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Bürgschaftsbank hilft Elektrobetrieb bei Finanzierung Bürgschaft macht neuen Firmensitz möglich

Elektro Schneider hat in ein modernes Firmengebäude investiert. Die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg half bei der Kreditabsicherung. Wie auch kleine Betriebe große Projekte stemmen können.

Eine Baustelle am Rande von Kißlegg. Es herrscht konzentrierte Geschäftigkeit. Wände werden verputzt, Leitungen verlegt, der Chef hält ein Schwätzchen mit seinen Mitarbeitern, fragt, wie es vorangeht. Florian Schneider lässt die Elektroinstallation an seinem neuen Firmengebäude natürlich seine Mitarbeiter machen. Zieht er doch Anfang August mit seinem Elektrotechnik-Unternehmen etwas weiter Richtung Ortsrand in das neue Gebäude.

Schneider weiß schon länger, dass der jetzige Standort nicht mehr groß genug ist. Die Schreibtische sind überbelegt. Waren und Werkzeuge lagern darunter, Parken ist für Mitarbeiter und Kunden an der Kirchmoosstraße praktisch unmöglich. Wenn 20 Autos im Hof stehen, ist die Straße dicht. Für 48 Mitarbeiter ist das Haus einfach zu klein.

An Raum fehlt es nicht erst seit gestern. Schon 2014 waren die Planungen für ein neues Firmengebäude in Angriff genommen worden. Selbst eine Förderung aus dem Programm zur Entwicklung des Ländlichen Raums (ELR) hatte Schneider schon bekommen. Und auch die Gemeinde hatte mitgespielt, indem sie ein neues Gewerbegebiet erschlossen hatte.

Projektvolumen war stark gewachsen

Doch die Firma war seitdem schon wieder gewachsen und das Projektvolumen mit angestiegen. Das hatte sich bei inzwischen 2,8 Millionen Euro statt anfänglich 1,3 Millionen Euro eingependelt. "Da habe ich mich dann doch etwas erschreckt", erinnert sich Florian Schneider. Trotzdem war für ihn klar: "Das ziehen wir jetzt so durch." Allerdings war plötzlich die Finanzierung in Gefahr. Die Hausbank konnte nicht mitgehen, weil das Grundstück durch eine andere Bank-Grundschuld vorbelastet war.

Schneider hatte für eine kleine Investition von 100.000 Euro ein Darlehen aufgenommen. Hier musste eine Umschuldung her. Um das Projektvolumen gänzlich abzusichern, brachte die Hausbank schließlich die Bürgschaftsbank ins Spiel. Denn allein konnte Florian Schneider nicht alle Sicherheiten übernehmen. Zur weiteren Kreditabsicherung beantragte die Hausbank eine Bürgschaft. Die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg stand schließlich für eine halbe Million Euro gerade.

Entscheidend für die Zusage war für die Bürgschaftsbank vor allem das unternehmerische Konzept Schneiders. Das kann man mit Fug und Recht als ganzheitlich bezeichnen. Vom Kabelschlitz bis zum Rechenzentrum bietet Schneider praktisch alles an, was es in der Elektrobranche zu verkaufen gibt.

Digital auf der Höhe der Zeit

Das Unternehmen ist vor allem in digitaler Hinsicht auf der Höhe der Zeit. Der ressourceneffiziente, smart gesteuerte Neubau hat ein selbst entwickeltes Energiemanagementsystem. Der Zugang erfolgt biometrisch und alle Betriebsteile sind voll vernetzt. Mitarbeiter, Monteure und Lieferanten bekommen Zugang über Fingerabdruck und Sensoren – geregelt über ein Gebäudeleitsystem und die Telefonanlage. Auch für die Belegschaft wird einiges getan. Der Firmensitz bietet großzügige Sozialräume mit Loggia und kleiner Kantine sowie einen mit modernster Präsentationstechnik ausgestatteten Schulungsraum.

Technisch war Schneider in der Firmengeschichte schon immer vorne dran. Urgroßvater Ludwig Schneider hatte den Betrieb vor 100 Jahren als Flaschnerei gegründet, nutzte aber bald schon die Elektrik als neues Geschäftsfeld. Der ebenfalls Ludwig heißende Sohn war so etwas wie ein Digitalisierungspionier, als er im Kreis Ravensburg als Erster die Buchhaltung mit dem Computer erledigte.

Bei der Ausbildung und in der Region engagiert

Florian Schneider blieb dieser Maßgabe treu. Der Diplom-Elek­troingenieur war nach seinem Studium weltweit auf Montage tätig und sammelte praktische Erfahrungen, die ihm seit der Übernahme des Betriebs 2007 zugutekommen. Der Anspruch, technologisch vorbildlich zu sein, spiegelt sich in der Ausbildung des Nachwuchses wider. Neun Lehrlinge sind bei Schneider beschäftigt. Sie lernen Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik sowie Fachinformatiker für Systemintegration.

Dass sich Schneider auch noch sozial in der Region engagiert, war ein weiterer Grund für die Bürgschaftsbank, den Betrieb für den Handwerkspreis der Bürgschaftsbanken vorzuschlagen, wo das Unternehmen den zweiten Preis gewann. "Immer mehr Handwerker digitalisieren ihr Geschäftsmodell und machen es so fit für die Zukunft wie die Elektro Schneider GmbH, die das vorbildlich angegangen ist", sagt Guy Selbherr Vorstand der Bürgschaftsbank. Bei so viel Lob lassen sich vielleicht auch neue Mitarbeiter nicht lange bitten. Der Fachkräfte­markt sei zwar leergefegt, sagt Florian Schneider. Doch ein Plakat neben dem Bauschild wirbt unverdrossen mit "Kollege gesucht".

Bürgschaftsbanken

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Existenzgründer verfügen nur über eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten. Die Bürgschaftsbank übernimmt deshalb gegenüber Kreditinstituten Bürgschaften für Existenzgründer und bestehende Unternehmen, sofern deren sinnvolle und Erfolg versprechende Vorhaben an fehlenden Sicherheiten zu scheitern drohen. Bürgschaften gibt es für unterschiedliche Vorhaben, etwa für Existenzgründungen und Betriebsübernahmen, Investitions- und Wachstumsvorhaben oder Betriebsmittel. Das Finanzierungsvorhaben muss betriebswirtschaftlich tragfähig sein. Bürgschaften kommen sowohl für Förderdarlehen (z.B. der KfW-Mittelstandsbank oder der L-Bank) als auch für Hausbankdarlehen in Frage. Die Verbürgung von Kontokorrentkrediten, Leasingfinanzierungen und so genannten Avalkrediten ist ebenfalls möglich. Bürgschaften müssen über ein Kreditinstitut oder eine Leasinggesellschaft beantragt werden, in einigen Bundesländern kann eine kleinere Bürgschaft auch direkt bei der Bürgschaftsbank beantragt werden. Institute gibt es in jedem Bundesland (siehe www.vdb-info.de, Verband Deutscher Bürgschaftsbanken).

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