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Marktkonzentration bei den Augenoptikern Brillenverkauf: Kein Trend zum Online-Shopping

Immer mehr große Unternehmen bestimmen den Markt der Augenoptik. Entgegen anderer Branchen ist es aber nicht das Internet, das es den kleinen Betrieben schwer macht. Denn ein Trend zum Online-Shopping wird es beim Brillenkauf wohl nicht geben.

Rund 100 Betriebsstätten des Augenoptikerhandwerks sind im Jahr 2017 vom Markt verschwunden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Doch nicht nur die Zahl der Betriebsstätten nimmt ab, sondern an Relevanz gewinnt auch, dass die zehn größten Unternehmen der Branche ihr Filialnetz ausweiten und kleine Betriebe übernehmen. So konnten sie auch im vergangenen Jahr ihren Marktanteil ausbauen. Ihr Umsatzanteil liegt mittlerweile bei 45,5 Prozent. Insgesamt sankt die Zahl der augenoptischen Fachgeschäfte im Jahr 2017 auf 11.700 Betriebsstätten, doch die Anzahl der Geschäfte der zehn umsatzstärks­ten Filialunternehmen nahm weiter zu. 2.083 Betriebsstätten gehören ihnen mittlerweile und sie wuchsen auch im vergangenen Jahr stärker als die Branche insgesamt.

Das zeigt der neue Branchenbericht des Zentralverbandes der Augenoptiker und Optometristen (ZVA). Demnach wird es für kleine Betriebe immer schwieriger sich am Markt zu behaupten. "Haben wir vor einigen Jahren noch davon gesprochen, dass ein Betrieb mit rund 250.000 Euro Jahresumsatz grundsätzlich als konkurrenzfähig gilt, so muss man heute mit Blick auf die statistischen Zahlen eher von rund 300.000 Euro ausgehen", erklärt Lars Wandke, der Sprecher des ZVA und nennt als Gründe für die Verschiebung der  Umsatzgrenze die in den vergangenen Jahren gestiegenen Kosten bei technischer und personeller Ausstattung. "Insbesondere letzteres spielt für kleinere Betriebe eine nicht zu vernachlässigende Rolle, da die Arbeitslosigkeit in der Augenoptik historisch niedrig ist und der Fachkräftemarkt entsprechend angespannt", sagt er. Das ziehe zwangsläufig ein steigendes Gehaltsniveau nach sich.

Kleine Augenoptiker-Fachgeschäfte sollten sich spezialisieren

Umso kleiner der Betrieb also ist, umso schwieriger hat er es mitzuhalten. Übernahmen von kleinen Betrieben erlebt der ZVA aber derzeit nicht nur durch die Big Player der Branche, sondern ganz besonders auch durch einige ehemals mittelständische Unternehmen, die nun mehr Filialen hinzugewinnen. Kleinen Betrieben, die eine Strategie suchen, um weiter am Markt bestehen zu können, rät Lars Wandke, sich zu spezialisieren, denn "der Gemischtwarenladen, der alles anbieten möchte und das möglichst zu Kampfpreisen, hat als Einzelunternehmen heute keine Zukunft mehr". Stattdessen sollte man spezielle Angebote für besondere Zielgruppen erarbeiten und sich entsprechend weiterbilden. "Die Optometrie spielt dabei eine wichtige Rolle, verschiedene Screening zum Ausmessen der Augen anzubieten, der Bereich der vergrößernden Sehhilfen oder auch Kontaktlinsen", erklärt der Branchensprecher.

Obwohl sich die Branche immer mehr auf die großen Unternehmen konzentriert und die Zahl der Betriebsstätten sinkt, sind die Deutschen im Vergleich zu anderen Ländern allerdings noch immer sehr gut mit Fachgeschäften des Augenoptikerhandwerks versorgt. Anders als in manch anderen Branchen und bei kleinen Geschäften des Einzelhandels gewinnt der stationäre Handel hierbei sogar insofern an neuer Bedeutung, als dass der Online-Markt beim Brillenverkauf eine Nische ist und voraussichtlich auch bleibt. Der Branchenbericht zeigt zudem, dass einige einst reine Online-Brillen-Vertriebe dazu übergehen stationäre Geschäfte zu eröffnen und auf einen "Multichannel-Vertrieb" zu setzen.

Verbraucher haben Vorbehalte gegen Online-Optiker

Eine Umfrage von Kantar TNS zum eCommerce im Gesundheitsmarkt aus dem Jahr 2017 bestätigt diesen Trend. Demnach liegt der Online-Brillenkauf nur bei sechs Prozent. Im Vergleich dazu gaben 52 Prozent der Befragten an, Medikamente im Internet zu bestellen. Insgesamt zeigten sich dabei viele Vorbehalte gegen Online-Optiker. Viele sahen ein Risiko, beim Brillenkauf falsch bzw. gar nicht beraten zu werden. 81 Prozent der Käufer gaben an, dass ihnen die Beratung vor Ort wichtig ist und 71 Prozent sahen eine Gefahr, dass eine online erworbene Brille nicht passt. Um die genannten Risiken auszuschließen, sind der Umfrage zufolge 55 Prozent der Befragten auch bereit, für die Beratung beim Optiker mehr zu bezahlen.

Diesen Trend greifen einige Online-Branchenriesen nun auf und gehen entweder dazu über mit dem stationären Brillenhandel zu kooperieren – wie die Macher des Portals Brille24.de – oder sie eröffnen eigene Geschäfte. Zu diesem Weg hat sich beispielsweise das Unternehmen Mr. Spex entschieden. Der ZVA registriert demnach eine Zunahme bei der Vermischung der Vertriebsformen: aus dem reinen Online-Vertrieb wird vermehrt ein Multichannel-Vertrieb. Das Wachstum in diesem Bereich liegt für 2017 bei knapp sechs Prozent. Es büßte aber im Vergleich zu den Vorjahren an Dynamik ein.

Wichtig bleibt für die augenoptischen Fachgeschäfte also der stationäre Vertrieb und in den etwas weniger gewordenen Betriebsstätten erzielten sie einen steigenden Umsatz. So ist der gesamte Branchenumsatz im Jahr 2017 um knapp drei Prozent auf 6,12 Milliarden Euro gestiegen. Allein in der stationären Augenoptik wuchs der Umsatz von 2016 auf 2017 um 2,7 Prozent auf knapp 5,9 Milliarden Euro.

Augenoptikerhandwerk in Zahlen

  • Branchenumsatz 2017 gesamt: 6,120 Milliarden Euro inkl. MwSt. (2016: 5,954 Milliarden Euro)
  • Absatz komplette Brillen 2017 gesamt: 12,74 Millionen Stück (2016: 12,62 Millionen Stück)
  • Absatz Brillengläser gesamt 2017 gesamt: 38,82 Millionen Stück (2016: 38,52 Millionen Stück)
  • Umsatz stationäre Augenoptiker 2017: 5,859 Milliarden Euro inkl. MwSt. (2016: 5,707 Milliarden Euro)
  • Absatz komplette Brillen 2017 in den stationären Geschäften: 11,91 Millionen Stück (2016: 11,85 Millionen Stück)
  • Absatz Brillengläser gesamt 2017 in den stationären Geschäften: 37,16 Millionen Stück (2016: 36,98 Millionen Stück)
  • Branchenumsatz 2017 Online/Multichannel: 0,261 Milliarden Euro inkl. MwSt. (2016: 0,247 Milliarden Euro)
  • Absatz komplette Brillen 2017 Online/Multichannel: 0,83 Millionen Stück (2016: 0,77 Millionen Stück)
  • Absatz Brillengläser gesamt 2017 Online/Multichannel: 1,66Millionen Stück (2016: 1,54 Millionen Stück)
 Quelle: ZVA; Branchenbericht 2017/2018

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