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Chronisch krank am Arbeitsplatz Betriebliches Eingliederungsmanagement: Das sollten Sie wissen

Angesichts alternder Belegschaften müssen Unternehmer Wege finden, um die Arbeitskraft chronisch kranker Mitarbeiter zu erhalten – auch mittels betrieblichem Eingliederungsmanagement.

Deutschland altert. Im Jahr 2018 gab es noch 51,8 Millionen Menschen im Erwerbsalter zwischen 20­ und 66 Jahren. Bis 2035 wird diese Zahl auf 45,8 bis 47,4 Millionen sinken, trotz Zuwanderung, berechnet das Statistische Bundesamt.

Die Folgen dieser Entwicklung spüren Handwerker in einem immer stärkeren Fachkräftemangel. Nicht nur scheiden Arbeitskräfte im Rentenalter aus. Durch eine alternde Belegschaft sind Arbeitgeber auch immer stärker mit Fehlzeiten konfrontiert. Denn je älter der Mensch, desto höher sein Risiko, chronisch zu erkranken. Mehrere hunderttausend Beschäftigte scheiden jährlich laut Bundesarbeitsministerium wegen gesundheitlicher Gründe für lange Zeit oder gar für immer aus der Arbeit aus.

Muskel-Skeletterkrankungen führen Statistik an

Am häufigsten leiden die Betroffenen an Muskel-Skeletterkrankungen (MSE): Schon mit 18 Jahren klagt jeder fünfte über Gelenksarthrose, also den schmerzhaften Abbau eines Gelenkknorpels, berichtet die Studie „Chronisch krank sein in Deutschland“ des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt.

Chronische Rückenschmerzen hat jede vierte Frau und jeder sechste Mann im Erwachsenenalter im Lauf eines Jahres. In der Summe verursachen diese MSE zusammen mit psychischen Störungen 40 Prozent aller Langzeit-Arbeitsunfähigkeitstage.

Grafik zeigt den Unterschied zwischen Krankheitsfällen und Krankheitstagen
Neben MSE und psychischen Störungen zählen laut Robert-Koch-Institut folgende Krankheiten zu den häufigsten chronischen Erkrankungen:
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Schlaganfall)
  • Krebserkrankungen
  • chronische Lungenerkrankungen (z.B. Asthma, chronisch obstruktive Lungenkrankheit COPD)
  • Stoffwechselstörungen (z.B. Diabetes mellitus, die "Zuckerkrankheit").
Manche dieser Erkrankungen wirken sich nur während der akuten Phase auf die Arbeitsfähigkeit aus, andere beeinträchtigen die Betroffenen für immer. Sie brauchen Anpassungen, um weiter arbeiten zu können.

Betriebliches Gesundheitsmanagement zur Wiedereingliederung

Ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) hilft den Beteiligten herausfinden, ob und unter welchen Bedingungen der Erkrankte zurück ins Arbeitsleben finden kann und was er dafür braucht.

Auf ein solches BEM hat jeder Beschäftigte Anspruch, der in Summe mehr als sechs Wochen innerhalb von zwölf Monaten arbeitsunfähig war (§167 Absatz 2 SGB IX). Voraussetzung für ein erfolgreiches BEM ist gegenseitiges Vertrauen. Laut Arbeitsrecht müssen Mitarbeiter ihrem Chef nicht mitteilen, welche Krankheit sie haben. Der Arbeitgeber sollte aber wissen, welche Auswirkungen die Krankheit hat und welche Tätigkeiten nicht mehr möglich sind, um angemessen handeln zu können.

Chef und Betroffener brauchen das das BEM nicht allein durchzuführen. Betriebsarzt, Integrationsamt oder Reha-Träger sind potenzielle Partner, die helfen, nötige Rehabilitations- und Arbeitsplatzmaßnahmen zu planen und finanzielle Fördermöglichkeiten aufzuzeigen.

Fördermittel nutzen

Mitarbeiter mit gesundheitlichen Einschränkungen brauchen oft Anpassungen, um weiter im Betrieb arbeiten zu können. Folgende Maßnahmen können helfen, die Arbeitskraft zu erhalten:
  • reduzierte Arbeitszeit
  • Anschaffung von technischen Hilfsmitteln
  • Vermeiden von Zwangshaltungen, auch weniger Stehen oder weniger Sitzen
  • besonderer Schutz vor Kälte oder Hitze (bei Erkrankungen, die sich durch Temperatureinwirkungen verschlechtern)
  • Aufgaben umverteilen
  • Abwechslung zwischen einzelnen Tätigkeiten bewusst steuern (bei MSE möglichst häufig wechseln, bei bestimmten psychischen Beeinträchtigungen wie Depressionen besser selten)
Abhängig vom Einzelfall gibt es verschiedene Fördermittel, um den Arbeitsplatz zu erhalten. Wichtige Anlaufstellen sind:
  • Integrationsämter und Inklusionsämter mit den Integrationsfachdiensten
  • Deutsche Rentenversicherung (DRV)
  • Agentur für Arbeit
  • Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungen
  • Krankenversicherungen
Eine kostenlose Förderfinder-App gibt es unter www.talentplus.de. Sie listet bundesweite und bundeslandspezifische Fördermöglichkeiten und richtet sich sowohl an Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. Anträge müssen vor Beginn von Maßnahmen gestellt werden.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation informiert zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement, ebenson das Bundesarbeitsministerium in einer umfassenden Broschüre zum Thema Betriebliches Eingliederungsmanagement.

Inklusionsberater der Handwerkskammern helfen Betrieben, die passenden Fördermittel zu finden und sie zu beantragen.

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