Finanzen -

Interview mit Andreas Ritter, Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau Capital-Auszeichnung: Das sind Deutschlands Top-Vermögensverwalter

Zum zweiten Mal hat das Wirtschaftsmagazin Capital Vermögensverwaltungen für ihre Arbeit ausgezeichnet. Andreas Ritter, Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau, erklärt im Interview, was Top-Vermögensverwalter ausmacht und warum die Rendite bei der Suche nach ihnen nicht das Maß aller Dinge sein sollte.

DHZ: Herr Ritter, wer hat denn den Test gewonnen?

Ritter: Die besten Ergebnisse in allen Kategorien haben die Vermögensverwaltungen B&K Vermögen, BV & P Vermögen, Kidron Vermögensverwaltung, Liqid Asset Management, SX-Capital Münster sowie Vermögenskultur erzielt. Sie haben dafür in der Gesamtbewertung die Höchstnote mit fünf Sternen erhalten.

DHZ: Welche Erkenntnisse über unabhängige Vermögensverwalter ziehen Sie aus der Untersuchung ?

Ritter: Besonders gut hat mir gefallen, dass einige Vermögensverwalter dabei waren, die für ihre Kunden schwerpunktmäßig Einzeltitelportfolios umgesetzt haben. Teilweise gab es Depots, die zwischen 70 und 100 Einzelwerte enthielten. Da steckt sehr viel Arbeit dahinter, die sich aber auszahlt. Beispielsweise konnten mit einer fein auflösenden Einzeltitelumsetzung Klumpenrisiken effektiv eliminiert werden. Und umso mehr freut es mich persönlich, dass ein Teil der Vermögensverwalter mit diesen Einzeltiteldepots sogar in der Spitzengruppe gelandet sind. Auch sonst ist das Niveau über alle teilnehmenden Vermögensverwaltungen hinweg im Großen und Ganzen sehr gut. Die meisten Vermögensverwalter machen dementsprechend einen guten Job für ihre Kunden.

Über die Capital-Auszeichnung

Das Wirtschaftsmagazin Capital hat zum zweiten Mal gemeinsam mit dem Münchner Institut für Vermögensaufbau (IVA) 16.033 anonymisierte Depot-Daten von insgesamt 87 Vermögensverwaltern in drei Depot-Klassen (konservativ, ausgewogen, chancenorientiert) analysiert. In dem Test wurden jeweils die Portfolio-Struktur, die Produktumsetzung, das Risikomanagement, die Kosteneffizienz und erstmals auch die Wertentwicklung der Depots für das Jahr 2019 bewertet.

DHZ: Was hat sie überrascht?

Ritter: Positiv überrascht waren wir vor allem von der Kostenstruktur der ausgewerteten Depots. Im Durchschnitt betrugen die Produktkosten überschaubare 0,55 Prozent. In der Spitzengruppe der ausgewerteten Vermögensverwaltungen fiel dieser Wert sogar noch deutlich niedriger aus. Das liegt vor allem daran, dass diese relativ viel in passive Produkte investierten.

Die Aufteilung der Gewichtung der Portfolios innerhalb der Sektoren ist ebenfalls relativ ausgewogen. Einen gewissen Schwerpunkt bilden dabei die Branchen Gesundheitswesen, Pharma und Technologie. Auf der Anleihenseite ist der Anteil an höher verzinsten Anleihen mit mehr Risiko (High Yield) relativ hoch, aber noch vertretbar.

DHZ: Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Ritter: Ich hätte mir einen höheren Anteil an Wertpapieren aus den Schwellenländern gewünscht. Diese korrelieren nachweislich etwas niedriger mit Wertpapieren aus entwickelten Ländern, als diese untereinander korreliert sind. Darüber hinaus erzielen sie langfristig eine geringfügig höhere Rendite. Daher kann ein Depot durchaus bis zu 30 Prozent Schwellenländeranteil vertragen. Natürlich hängt die Höhe des Anteils immer davon ab, ob es sich um ein konservatives, ausgewogenes oder chancenorientiertes Depot handelt.

DHZ: Wenn Sie die Ergebnisse nun mit denen des Vorjahres vergleichen, was fällt dabei auf?

Ritter: Es sticht vor allem ein hohes Maß an Kontinuität in der Arbeit der Vermögensverwalter hervor. 2018 war ja durchaus ein herausforderndes Börsenjahr. Dennoch haben die Vermögensverwalter im darauffolgenden Jahr nicht alles über den Haufen geworfen, sondern ihre Anlagestrategien weitestgehend konsequent durchgezogen.

DHZ: Worauf würden Sie persönlich achten, wenn Sie sich für einen unabhängigen Vermögensverwalter entscheiden müssten?

Ritter: Eines vorweg: Die aktuell erzielten Renditen sollten nicht das Hauptkriterium sein. Mir wäre viel wichtiger, dass er mein Depot so gestaltet, dass es wirklich meinem Risikoappetit entspricht. Und vor allem ausreichend diversifiziert, also versucht, unsystematische Risiken wie Bonitätsrisiken oder Managementfehler zu umgehen. Diese werden nämlich nicht mit einer Risikoprämie belohnt.

Außerdem wünsche ich mir, dass er mit Kosten verantwortungsvoll umgeht und sie so niedrig hält, wie es auf sinnvolle Weise möglich ist. In der Praxis heißt das: Er sollte kostenintensive aktive Investmentfonds nur dann beimischen, wenn sie gegenüber einfachen und kostengünstigen Anlageinstrumenten einen nachvollziehbaren Mehrwert bieten können. Dieser Mehrwert könnte beispielsweise der Zugang zu Anlageklassen wie Immobilien oder Private Equity sein, in die nicht passiv investiert werden kann. Weitere Vorteile eines aktiven Investmentfonds gegenüber passiven Instrumenten können ein aufwendiges Risikomanagement mit Derivaten oder geringe Korrelation mit den Wertschwankungen der Aktien- und Rentenmärkte sein.

Nicht zuletzt sollte mein Vermögensverwalter nur so viel umschichten, wie es unbedingt nötig ist. Wer ständig kauft und verkauft, produziert überflüssige Transaktionskosten. Die Sieger unseres Testes beispielsweise haben nicht mit hohen Renditen überzeugt, sondern durch sehr gute Produktumsetzung und niedrige Kosten.

Andreas Ritter ist Vorstand des Insituts für Vermögensaufbau in München.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten