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Bodemühle Redemann 165-jähriges Jubiläum: Eine Mühle erfindet sich immer wieder neu

Ute Böhme betreibt die Bodemühle Redemann in Bischofferode (Eichsfeld) in fünfter Generation. Ihr Ur-Ur-Großvater hat die Mühle 1855 erworben. In diesem Jahr feiert sie ihr 165-jähriges Jubiläum in Familienhand – und ist von einem kleinen Betrieb auf dem Dorf zu einem modernen Handwerksunternehmen gewachsen.

"Mit Liebe zur Heimat, einem Verständnis für die Region und ihre Menschen und mit vorausschauendem Denken haben wir es geschafft, die Mühle an ihrem Standort zu erhalten, sie zu entwickeln und so auch schwierige Zeiten zu überstehen", sagt die Diplom-Finanzwirtin stolz. Sie kümmert sich um die Arbeiten im Büro, ihr Mann Ingolf hält als studierter Müllertechniker die Maschinen am Laufen.

Ute Böhme führt die Firma seit knapp zehn Jahren. 2010 hat sie sie von ihrem Vater übernommen und stellt sich seitdem immer wieder neuen Herausforderungen. Erst in diesem Jahr hat die Bodemühle Redemann einen Mühlenladen eröffnet. Das Geschäft im ältesten Haus im Dorf, das unter hohen Denkmalschutz­auflagen saniert wurde, ist gut angelaufen. Hier verkauft Ute Böhme das Mehl, das in ihrer Mühle gemahlen und von Hobbybäckern geschätzt wird, aber auch Bioprodukte und regionale Nahrungsmittel. Sie wünscht sich ein Umdenken in Sachen Ernährung. "Ein Auto darf viel kosten, aber bei Nahrungsmitteln wollen wir sparen. Gute Produkte können aber nicht zum Spottpreis verschleudert werden", klagt sie an.

Mühlencafé mit 35 Sitzplätzen

Der zweite Meilenstein in diesem Jahr ist die Eröffnung des Mühlencafés mit 35 Sitzplätzen. "Hier schließt sich der Kreislauf. Denn das Stück Kuchen auf dem Tisch stammt aus unserem Mehl. Dabei geht mir das Herz auf", freut sich Ute Böhme. Nach Jahrzehnten im Büro sei das Mühlencafé, in dem sie vier Tage pro Woche steht, eine willkommene Abwechslung: "Ich mag den Bezug zu den Menschen. Gerade für die ältere Generation ist es ein Anlaufpunkt geworden. Damit kann ich dem Ort etwas zurückgeben."

An ein Mühlencafé hatten ihre Vorfahren wohl noch nicht gedacht. Und dennoch stellten auch sie sich immer wieder neuen Entwicklungen, die es überhaupt erst möglich machten, sich am Markt zu behaupten. 1968 wurde die Bodemühle Redemann komplett saniert, die Produktion erweitert. In den Folgejahren konnte die Kapazität ständig erhöht werden. 1992 kam ein Getreidelager hinzu, in dem verschiedene Sorten gelagert werden können. Ein modernes Labor überwacht indes die Qualität, und dank eines modernen Fuhrparks können Kundenwünsche flexibel erfüllt werden.

Das Roggen und Weizen, das hier gemahlen wird, wird an Bäcker in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen geliefert. Der Betrieb legt großen Wert auf kurze Wege. "Wir haben eine Verantwortung unserer Umwelt gegenüber. Das Mehl soll nicht erst hunderte Kilometer durchs Land fahren", betont Ute Böhme, die gerade in das Nachhaltigkeitsabkommen Thüringens aufgenommen wurde. Daneben arbeitet sie in Kooperation mit dem Umweltzentrum des Handwerks Thüringen an einem neuen Energiekonzept. Das Blockheizkraftwerk kann den Bedarf nicht mehr decken, die Familie denkt daher über eine Investition in Solar­energie nach. Überhaupt scheinen ihr die Ideen nicht auszugehen: Für das nächste Jahr hat Ute Böhme viele Veranstaltungen geplant, darunter Backevents, Mühlenführungen und Weinverkostungen.

Viele Ideen für die Zukunft

Mit ihrem Ideenreichtum will sie die Zukunft der Bodemühle Redemann sichern. "Wir wissen, dass unsere Mühle mit den Bäckern steht und fällt. Für sie wird es immer schwieriger, sich gegen die Industrie durchzusetzen", sagt die 55-Jährige. Obwohl sie Hoffnung hat, dass regionale Produkte ohne Konservierungsstoffe und in Handwerksarbeit wieder mehr geschätzt werden, sei der Bäckerberuf für viele nicht mehr attraktiv, die Nachfolger fehlten.

Im Gegensatz dazu steht die nächste Generation für die Bodemühle Redemann schon bereit. Benedikt Daubel, der Schwiegersohn von Ute Böhme, hat in diesem Jahr seinen Gesellenbrief und damit das Rüstzeug für die Müllerei erhalten. Aktuell und noch bis Februar 2020 absolviert er die Meisterschule in Stuttgart. Irgendwann soll er der Chef des Unternehmens sein. Nicht zuletzt deshalb blickt Ute Böhme zuversichtlich in die Zukunft – und auf die Familiengeschichte zurück. Um erfolgreich zu sein, habe sie ihren Geburtsnamen – Redemann – nicht wortwörtlich nehmen können. "Man kann eben nicht nur reden", sagt sie, "sondern muss auch machen."

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