Meisterstücke -

Meisterstücke Bucheles Märchenwelt

Andreas Buchele führt die Münchener Familienbetriebe Buchele Raumgestaltung und Posamenten-Müller bereits in der vierten Generation. Der Firmeninhaber schafft dabei gekonnt den Spagat, einerseits Tradition zu bewahren und andererseits neue Trends zu setzen.

Bucheles Märchenwelt
Rundbogen-Dekorationen im Marmorsaal des PrinzCarlPalaisMünchen. Anfertigung einer aufwendigen Empirefranse nach originalem Vorbild. -

Verzierte, verschlungene Borten, dralle Troddeln, fluffige Quasten, barocke Raffhalter, feinst schimmerndes Schnürwerk, feste, seidige Kordeln. All solche Wunderbarlichkeiten werden bei Herrn Buchele in Handarbeit hergestellt.“ Schon dieser Auszug einer Kundenmeinung auf dem Online-Bewertungsportal Yelp lässt erahnen, was Freunde hochwertiger Möbel und Wohn­accessoires in der St.-Paul-Straße 10 in München, unweit der Theresienwiese, erwartet.

In vierter Generation

Andreas Buchele führt in den unteren Geschossen eines Wohnhauses bereits in vierter Generation das Familienunternehmen Buchele Raumgestaltung und die 1981 übernommene Tochterfirma Posamenten-Müller.
1895 gründete der Sattler- und Tapezierermeister Anton Buchele das Raumausstattungsunternehmen und übergab es 1945 an seinen Sohn Hans. Nachdem der gleichnamige Enkel Anton Buchele zwischenzeitlich die Geschicke des Betriebs lenkte, steht nun seit einigen Jahren der Urenkel Andreas an der Spitze. Und bis heute hat sich nichts an der Unternehmenskultur geändert: Nicht nur in der Führung saß immer ein Buchele, sondern auch an vielen anderen unverzichtbaren Stellen hilft die eingeschworene Familienbande mit.

Meisterstücke der Firma Buchele

Buchele Raumgestaltung bietet fast alles, was die Herzen von Designfreunden höherschlagen lässt. Klassische und moderne Polstereien, aufwändige Vorhänge für den Privathaushalt, aber auch die große Theaterbühne, Dekorationen, Bodenbeläge, Wand- und Deckenbespannungen, Beklebungen oder Tapezierarbeiten.

Derweil hat sich die zweite Firma einem inzwischen beinahe ausgestorbenen Handwerk verschrieben. Posamenten-Müller fertigt auf antiken Handwebstühlen seit 1865 bis heute kunstvolle Fadenverflechtungen. Die aufwendig gestalteten Quasten verzieren nicht nur Lampenschirme, Vorhänge und Bettenbezüge, sondern inzwischen sogar Smartphones. Der Traditionsbetrieb, von dem es in dieser Art nur noch eine Handvoll in ganz Deutschland gibt, ist mit der Zeit gegangen und wertet die Luxusgüter der jungen Generation ebenso auf wie die der älteren.

„Tradition bewahren und mit Moderne vereinen“, so beschreibt der Chef das Konzept, mit dem sich der Betrieb seiner Kundschaft präsentiert. Und Andreas Buchele betont, dass seine Kunden wirklich noch König seien. So arbeiten beide Firmen fast nur nach Auftrag und verwirklichen auch den noch so ausgefallensten Wunsch, wenn er sich nur irgendwie umsetzen lässt.
Ob eine Quaste für 6.000 Euro oder ein exklusiver Schlafzimmer-Schrank für 30.000 Euro, wer es elegant oder extravagant mag, ist hier an der richtigen Adresse. Dabei bestimmen nicht in erster Linie die hochwertigen Materialien die Preise, sondern die aufzuwendenden Arbeitsstunden, die selbst bei einer kleinen Kordel schon mal in die hunderte gehen können.

Von Strauß bis Papst

Dass sich die Firma Buchele über mehr als ein Jahrhundert nicht nur am Markt halten konnte, sondern bis heute zu den Marktführen zählt, liegt dem Firmenchef zufolge vor allem an zwei wesentlichen Faktoren.
Über allem stand und steht die Nähe zu den Kunden. Und so frohlockt Andreas Buchele nicht nur, wenn wieder ein Großauftrag reingekommen ist, sondern wendet sich auch Kleinstaufträgen mit der gleichen Hingabe zu. „Einmal sind es eben nur ein paar Stuhlbeine, die restauriert werden müssen, und ein anderes Mal ist es nicht weniger als die Verkleidung des Siegestores in München“, erzählt er. Projekte, wie Letzteres zum Anlass des Todeszuges von Bayerns ehemaligem Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß sind keine Seltenheit für den Betrieb. Auch der Papst stolzierte schon über einen roten Teppich aus dem Hause Buchele. Zu den Stammkunden zählen zum Beispiel auch die Staatsoper in München, die Bayerische Staatskanzlei und Konzerne wie Allianz und Siemens.

Ständige Weiterentwicklung

Nicht weniger bedeutend für den jahrzehntelangen Erfolg sei, sich nicht auf gewonnenem Prestige auszuruhen, sondern die Unternehmensstrategie stets aufs Neue zu hinterfragen und Kritik als Ansatz zur Optimierung zu begreifen. Und so zögerte Andreas Buchele nach der Übernahme des Betriebs von seinem Vater nicht lange, Buchele Raumgestaltung auch räumlich mit der Tochterfirma unter ein gemeinsames Dach zu bringen. „Die Räume waren für Posamenten-Müller eigentlich zu groß. Jetzt ist alles kompakt und die Arbeitswege sind viel kürzer“, freut sich der Inhaber. Auch aus wirtschaftlicher Sicht habe sich die Zusammenlegung gelohnt. Betriebskosten konnten eingespart werden und dafür gab es für die fleißigen Mitarbeiter eine deutliche Lohnerhöhung.

Mit wachsamen Augen verfolgt das Firmenoberhaupt aber nicht nur die eigenen Geschicke, sondern jede Entwicklung der Branche, um nie in die Situation zu geraten, eine sich bietende Chance zu verpassen. Und so ließ sich Andreas Buchele nicht lange bitten, als einer der großen Wettbewerber in der Region vor kurzem zum Verkauf stand. Durch die Übernahme konnte Buchele Raumgestaltung seine Marktstellung ausbauen und die ohnehin gut bestückten Auftragsbücher weiter füllen.
Um die Zukunft seiner Geschäfte macht sich Andreas Buchele wenig Sorgen. Buchele Raumgestaltung sei ohnehin immer das Zugpferd gewesen. Derweil profitiert Posamenten-Müller von der Anziehungskraft, die das prunkvolle und zugleich tragische Leben von Königen wie Bayerns Ludwig II. und Österreichs Kaiserin Sissi nach wie vor auf die Bevölkerung ausüben. Erst jüngst konnte der Betrieb einen Großauftrag für das Schloss Schönbrunn an Land ziehen und sich dabei in mehreren Auswahlrunden gegen starke Konkurrenten durchsetzen.

Und so scheint es keine Frage, dass der Urenkel von Anton Buchele das Unternehmen irgendwann erfolgreich an die fünfte Generation übergeben wird.

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