Chemnitz -

Austritt aus der EU Brexit betrifft auch Handwerk der Region

Stichtag für den Austritt der Briten aus der Europäischen Union ist der 30. März. Was sollten Unternehmen beachten und welche Auswirkungen gibt es bereits im Handwerk?

Unklar ist, ob es eine Übergangsphase geben wird, in der sich bis 31. Dezember 2020 erst einmal nichts ändern würde oder ob ein harter Brexit mit unabsehbaren Auswirkungen auf deutsche Unternehmen zukommt. Klar ist jedoch: Die Unternehmen müssen sich auf Veränderungen einstellen. Insbesondere der Warenverkehr und die Einreisebestimmungen werden sich verschärfen.

Welche Vorbereitungen getroffen werden können, dazu berät Außenwirtschaftsberaterin Andrea D’Alessandro in der Handwerkskammer Chemnitz: „Momentan sage ich fast immer ein Wort: EORI-Nummer. Das ist mein wichtigster Tipp an Unternehmen, die Dienstleistungen im Ausland erbringen. Diese Nummer vergibt die Zollverwaltung. Sie dient den Zollbehörden europaweit zur Identifizierung und Registrierung von Wirtschaftsbeteiligten. Diese Nummer sollten alle beantragen, die noch keine haben. Möglichst schnell, denn mit dem März könnte es zu Engpässen in der Beantragung kommen.“

Die Beraterin weiß auch noch nicht, welche Konsequenzen ein Austritt der Briten aus der EU haben wird. „Ich kann den Unternehmen aber sagen, was sie beachten müssten, wenn Großbritannien zu einem sogenannten Drittstaat wird. Wer Waren oder auch Werkzeug zur Erbringung einer Dienstleistung nach Großbritannien bringen möchte, der hat dann alle gängigen Exportpapiere vorzuhalten. Angefangen bei der EORI-Nummer bis hin zu Warennummern und einem Carnet für Werkzeuge. Wenn wir Glück haben, wird es ein vereinfachtes Einfuhrverfahren für EU-Waren geben.“ Wichtig sei auch, sich gute Partner an die Seite zu holen: den Steuerberater, eine Spedition und bei inter­nationalen Verträgen auch einen guten Fachanwalt.

Welche Erfahrungen machen Handwerksunternehmen gerade?

Die Hans-Jürgen Müller GmbH & Co. KG aus Stützengrün stellt hochwertige Produkte rund um die Nassrasur her. Im November 2018 eröffnete das Unternehmen einen Shop in London. Andreas Müller, einer der Geschäftsführer, hofft auf ein wirtschaftsfreundliches Freihandelsabkommen zwischen dem Inselstaat und Europa: „Grundsätzlich hat sich der britische Markt für uns positiv entwickelt. Vor allem London ist eine Metropole mit internationalem und kaufkräftigem Publikum. Man merkt aber, dass die Engländer in diesen unruhigen Zeiten immer vorsichtiger werden beim Geldausgeben und sehr skeptisch sind bei allem, was vom europäischen Festland kommt. Ich hoffe, dass es ein Freihandelsabkommen und vertretbare Regelungen für die Wirtschaft geben wird. Alles andere will ich mir noch nicht vorstellen.“

Elektrotechnikermeister Stefan Herles aus Neudorf hat Auftragsanfragen aus Großbritannien, weiß aber nicht, ob und wie er den Auftrag annehmen soll: „Wir haben eine Anfrage eines Maschinenherstellers in Großbritannien und sollen vor Ort neue Kabel verlegen. An sich kein Problem. Nur wissen wir im Moment nicht einmal, ob wir ins Land gelassen werden und zu welchen Bedingungen. Das macht auch die Vertragsgestaltung schwierig. Material könnten wir zur Not im März noch anliefern. Wie es aber später mit dem Werkzeug oder den Mindestlohnvorgaben für Mitarbeiter aussieht, wissen wir nicht. Der Auftrag hängt komplett in der Schwebe.“

Die STS Solution GmbH aus Flöha baut unter anderem für Lidl Einkaufsmärkte in Großbritannien. Firmenchef Steffen Scheinert kann im Moment noch keine Aussagen zu den Auswirkungen des Brexits auf sein Unternehmen machen. „Wir arbeiten seit gut 20 Jahren im Vereinigten Königreich und erbringen mit Material aus Deutschland und Arbeitskräften aus der EU Bauleistungen, überwiegend für Lidl. Was uns nach dem Ausstieg der Briten aus der EU erwartet, wissen wir nicht. Wir haben bis heute keine belastbaren Informationen, um uns gezielt darauf vorbereiten zu können. Unsere Auftragsbücher für dieses Jahr sind bereits gut gefüllt. Um unsere hohe Qualität auch weiterhin halten zu können, sind wir auf Material aus Deutschland und unsere gut ausgebildeten Fachkräfte angewiesen. Diese Abhängigkeit haben wir in unseren neuen Verträgen berücksichtigt. Mehr können wir im Moment nicht tun. Um auch weiterhin erfolgreich mit unseren Kunden in Großbritannien zusammenarbeiten zu können, haben wir vorausschauend eine Limited gegründet. Wir sind dann aber auf englisches Personal und Material angewiesen – eine neue Herausforderung.“

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie gern Andrea D’Alessandro: Tel. 0371/5364-203 und E-Mail: a.dalessandro@hwk-chemnitz.de

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten