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Buggi zeigt Zukunft

In Freiburg wird erstmals ein Hochhaus auf Passivhausstandard saniert

Das erste Passivhochhaus Deutschlands ragt 45 Meter in die Höhe. Handwerker streichen die Wände, verlegen Böden, bald ist der letzte Schliff getan. Dann ist aus einem energiefressenden Altbau, Baujahr 1968, ein modernes Passivhaus geworden. Der Buggi - so nennen die Freiburger das Hochhaus in der Bugginger Straße - wird als internationales Vorzeigeobjekt gepriesen.

In dem Haus mit 16 Geschossen sind neueste Technologien und modernste Materialien verbaut. Die Sanierung des Buggis ist Teil eines ehrgeizigen Projekts: 30 Hektar im Stadtteil Weingarten-West in Freiburg sollen saniert werden und ein zukunftsfähiges Modell energetischer Stadtsanierung geben.

Führungen für Interessenten

„Das Beispiel soll Schule machen“, kündigt das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme an. Durch die Beteiligung der Forschung werde es möglich, den Primärenergiebedarf gegenüber dem heutigen Stand der Technik nochmals deutlich zu reduzieren. Künftig sollen nach diesem Vorbild aus älteren Gebäuden nachhaltige Häuser mit geringem Energieverbrauch werden. Das Fraunhofer-Institut, die Freiburger Stadtbau GmbH und die Firma Badenova sind Träger des Projekts.

Handwerker und Architekten arbeiten mit neuen Materialien, die an dem Hochhaus erprobt werden sollen. „Wir haben zum Beispiel einen Dämmstoff eingebaut, der vorher noch nie in Deutschland verwendet wurde“, erzählt der Bauleiter Josef Adrian, der gelernter Maurer und Zimmermann ist und ein Architekturbüro leitet. Sein fachliches Wissen gibt Adrian an Handwerker, Politiker oder Architekten weiter, wenn er sie in Gruppen durch das Gebäude führt und die Neuheiten zeigt. Das Interesse an dem Forschungsgebäude ist groß. Sogar Handwerkergruppen aus dem Ausland haben den Buggi bereits besichtigt. Adrian selbst hatte schon vor 42 Jahren an dem Hochhaus gearbeitet, als es erbaut wurde. Heute saniert er sein damaliges Bauprojekt.

Der Energieverbrauch des Hochhauses soll von 68 auf 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr sinken. Um Energie einzusparen, wurde eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung installiert, energiesparende Geräte und effiziente Beleuchtungen. Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage montiert, mit einer maximalen Leistung von 25 Kilowatt-Peak. Außerdem wurde eine neue Heizung mit Niedertemperaturtechnik eingebaut, die Lüftungstechnik eingehaust und das Gebäude von allen Seiten gedämmt.

Dämmen immer wichtiger

Der Stuckateurbetrieb Hermann Emter aus Freiburg hat die Fassade des Gebäudes gedämmt. „Energieeffizienter Bau und Ausbau wird für uns immer wichtiger“, sagt Christian Benz vom Stuckateurbetrieb. „Der Anteil an Dämmarbeiten wird immer größer. Ich schätze die Hälfte des Umsatzes wird bei uns inzwischen mit Dämmarbeiten gemacht - früher war das viel weniger.“ Er sieht es als Herausforderung für sein Gewerk, den Gebäudebestand in Deutschland zu dämmen. „Nicht alle Gebäude lassen sich so gut isolieren wie Neubauten. Trotzdem müssen sie optimal gedämmt werden“, sagt Benz. Der Dämmstoff Aerogel, den die Stuckateure in Teilen der Fassade eingebaut haben, ist neu. „Ich hatte ihn vorher noch nie in den Händen“, erzählt Benz. Das Aerogel sei gut zu verarbeiten, jedoch seiner Ansicht nach nicht für die gesamte Fassade geeignet und vor allem teuer.

Rund 114 Millionen Euro beträgt allein das geplante Investitionsvolumen der Freiburger Stadtbau für die Stadtquartiersanierung. Gefördert wird das Projekt außerdem mit Mitteln des Bundes, des Landes und der Stadt Freiburg.

„Zu Beginn war das Projekt sehr umstritten, weil die Leute sich die Miete ja auch leisten können müssen“, weiß Rüdiger Kunst, den die Freiburger Stadtbau mit der Betreuung der Sanierung beauftragt hat. Ein Quadratmeter hat vor der Sanierung 4,82 Euro Kaltmiete gekostet. Nach der Modernisierung steigt die Kaltmiete innerhalb von sieben Jahren von 6,14 auf 6,72 Euro. „Aber wenn man die Warmmiete betrachtet, sieht das schon ganz anders aus“, sagt Kunst. Vor der Sanierung betrugen die Energiekosten 90 Cent pro Quadratmeter, danach sollen es nur noch 45 Cent sein. Derzeit sind die Mieter des Buggis noch ausquartiert, ab März oder April soll das Hochhaus wieder bezugsfähig sein. Nach derzeitigen Planungen sollen die Sanierungsarbeiten im Stadtteil im Jahr 2020 abgeschlossen sein.

Anmeldung zur Führung: Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH & Co. KG, Tel. 0761/ 3881-879, E-Mail: natalie.kern@fwtm.freiburg.de

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