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Gerichtsurteil Chef muss auf Einhaltung des gesetzlichen Mindesturlaubs achten

Arbeitnehmer haben Anspruch auf mindestens vier Wochen Urlaub im Jahr. Arbeitgeber sollten darauf achten, dass ihre Mitarbeiter ihn auch nehmen - sonst kann es Probleme geben.

Der Arbeitgeber muss von sich aus darauf achten, dass ein Mitarbeiter den gesetzlichen Mindesturlaub nimmt. Das berichtet die Zeitschrift "Arbeitsrecht Aktuell" (Heft 16/2015). Sie bezieht sich auf ein Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Berlin-Brandenburg (Az.: 10 Sa 86/15). Der Anspruch auf den gesetzlich vorgeschriebenen Jahresurlaub zählt zum Gesundheitsschutz des Arbeitnehmers. Den sich daraus ergebenden Pflichten muss ein Arbeitgeber ohne Antrag des Beschäftigten nachkommen.

Das Gericht sprach einem Arbeitnehmer Schadenersatz zu. Der Kläger hatte vom gesetzlichen vorgesehenen Mindesturlaub noch vier Urlaubstage aus dem Vorjahr übrig. Da er nicht mehr in dem Betrieb arbeitete, konnte er den Urlaub nicht mehr nehmen. Er verlangte daher Schadenersatz. Demgegenüber war der Arbeitgeber der Meinung, der Kläger sei selbst schuld, wenn er den Urlaub verfallen lässt.

Arbeitgeber muss Urlaub anbieten

Das LAG betonte, dies gelte nicht für den gesetzlichen Mindesturlaub, sondern nur für die darüber hinausgehenden Urlaubstage. Weil der Arbeitgeber dem Mitarbeiter den Urlaub nicht von sich aus angeboten habe, habe er seine Schutzpflichten verletzt und müsse Schadenersatz leisten.

Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt bei Vollzeitkräften 24 Werktage pro Kalenderjahr, das entspricht vier Wochen Urlaub. Wichtig: Das Gesetz stellt auf Werktage und somit auf eine Sechs-Tage-Woche ab. Auch Arbeitnehmer, die an weniger Wochentagen arbeiten, erhalten - mindestens - vier Wochen Jahresurlaub.

Umrechnung: 24 Werktage Jahresurlaub entsprechen:

  • bei einer regelmäßigen 5-Tage-Woche: 20 Arbeitstagen Urlaub, was 4 Wochen Jahresurlaub ergibt.
  • bei einer regelmäßigen 4-Tage-Woche: 16 Arbeitstagen Urlaub, was 4 Wochen Jahresurlaub ergibt.
  • bei einer regelmäßigen 3-Tage-Woche: 12 Arbeitstagen Urlaub, was 4 Wochen Jahresurlaub ergibt.
  • bei einer regelmäßigen 2-Tage-Woche: 8 Arbeitstagen Urlaub, was 4 Wochen Jahresurlaub ergibt.
  • bei einer regelmäßigen 1-Tage-Woche, 4 Arbeitstagen Urlaub, was 4 Wochen Jahresurlaub ergibt.
Andere Regelungen gelten beispielsweise für Jugendliche und Schwerbehinderte. dpa/dhz
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