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Fördermittel Brüssel hilft auch kleinen Betrieben

Das Handwerk profitiert unmittelbar von Förderungen der Europäischen Union – Geld gibt es für Weiterbildungszentren, Auslandspraktika und Maschinenparks.

Eine Kaimauer an der Elbe, ein Berufsbildungszentrum in Bayern, eine Schaukäserei in Hessen – all diese Projekte haben etwas gemeinsam: Sie wurden von der Europäischen Union gefördert. Denn Brüssel kümmert sich nicht nur um große Wirtschaftsfragen wie Handelsverträge mit Japan oder Zollabkommen mit den USA. Die Europäische Union stellt auch Fördertöpfe bereit, die kleinen Handwerkern unmittelbar zugutekommen. Gerade Unternehmer in ländlichen Regionen haben in den vergangenen Jahren von dieser Unterstützung profitiert. Deshalb kämpfen Vertreter des Handwerks auch dafür, dass die Regionalförderung im künftigen EU-Haushalt nicht zu stark gekürzt wird. Was durchaus passieren könnte: Die EU muss nach einem möglichen Brexit den Wegfall von Mitgliedsbeiträgen aus Großbritannien verkraften. Brüssel dürften überdies kostspielige Aufgaben zufallen – wie der Schutz der Außengrenzen. Im Gegenzug könnte die Unterstützung für ländliche Regionen eingeschränkt werden, was schade für die Akzeptanz der EU in der Bevölkerung wäre. "Die Regionalförderung ist eine Leistung, die bei den Menschen direkt ankommt", sagte Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstags, kürzlich bei einer Podiumsdiskussion in Brüssel. Und betrifft viele Menschen – rund 57 Prozent der Bevölkerung Deutschlands leben in ländlichen Räumen. Das sind rund 47 Millionen Menschen. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat in Bayern, Sachsen und Hessen nachgefragt, was die EU dem Handwerk bringt.

Hallen für Zimmerer

Nutznießer des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sind grenznahe Landstriche mit Entwicklungsrückstand. Das Ziel: Die Wettbewerbsfähigkeit der dort ansässigen Unternehmen verbessern, so dass Arbeitsplätze vor Ort erhalten oder sogar neu geschaffen werden können. Am Beispiel Niederbayerns lässt sich der Erfolg von EFRE belegen. So konnte eine Zimmerei dank der Unterstützung durch EFRE eine neue Gewerbe- und Fahrzeughalle errichten und neue Maschinen erwerben. Sechs Arbeitsplätze wurden neu geschaffen. EFRE hat zwischen 2014 und 2020 in Bayern 134 kleine und mittlere Betriebe mit einer Summe von 46 Millionen Euro gefördert.

Hofladen für Biofleischer

Das Förderprogramm LEADER dient der Regionalentwicklung und gilt unter Experten als "absoluter Renner". Nicht Beamte im fernen Brüssel bestimmen, was bezuschusst werden soll, sondern lokale Arbeitsgruppen. Denn die Menschen vor Ort wissen am besten, was ihrer Region guttut. Der Bogen der Projekte ist weit gespannt: Bezuschusst werden Wanderwege und Buslinien, Bienenzüchter und Räucherkerzenhersteller – aber auch der Umbau von Gewerbeimmobilien. Davon profitiert zum Beispiel das Handwerk in Ostsachsen. Zwei Dutzend Stellungnahmen zu förderungswürdigen Projekten haben die Experten der Handwerkskammer Dresden zwischen 2016 und 2019 abgegeben – fast alle Anträge waren erfolgreich. So wurde ein Biofleischer aus der Bautzener Region unterstützt, der seinen Hofladen und sein Lager erweitern wollte. Ein Zahntechniker bekam Zuschüsse für eine Titanfräsmaschine, ein Steinmetz konnte eine neue Säge für Grabsteine anschaffen. Ganz ohne Anstrengung gibt es das Geld aus dem europäischen Fördertopf allerdings nicht: Bevor Experten der Handwerskammer ihr Gutachten abgeben, verschaffen sie sich einen Eindruck vom Unternehmen. Sie prüfen zum Beispiel, wie durchdacht der Projektplan ist und ob Kredite abbezahlt werden können. LEADER fördert nie die komplette Anschaffungssumme und wer Unterstützung erwartet, muss sich mit Papierkram befassen. In Einzelfällen gab es gleichwohl beträchtliche Summen, so dass sich bei Handwerkerstammtischen und in Innungen herumgesprochen hat, was LEADER zu leisten vermag.

Als Konditorin nach Malta

Als junge Konditorin nach Malta oder Schottland? Das geht mit Hilfe der Handwerkskammer. Seit 2010 fördern das Land Hessen und die Europäische Union die Mobilitätsberatung der hessischen Wirtschaft, etwa bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Das Motto lautet "Arbeiten und Lernen in Europa". Berater unterstützen Betriebe, die Azubis oder junge Fachkräfte ins Ausland entsenden wollen. Das macht sich nicht nur gut im Lebenslauf der Lehrlinge, auch die Betriebe werden als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen. Und davon machen in der Region um Frankfurt besonders gern Elektroniker, Maler, Kfz-Mechatroniker, Maßschneider und Vertreter der Holzberufe Gebrauch.

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