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Kritik aus dem Handwerk Brüssel greift den Meisterbrief an

In ihrem jüngsten Länderbericht für Deutschland empfiehlt die Europäische Kommission, "ungerechtfertigte Beschränkungen und Marktzutrittsschranken" abzuschaffen und greift damit auch den Meisterbrief an. Das Handwerk wehrt sich gegen die Empfehlungen.

In vielen Handwerksbranchen, einschließlich im Baugewerbe, sei nach wie vor ein Meisterbrief oder eine gleichwertige Qualifikation erforderlich, um einen Betrieb zu führen, kritisieren die EU-Politiker.

Der Bayerische Handwerkstag (BHT) kritisiert dies scharf. "Die Empfehlungen zur Liberalisierung der regulierten Berufe zeigen, dass die Damen und Herren in Brüssel keine Ahnung haben, welche Vorteile der Meisterbrief für den deutschen Arbeits- und Ausbildungsmarkt hat", sagte BHT-Präsident Heinrich Traublinger. "Es scheint auch, als hätte man in Brüssel rein gar nichts aus der Wirtschaftskrise in Europa gelernt."

"Preiskampf auf Gedeih und Verderb"

Die Jugendarbeitslosigkeit in der EU liegt gegenwärtig bei 23,5 Prozent – in einigen südeuropäischen Ländern hat sie gar die Marke von 50 Prozent überschritten. In Deutschland beträgt sie dagegen 7,7 Prozent. Die duale Ausbildung bis hin zum späteren Meister wird auch von EU-Politikern immer wieder als vorbildlich bezeichnet.

Traublinger verweist in seiner Kritik auf den Wegfall der Meisterpflicht in 53 Berufen im Januar 2004. Dies habe zu einer Flut von Ein-Mann-Betrieben geführt, "die sich einen Preiskampf auf Gedeih und Verderb liefern und keine Lehrstellen anbieten". Traublinger: "Ist es das, was die Europäische Kommission will?" dhz

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