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Bundesregierung will Anspruch auf Hilfen prüfen Brauereigasthöfe: Verbände sehen Existenzen bedroht

Staatliche Hilfsprogramm gibt es aktuell für die Gastronomie und Hotellerie. Eine Mischform, die bislang nicht berücksichtigt wurde, sind Brauereigasthöfe. Ohne staatliche Hilfe, sind die Existenzen vieler traditionsreicher Handwerksbetriebe gefährdet.

Der Bayerische Brauerbund hatte Anfang Dezember Alarm geschlagen. Viele traditionsreiche Brauereigasthöfe drohen bei den November- und Dezemberhilfen leer auszugehen und in finanzielle Not zu geraten. Branchenvertreter sehen Jahrhunderte alten Familienbrauereien in ihrem Bestand gefährdet, sollte der Bund die finanziellen Hilfen für diese speziellen Betriebe nicht anpassen.

Die Bundesregierung prüft nun, wie auch jetzt geschlossene Brauereigasthöfe Anspruch auf Corona-Hilfen erhalten können. "Wir suchen Möglichkeiten, wie hier auch Gerechtigkeit und An-die-Situation-Angepasstheit realisiert werden kann bei den November- und Dezemberhilfen", sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am 16. Dezember in der Regierungsbefragung im Bundestag. Wirtschaftsminister Peter Altmaier wolle sich dies nochmals anschauen. "Wir haben ein hohes Interesse daran, dass traditionsreiche Unternehmen diese Brücken genauso bekommen wie Unternehmen, die noch nicht so lange existieren."

"Mischform" ist das Problem der Brauereigasthöfe

Wie die gesamte Gastronomie sind auch die Brauereigasthöfe in Deutschland seit Anfang November geschlossen. Finanzielle Unterstützung erhält die Gastronomie mit der November- bzw. Dezemberhilfe. So soll ein großflächiges Gastronomiesterben verhindert werden. Gaststätten und Hotellerie erhalten als Ersatz für die Umsatzausfälle eine Entschädigung in Höhe von bis zu 75 Prozent der Umsätze der Vorjahresmonate. Brauereigasthöfe erhalten diese Mittel aktuell jedoch nicht.

"Brauereigasthöfe sollen, wie jetzt bekannt wurde, als 'Mischbetriebe' durchs Raster fallen. Weil sie neben der Gastronomie und Hotellerie auch eine handwerkliche Brauerei betreiben, hätten sie nur eine Chance auf staatliche Unterstützung, wenn der Außer-Haus-Verkauf der Brauerei an den Handel maximal 20 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht", heißt es in einer Pressemitteilung des Bayerischen Brauerbunds vom 6. Dezember.

Sonderregel wie bei Bäckereien mit Cafés gefordert

Durch das ohnehin wenig gewinnträchtige Geschäft mit Flaschenbier könnten diese handwerklich arbeitenden Brauereien die enormen Verluste, die der erzwungene Stillstand der gastgewerblichen Betriebsteile verursacht, jedoch bei weitem nicht kompensieren, kritisiert Stefan Stang, Hauptgeschäftsführer Private Brauereien Bayern, die Überlegungen des Bundes.

Auch Thomas Geppert DEHOGA Bayern-Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands beklagt die fehlenden Hilfen für Brauereigaststätten: "Wenn Bäckereien und Konditoreien richtigerweise für ihre geschlossenen Cafés Hilfsgelder abrufen können, dann sei es nur recht und billig, auch den staatlicherseits stillgelegten Brauereigasthöfen in dieser für sie existenzgefährdenden Lage zu helfen.“

Der AfD-Abgeordnete Martin Sichert hatte bei der Regierungsbefragung im Bundestag kritisiert, dass Großkonzerne wie McDonald's oder Starbucks, die in Deutschland kaum Steuern zahlten, von den Hilfen massiv profitierten. Dagegen gingen mittelständische, familienbetriebene, Steuern zahlende Mischbetriebe wie Brauerei-Gaststätten leer aus. Warum erhielten diese keine Förderung, wollte der Abgeordnete aus Nürnberg wissen. "Hält die Bundesregierung amerikanisches, industriell gefertigtes Junkfood für wichtiger wie selbst hergestellten, zarten Sauerbraten und selbst hergestelltes Bier?" Merkels Antwort: "Definitiv nicht!"

Mit dpa

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