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Überblick zum neuen Strafenkatalog für Autofahrer Bußgeldkatalog: Höhere Strafen und eine neue Verkehrsregel

Autofahrer aufgepasst: Ab heute gilt der neue Bußgeldkatalog. Wer erwischt wird, dem drohen Bußgelder, die bis zu zehnmal so hoch sind wie bisher. Neben teureren Strafen müssen Autofahrer auch eine neue Verkehrsregel beachten.

Seit dem 19. Oktober gilt deutschlandweit ein überarbeiteter Bußgeldkatalog. Dieser sieht deutlich höhere Strafen für Verkehrssünder vor. Die wichtigsten Änderungen haben wir zusammengefasst:

Keine Rettungsgasse bilden, kostet mindestens 200 Euro

Nach einem Verkehrsunfall müssen sich Einsatzkräfte vom Stauende bis zur Unfallstelle durch die Fahrzeuge schlängeln. Damit Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen möglichst schnell an den Unfallort gelangen, sind Autofahrer dazu verpflichtet, eine Rettungsgasse zu bilden. Wer bislang nicht zur Seite fuhr, kam mit seinem Vergehen relativ glimpflich davon. Lediglich 20 Euro mussten Verweigerer zahlen.

Der neue Bußgeldkatalog sieht eine Geldstrafe vor, die zehnmal so hoch ist. Autofahrer werden mit mindestens 200 Euro zur Kasse gebeten. Werden Einsatzkräfte durch das Fahrzeug behindert oder kommt es zu einer Sachbeschädigung winken dem Fahrer sogar bis zu 320 Euro Strafe. Hinzu kommt ein einmonatiges Fahrverbot.

Neuer Bußgeldkatalog: Wer sein Gesicht verhüllt wird zur Kasse gebeten

In den neuen Bußgeldkatalog wird zudem eine neue Verkehrsregel aufgenommen. Diese betrifft jedoch weniger den Verkehr. Vielmehr steht der Fahrer bzw. die Fahrerin im Fokus. Wer künftig sein Gesicht während der Autofahrt verhüllt, muss mit einer Strafe in Höhe von 60 Euro rechnen. Dies hat einen einfachen Grund: Das Verhüllungsverbot soll dafür sorgen, dass Autofahrer auf Blitzerfotos zu erkennen sind.

Die Regelung dürfte unter anderem während der Karnevalssaison oder an Tagen wie Halloween zum Thema werden. Autofahrer sitzen hier durchaus auch mal maskiert hinter dem Steuer. Ganzjährig betrifft die neue Regel Damen, die ihr Gesicht mit einer Burka oder Niqab verschleiern.

Smartphone am Steuer: Höhere Strafen für Auto- und Fahrradfahrer

Wer am Steuer mit dem Smartphone herumhantiert, dem drohen künftig deutlich höhere Strafen. Auch Radfahrer sind von der Änderung betroffen.

Das kostet es, wenn Autofahrer und Radfahrer mit dem Smartphone am Steuer erwischt werden:

  Vor dem 19. Oktober 2017 Nach dem 19. Oktober 2017
Autofahrer 60 Euro 100 Euro
Radfahrer 25 Euro 55 Euro

Noch teurer wird es, wenn das Smartphone am Steuer benutzt wird und infolgedessen eine Sachbeschädigung entsteht. In diesem Fall sind bis zu 200 Euro Strafe möglich. Hinzu kann ein einmonatiges Fahrverbot kommen.

Grundsätzlich gilt: Es macht keinen Unterschied, ob Autofahrer mit dem Handy telefonieren, eine Nachricht verfassen, die Uhrzeit checken, einen Anruf wegdrücken oder das Smartphone als Navi benutzen. Sobald das Handy in die Hand genommen wird, winkt ein Bußgeld.

Anders sieht es aus, wenn der Fahrer sein Handy via Sprachsteuerung bedient. In diesem Fall ist die Nutzung erlaubt. Wer sein Smartphone als Navigationsgerät nutzen möchte, darf dies nur, wenn sich das Gerät in einer Halterung befindet. Eine kurze Blickzuwendung ist immer dann erlaubt, wenn es die Verkehrslage erlaubt.

Eine weitere Ausnahme gibt es: Verfügt ein Fahrzeug über ein Start-Stopp-System und schaltet sich an der Ampel aus, dürfen Autofahrer während der Wartezeit telefonieren und Nachrichten schreiben.

Fünf Verkehrsregeln, gegen die wir unbewusst verstoßen

Zu schnell fahren kennt jeder - es gibt aber auch Verkehrsregeln, die vielleicht nicht jedem Autofahrer geläufig sind.

Illegale Straßenrennen: Haftstrafen für Raser

Für Beteiligte an illegalen Autorennen kommt es künftig knüppeldick. Mit einer Geldbuße in Höhe von 400 Euro sowie einem einmonatigen Fahrverbot ist es nicht länger getan. Sowohl den Teilnehmern als auch den Veranstaltern drohen künftig bis zu zwei Jahre Gefängnis. Kommen Menschen zu Schaden oder werden gar Personen getötet, können die Beteiligten sogar bis zu zehn Jahre hinter Gitter wandern.  

Noch härter fiel das Urteil eines Berliner Gerichts aus: Die Richter verurteilten zwei Raser nach einem illegalen Straßenrennen zu lebenslanger Haft. Die beiden waren wegen Mordes angeklagt worden.

Gaffer am Unfallort: Schaulustigen droht Gefängnis

Wer Zeuge eines Unfalles wird, ist dazu verpflichtet Erste Hilfe zu leisten und die Rettungskräfte zu alarmieren. Das gilt immer dann, wenn es die Situation erfordert und für den Ersthelfer zumutbar ist. Hält sich ein Zeuge nicht daran, kann er wegen unterlassener Hilfeleistung mit bis zu einem Jahr Haftstrafe oder einer Geldbuße verurteilt werden.

Wenn bereits ausreichend Helfer oder Rettungskräfte vor Ort sind, sollten Passanten nicht länger an der Unfallstelle verharren. Andernfalls drohen empfindliche Geldstrafen. Je nachdem, ob Rettungskräfte behindert werden oder nicht, fallen diese unterschiedlich hoch aus. Der Bußgeldkatalog sieht Strafen zwischen 20 und 1.000 Euro vor.

Noch härter werden Gaffer bestraft, die zusätzlich Fotos oder Videos von der Unglücksstelle machen. Schaulustige können in diesem Fall mit einem Bußgeld oder einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden.

Zu schnell gefahren und geblitzt geworden: So viel Strafe müssen Autofahrer zahlen

Unverändert blieben die Bußgelder für Temposünder. Für sie gilt weiterhin folgender Bußgeldkatalog:

  innerorts außerorts
bis zu 10 km/h 15 Euro Strafe 10 Euro Strafe
11 bis 15 km/h 25 Euro Strafe 20 Euro Strafe
16 bis 20 km/h 35 Euro Strafe 30 Euro Strafe
21 bis 25 km/h 80 Euro Strafe + 1 Punkt 70 Euro Strafe + 1 Punkt
26 bis 30 km/h 100 Euro Strafe + 1 Punkt 80 Euro Strafe + 1 Punkt
31 bis 40 km/h 160 Euro Strafe + 2 Punkte + 1 Monat Führerscheinentzug 120 Euro Strafe + 1 Punkt
41 bis 50 km/h 200 Euro Strafe + 2 Punkte + 1 Monat Führerscheinentzug 160 Euro Strafe + 2 Punkte + 1 Monat Führerscheinentzug
51 bis 60 km/h 280 Euro Strafe + 2 Punkte + 2 Monate Führerscheinentzug 240 Euro Strafe + 2 Punkte + 2 Monate Führerscheinentzug
61 bis 70 km/h 480 Euro Strafe + 2 Punkte + 3 Monate Führerscheinentzug 440 Euro Strafe + 2 Punkte + 2 Monate Führerscheinentzug
mehr als 70 km/h 680 Euro Strafe + 2 Punkte + 3 Monate Führerscheinentzug 600 Euro Strafe + 2 Punkte + 3 Monate Führerscheinentzug

Übrigens: Wer einen Bußgeldbescheid erhält, kann innerhalb von zwei Wochen schriftlich Einspruch bei der zuständigen Bußgeldbehörde einlegen. Nach Ablauf der Frist ist nichts mehr zu machen. fre

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