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Umfrage-Ergebnis Corona-Krise: Jeder vierte Soloselbstständige rechnet mit Aus

Die Corona-Krise trifft Soloselbstständige hart. Viele erwarten, ihre Selbstständigkeit nicht mehr lange stemmen zu können. Welche Branchen besonders betroffen sind und wie die Bundesregierung helfen will.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Wie aus einer Analyse hervorgeht, die das ZEW-Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung veröffentlichte, hält es jeder vierte Selbstständige ohne Mitarbeiter für sehr wahrscheinlich, in den nächsten zwölf Monaten aufgeben zu müssen. Bei knapp 60 Prozent der gut 16.000 Befragten ist der monatliche Umsatz um mehr als 75 Prozent eingebrochen. Jeder Zweite konnte seine Tätigkeit zum Zeitpunkt der Umfrage nicht mehr ausüben.

Viele Soloselbstständige auf Soforthilfe angewiesen

Mehr als die Hälfte der Selbstständigen, die ohne sozialversicherungspflichtig oder geringfügig Beschäftigte arbeiten, hat der Umfrage zufolge Soforthilfe von Bund oder Land beantragt, die auf drei Monate angelegt ist. Allerdings erwarten 35 Prozent, dass die Phase der deutlich niedrigeren Umsätze länger als sechs Monate anhalten wird.

Insgesamt wurden bundesweit bisher 2,14 Millionen Anträge auf Soforthilfe-Zuschuss gestellt, wovon bisher 77 Prozent bearbeitet sind. Dabei gibt es große Unterschiede in den Bundesländern. Während Sachsen mit rund 97 Prozent fast alle bisher eingegangenen Anträge bearbeitet hat, sind es in Sachsen-Anhalt mit ca. 51 Prozent gerade einmal etwas mehr als die Hälfte.

Konsumnahe Branchen am härtesten getroffen

"Am härtesten von der Krise getroffen sind konsumnahe Branchen wie Gastronomie und Beherbergung, Events und Veranstaltungen, Touristik und Sport sowie Wellness, Friseure und Kosmetik", erläuterte ZEW-Expertin Irene Bertschek. " Etwa neun von zehn Soloselbstständigen müssen hier Umsatzeinbußen verkraften, die über 75 Prozent liegen." Sie beurteilen ihre Zukunftsaussichten besonders düster. Zwischen 32 Prozent und 49 Prozent der Befragten in diesen Branchen befürchten, ihre Selbstständigkeit in naher Zukunft einstellen zu müssen.

Hoch digitalisierte Soloselbstständige litten allerdings seltener unter negativen Konsequenzen der Pandemie, sagte Bertschek. Demnach waren aufgrund der Corona-Beschränkungen zum Zeitpunkt der Umfrage etwa drei Viertel derjenigen mit einem sehr niedrigen Digitalisierungsgrad des Angebots nicht mehr in der Lage, ihre Tätigkeit auszuüben. Unter den sehr hoch digitalisierten Soloselbstständigen waren es nur 28 Prozent.

Milliarden-Programm für Mittelstand

Um den Branchen zu helfen, die besonders stark unter der Corona-Krise leiden, plant Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier weitere Hilfen von mindestens 25 Milliarden Euro. Wie aus einem Eckpunktepapier hervorgeht, sollen bereits ab Juni Überbrückungshilfen zur Verfügung stehen. Neben Unternehmen sollen auch Soloselbstständige und Freiberufler Anträge stellen können. Die Umsätze müssen dafür im April und Mai um mindestens 60 Prozent gegenüber den Vorjahresmonaten eingebrochen sein. dpa/sar

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