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Belastungen für Betriebe werden immer größer Bürokratie: Das ärgert das Handwerk

Enttäuscht vom Bürokratieentlastungsgesetz III berichten vier Handwerker aus vier Branchen, welche bürokratischen Belastungen ihnen im geschäftlichen Arbeitsalltag am meisten Zeit rauben.

Arno Barthelmes, Feinmechanikermeister aus Zella-Mehlis

"Man sollte meinen, es wird weniger Bürokratie, aber tatsächlich kommen schleichend immer mehr Aufgaben dazu. Viel Zeit rauben uns Statistiken, die wir verpflichtet sind, zu führen. Und einmal mussten wir einen Antrag stellen, weil wir einen Gabelstapler ohne Straßenzulassung drei Meter über die Straße bringen wollten. Dabei ging es aber nicht so sehr um die fehlende Straßenzulassung, sondern darum, dass keine Kraftfahrzeugsteuer bezahlt wurde, womit es ein Fall von Steuerhinterziehung gewesen wäre."

Corina Werner-Hartmann, Augenoptikermeisterin aus Ansbach

"Augenoptiker benötigen eine Präqualifizierung, um Leistungen mit der Krankenkasse abrechnen zu können. Diese ist fünf Jahre gültig. Nur genügt es nicht sie zu haben. Man wird trotzdem in dieser Zeit weitere zwei Mal geprüft und muss dafür die Kosten tragen. Außerdem frage ich mich, warum man für die Präqualifizierung einen Mietvertrag vorlegen muss? Und dieser Aufwand ist nötig, obwohl der Umsatz mit den Krankenkassen bei den allermeisten Betrieben nicht mehr als 3 Prozent ihres Gesamtumsatzes ausmacht."

Volker Flath, Drechslermeister aus Seiffen

"Was uns aufregt, ist, dass vor einigen Jahren die Fälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge vorverlegt wurde. Dadurch müssen wir im Prinzip für jeden Monat zwei Lohnabrechnungen machen – die geschätzte Vorauszahlung und die Prüfung und Verrechnung mit der tatsächlichen Lohnabrechnung im Folgemonat. Diese Vorgehensweise ist sowas von überholt. Die Krankenkassen haben heutzutage doch Rücklagen gebildet. Da ist es nicht mehr einzusehen, warum wir als Unternehmen zweimal die gleiche Arbeit machen sollen."

Andreas Kirsch, Maurermeister aus Landsberg bei Halle

"Ich habe eigentlich nur den Papierkram, den jeder hat. Mich unterstützt ein Steuerbüro, das funktioniert gut. Mein bürokratischer Aufwand als Selbstständiger mit einem Mitarbeiter in Teilzeit hält sich für mich in Grenzen. Als ich mich vor anderthalb Jahren selbstständig gemacht habe, hat mich die Handwerkskammer Schritt für Schritt unterstützt. Mein größtes Problem war die komplizierte Anmeldung bei der Soka-Bau."

So viel Bürokratie steckt in einem Brot
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