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Ausbildungsbotschafter Botschafter mit Brot und Lenkrad

Ausbildungsbotschafter unterwegs im Schulzentrum Rudersberg – Azubis begeistern Schüler fürs Handwerk.

Botschafter mit Brot und Lenkrad
Jeden Tag mit Zutaten experimentieren? Ausbildungsbotschafter Hermann Schöllkopf stellt das Bäckerhandwerk vor. -

Bei einem „Tag des Handwerks“ im Schulzentrum Rudersberg konnten die Schüler der achten und neunten Werkrealschulklasse ins Handwerk und seine Karrierechancen hineinschnuppern. Auch zwei Ausbildungsbotschafter waren im Einsatz und berichteten den Schülern von ihren Werdegängen im Bäcker- und im Sattlergewerk.

„Wie viele Brotsorten kennt ihr denn?“, fragt Hermann Schöllkopf in die Klasse. Das Pult ist übersät mit verschiedenen Broten, die er von Backwaren Schöllkopf aus Waiblingen mitgebracht hat. „Es gibt über 1.000 Brotsorten in Deutschland, das ist weltweit einzigartig“, erklärt er begeistert. Hermann Schöllkopf ist Ausbildungsbotschafter und stellt den Schülern das Bäckerhandwerk vor. Vom Teig bis zum fertigen Laib erklärt der 22-Jährige jeden Arbeitsschritt und zeigt, was den Beruf des Bäckers ausmacht: Disziplin in Sachen Hygiene, Experimentierfreude und Leidenschaft. Bei den Arbeitszeiten raunt es in der Klasse. „Früh aufstehen ist relativ, dafür könnt ihr im Sommer mittags ins Freibad!“

Anschauung am "lebenden Objekt"

Besonders interessant wird es bei den Entwicklungsmöglichkeiten: vom selbständigen Meister über den Auslandsaufenthalt bis zum Lehrmeister. Doch egal, für welchen Beruf sich die Schüler entscheiden, das Wichtigste seien Praktika: „Es wird euch keiner ein Praktikum auf dem Silbertablett servieren. Aber nachfragen ist nicht schwer, der Rest geht dann oft von ganz allein.“

Botschafter mit Brot und Lenkrad

Vorher aber seien die Noten dran: „Ich hab’s selbst erlebt und ich kann euch nur raten: Setzt euch hin und lernt, damit ihr einen guten Abschluss macht.“ Kevin Greiner schaut eindringlich in die Runde. Als Sattlergeselle hat er mehrere handbezogene Lenkräder und Kopfstützen mitgebracht, die Schüler unte rsuchen staunend Nähte und Oberflächen. „Hast du sowas auch in deinem Auto?“, fragt einer und ist später mit seinen Klassenkameraden vom Blick in Kevins Wagen hin und weg. „Im Grunde ist nichts unmöglich, ich habe sogar schon mal eine Tachonadel oder ein Bobby-Car mit Leder bezogen“, erzählt der 23-Jährige, „sowas gibt es nur im Handwerk.“

Dass das Handwerk Schülern attraktive Karrierechancen bietet, weiß auch die stellvertretende Schulleiterin Anke Gulba. Darum wurde dort ein „Tag des Handwerks“ eingeführt. „Viele Schüler wissen wenig über Berufe und Chancen oder haben die typische Vorstellung, dass man sich im Handwerk schmutzig macht. Sie streben an weiterführende Schulen, auch, weil viele Eltern dies fördern. Hier braucht es sowohl mehr Information als auch mehr Sensibilität für die Neigungen der Jugendlichen.“ Sie freue sich, dass mit der Scholz Akademie aus Weinstadt und der Metzgerei Hinderer aus Rudersberg zwei Betriebe vor Ort sind, würde in Zukunft aber gern mehr Unternehmer gewinnen. Die Ausbildungsbotschafter leisten wertvolle Arbeit: „Azubis können ihre Berufe sehr greifbar und anschaulich vermitteln, die beiden jungen Männer machen das super.“

"Es braucht mehr Information"

Hermann und Kevin sind in Sachen Ausbildungsbotschafter „alte Hasen“: Ab dem zweiten Lehrjahr wurden sie von ihren Betrieben schon öfter freigestellt, um Schülern von ihrer Ausbildung zu berichten. „Mein Vater hat mich motiviert, mitzumachen, um rhetorisch sicherer zu werden. Ich finde es sinnvoll, weil es schade wäre, wenn immer weniger Jugendliche ins Handwerk gehen“, erklärt Schöllkopf.

Bei stefanjörg prototypes & leather in Winterbach wird auch Kevin Greiners Engagement unterstützt – und das fünf Jahre nach der Gesellenprüfung: „Mir macht es einfach Riesenspaß. Es ist jedes Mal spannend, wie die Schüler reagieren und was für Fragen sie stellen. Vor der Klasse zu stehen, macht mir mittlerweile nichts mehr aus.“ „Unsere Ausbildungsbotschafter entwickeln sich unheimlich weiter“, sagt Claudia Schlender.

Handwerk ins Auge gefasst

Die Regionalkoordinatorin in der Region Rems-Murr schult die Azubis vor dem ersten Einsatz, betreut sie bei Terminen und gibt Feedback. „So werden sie immer souveräner, das merken auch die Betriebe.“ Ausbildungsbotschafter würden ihre Tätigkeit reflektieren, das führe zu mehr Motivation und besseren Noten. Die Betriebe sind in den Schulen präsent und können zur Nachwuchssicherung beitragen.

In Rudersberg zumindest haben schon einige Schüler das Handwerk ins Auge gefasst: Nick aus der achten Klasse liebäugelt mit dem Friseur, Nico schwankt noch zwischen Landmaschinenmechatroniker und Anlagenmechaniker SHK. Für Klassenkamerad Florian steht schon fest: „Ich werde eine Ausbildung zum Zimmerer machen!“

Ausbildungsbotschafter

Azubis aller Handwerksberufe können ab dem zweiten Lehrjahr an der Initiative Ausbildungsbotschafter teilnehmen. Zuvor findet eine eintägige Schulung zu Präsentationstechniken, Ausbildungssystem und Karrierechancen statt. Hierfür und für mindestens zwei Einsätze werden die Azubis vom Betrieb freigestellt. In der Region Stuttgart gibt es 49 Ausbildungsbotschafter im Handwerk.
Infos: gut-ausgebildet.de, Ansprechpartner: Michaela Geya, Tel. 0711/1657-239, michaela.geya@hwk-stuttgart.de

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