen anderen wichtigen Berufsgruppen.

Wäschereien erhalten Hygiene-Standards aufrecht

Laut DTV sind textile Dienstleistungen in Corona-Zeiten für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen besonders systemrelevant, um Hygiene-Standards aufrecht zu erhalten und die Ausbreitung des Virus in den Risikogruppen zu verlangsamen. Aber auch Rettungsdienste, Labore, Feuerwehren oder die Lebensmittelindustrie sind auf hygienische Schutzkleidung angewiesen – die Funktionsfähigkeit der textilen Dienstleistungsbranche daher essenziell für die Aufrechterhaltung des Sozial- und Gesundheitswesens. Weil Wäschereien nicht als systemrelevante Einrichtungen und somit nicht als Bedarfsstellen definiert sind, könne es in den nächsten Tagen passieren, dass Wäscherei-Mitarbeiter möglichen Ansteckungen schutzlos ausgeliefert sind. Für diejenigen, die mit potenziell kontaminierten Textilien – etwa aus Krankenhäusern – umgehen müssen, fordert der DTV deshalb einen schnellen Zugriff auf angemessene Schutzausrüstung.

Zugang zu Schutzmitteln für Wäscherei-Beschäftigte soll erleichtert werden

Um dies zu gewährleiten, bemühe sich der Verband seit Wochen um eine Einstufung als systemrelevant und eine Aufnahme in die Liste der kritischen Infrastrukturen (KRITIS). Dies soll einen erleichterten Zugang zu Desinfektionsmitteln und Atemschutzmasken gewährleisten. Wäscherei-Mitarbeiter könnten ihre Kinder zudem in der Notfallbetreuung unterbringen. Derzeit sei die Handhabung in den verschiedenen Ländern und Kommunen vollkommen unterschiedlich: "Jede Wäscherei muss vor Ort um die Systemrelevanz betteln. Ob die Versorgung in den nächsten Wochen damit gewährleistet wird, hängt nun stark von den einzelnen Entscheidungsträgern in den Kommunen ab“, so Schumacher. ew

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