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Handwerker unter Verdacht Brandschutz auf der Baustelle

Die Bilder der brennenden Kathedrale Notre Dame de Paris gingen um die Welt – und mit ihnen die Frage, was den Brand ausgelöst haben könnte. Da die Kirche zum Zeitpunkt des Brandes eingerüstet war, fiel der erste Verdacht auf die Handwerker. Was Unternehmer beim Brandschutz auf Baustellen beachten müssen.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft scheint die französische Gerüstbaufirma Le Bras Frères keine Schuld am Brand von Notre Dame zu treffen. Es gab weder Schweißarbeiten noch Arbeiten an der Elektrik, wie anfänglich vermutet. Der für die Bauarbeiten montierte Außenaufzug war sieben bis acht Meter von der Kathedrale entfernt und von einer anerkannten Prüfstelle abgenommen worden. Nach Feierabend hatten die Handwerker, wie es die Sicherheitsmaßnahmen verlangen, die Stromversorgung der Baustelle gekappt. Und das Baugerüst hat wohl sogar manche Teile der Kathedrale vor dem Einsturz bewahrt.

Dennoch waren die Untersuchungen für die Firma ein Alptraum. Die zwölf Mitarbeiter der auf die Restaurierung historischer Bauwerke spezialisierten Firma wurden jeder mehrfach von der Kriminalpolizei verhört. In der Öffentlichkeit wurden sie beschimpft und bedroht.

Brandschutz auf der Baustelle dokumentieren

Nicht nur bei solch spektakulären Aufträgen ist ein gut dokumentierter Brandschutz wichtig. Der Bauherr beziehungsweise die von ihm beauftragte Bauleitung tragen die Verantwortung für die Sicherheit und damit auch für den Brandschutz auf einer Baustelle. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) empfiehlt, einmal pro Schicht Folgendes zu kontrollieren:
  • sind brennbare Stoffe entsprechend der Anforderungen der Sicherheitsdatenblätter gelagert?
  • werden brennbare Packmittel täglich beseitigt und die Baustelle mindestens einmal wöchentlich aufgeräumt?
  • sind Aufstell- und Bewegungsflächen sowie Flucht- und Rettungswege frei für die Feuerwehr?
  • funktionieren alle sicherheitstechnischen Anlagen und Einrichtungen wie Feuerlöscher und sind sie sicher vor Diebstahl?
  • Sind alle Personen auf der Baustelle in das Sicherheitskonzept eingewiesen?
Die häufigsten Ursachen für Brände auf Baustellen sind feuergefährliche Arbeiten, das Betreiben von Feuerstätten oder feuergefährlichen Geräten sowie das Erwärmen von Baustoffen. Für feuergefährliche Arbeiten braucht der Unternehmer eine schriftliche Genehmigung. Das legt die DGUV-Regel 100-500 "Betreiben von Arbeitsmitteln" fest. Einen Muster-Erlaubnisschein für Schweißen und verwandte Verfahren bietet die Berufsgenossenschaft Holz und Metall.

Brandursachen bei Elektroinstallationen

Auch Elektroinstallationen und elektrische Geräte bilden eine Brandgefahr. Typische Brandursachen sind laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV):

  • Überlastbetrieb von Elektromotoren und Kabelrollen
  • falsche Auswahl von Sicherungen/Überbrückung von Sicherungen
  • Überhitzung durch Wärmestau, z. B. Abdecken von Heizgeräten
  • Eindringen von Feuchtigkeit in Anlagen und Betriebsmittel
  • falsche Auswahl der Schutzart
  • zu kleine Biegeradien von Kabeln und Leitungen
  • Beschädigungen von Kabeln und Leitungen durch äußere thermische, mechanische und chemische Einflüsse
  • Funken und Schweißperlen durch Schweißen oder sonstige feuergefährliche Arbeiten
  • Abknicken der Leitungen oder Verlegen auf scharfkantigen Unterlagen
  • Quetschen oder Überfahren
  • Zugbelastung
  • Chemikalien sowie andere aggressive Medien
  • Verdecken/Zudecken von Beleuchtungskörpern
Nicht zuletzt lösen auch achtlos weggeworfene Zigarettenkippen oft Brände aus.

Ob dies auch bei Notre Dame der Fall war, versucht die Staatsanwaltschaft zu klären. Grundsätzlich gilt: An Orten, an denen entzündliche oder explosionsgefährliche Stoffe sind, herrscht Rauchverbot.

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