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Handwerksbetriebe nehmen steigende Belastungen wahr Bürokratie: Betriebe stehen vor dem Kollaps

Kleine Handwerksbetriebe stehen vor dem Exitus. Unternehmer nehmen ständig steigende Belastungen wahr. Inzwischen schreckt Bürokratie auch so manchen Nachfolger ab, während die Politik den großen Wurf scheut, die Betriebe endlich zu entlasten.

Die Bundesregierung versucht zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren, Unternehmen von Bürokratie zu entlasten. Doch ihre Bürokratiebremse (One-in-one-out) funktioniert nicht. Das Bürokratieentlastungsgesetz III (BEG III) bleibt deutlich hinter den Erwartungen des Handwerks zurück. Unmut und Kritik sind besonders laut, weil Handwerksbetriebe in ihrem Alltag seit Jahren vielmehr steigende Belastungen wahrnehmen.

Von Erleichterungen kann also keine Rede sein – im Gegenteil. "Unsere Betriebe brauchen dringend Entlastung, aber die jetzt geplanten Maßnahmen werden die absehbar nicht bringen", sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Auch für Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, ist das Maß voll: "Die Beschwerden unserer Betriebe nehmen stark zu."

Gesetze, die kaum noch jemand versteht

Die Belastungen für einen Unternehmer in einem durchschnittlich großen Handwerksbetrieb seien inzwischen so hoch, dass in der Konsequenz immer mehr Freizeit geopfert werden müsse, um diese noch bewältigen zu können. "Ein größerer Wurf wäre nötig gewesen, um den Unternehmern zu zeigen, 'wir haben euer Problem erkannt'", sagt Haber, der als Experte vor dem Wirtschaftsausschuss des Bundestages zum BEG III befragt wurde.

So viel Bürokratie steckt in einem Brot

Auch für Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks wurde mit dem BEG III eine Chance verpasst:"Die Regierung hätte eigentlich Tabula rasa machen müssen." Viele Gesetze sind so komplex, dass sie kaum noch jemand versteht. Außerdem wird die Umsetzung von EU-Regelungen hierzulande so manches Mal deutlich strenger ausgestaltet als in anderen EU-Ländern.

Dokumentationspflichen abschaffen

"Die deutsche Regierung setzt den Vorgaben aus Brüssel oft noch eines drauf", sagt Schneider. Dadurch entsteht bei den Betrieben ein Gefühl der Intransparenz und des Unverständnisses."Es ist ärgerlich, dass Gesetze nicht so gemacht sind, dass Betriebe sie einfach umsetzen können", findet auch ZDH-Präsident Wollseifer. Zum gleichen Schluss kommt der Jahresbericht des Normenkontrollrates. Es wird wohl auch noch ein Bürokratieentlastungsgesetz IV folgen.

Die Forderungen des Handwerks sind klar: etwa die Dokumentationspflichten beim Mindestlohn abschaffen oder die Aufbewahrungsfristen für Steuerunterlagen verkürzen. Sollte die Kleinunternehmer-Grenze auf 22.000 Euro Vorjahresumsatz angehoben werden, wie es das BEG III vorsieht, wäre das für Wollseifer und Haber hingegen ein falsches Signal. Dadurch erhöhe sich das Risiko von Schwarzarbeit.

Belastung schreckt Nachfolger ab

Bürokratie bewirkt noch ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Problem: Laut ZDH werden jedes Jahr rund 70.000 Unternehmen im Handwerk gegründet und rund 9.000 übernommen. Die bürokratische Belastung schreckt jedoch viele junge Handwerker ab.

Insbesondere Kinder, die das Arbeitspensum ihrer selbstständigen Eltern kennen, entscheiden sich immer öfter dafür, den Familienbetrieb nicht weiterzuführen."Wir werden in Zukunft massive Verluste im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen haben", vermutet Georg Haber. Wenn mit dem BEG IV nicht endlich der große Wurf gelingt, reguliert die Bürokratie viele kleine Handwerksbetriebe zu Tode.

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