Meisterstücke -

Großflächige Verspiegelungen und Lackierungen Blach Lackierung: Tüfteln, bis der Lack passt

Jürgen Blach und sein Team von Blach Lackierung in Ansbach sind Experten für großflächige Verspiegelungen und Lackierungen aller Art – Sportwelt und Kunstszene setzen auf ihr Know-how.

Ein glänzender silberner Helm hat alles verändert. Die Skirennläuferin Martina Ertl raste im Jahr 2000 im Riesenslalom von Sölden nach Platz 17 im ersten Durchgang zum Sieg. Immer dabei: ihr verchromter Skihelm. "In jeder Fernseheinblendung hat sie ihn in die Kamera gehalten. Der verspiegelte Helm war damals etwas total Neues", erinnert sich Jürgen Blach. Nach dieser kostenlosen Fernsehwerbung war das Interesse an seiner Firma Blach Lackierung groß.

Die Technik, einen Skihelm durch Lackierung wie Metall glänzen zu lassen, steckte damals noch in den Kinderschuhen. "Es sah gut aus, aber die Haftung war noch nicht gut." Deswegen tüftelten die Ansbacher ein Verfahren aus, das sie heute zu Spezialisten für Chromlackierungen und Verspiegelungen macht. Nicht nur Sportler, auch Künstler aus der ganzen Welt vertrauen ihrer Expertise.Heute kann der Handwerksbetrieb ganze Flächen und Bauteile komplett verspiegeln. "Früher ist man davon ausgegangen, dass sehr große Teile nicht zu beschichten sind. Wir haben es aber geschafft, mit unserem Verfahren die Physik ein wenig zu überlisten", sagt Jürgen Blach. Entscheidend ist die Zeit. Bei einem sehr großen Objekt tragen mehrere Mitarbeiter gleichzeitig die vielen Schichten Silber auf.

Verchromter Bugatti Veyron in der Autostadt Wolfsburg

Blach Lackierung in Ansbach

Die Technik des Verspiegelns kommt aus der Glasverarbeitung. Der Lack, der bei der Verspiegelung verarbeitet wird, stellt eine glasartige Oberfläche her. Die Oberfläche wird aktiviert und das Silber kommt ins Spiel.Dank des selbst entwickelten Verfahrens zur Verspiegelung und des Expertenwissens bei Lackierungen gewinnt der Familienbetrieb weltweite Ausschreibungen – wie die für einen verchromten Bugatti Veyron des Künstlers Olaf Nicolai, der in der Autostadt Wolfsburg ausgestellt ist. Aber auch bei der Restauration von lackierten Betonobjekten ist Blach gefragt. "Klassische Kunstrestauratoren kennen sich mit Kunststoffbeschichtungen oft nicht aus." Und mit seinem Bruder Günther, der das Malergeschäft verantwortet, hat Jürgen Blach auch einen Experten für Beton im Unter­nehmen.

Zur Firmengruppe Blach gehören insgesamt vier Firmen: neben der Lackiererei das Malergeschäft, der Hebebühnenverleih und die Werbeagentur Sicem. "Wir haben in der Firma immer darauf geachtet, dass wir breit aufgestellt sind." Zusammen hat die Firmengruppe Blach knapp über 100 Mitarbeiter. 40 arbeiten im Lackierbetrieb. Ursprünglich bestand der Familienbetrieb nur aus dem Malergeschäft von 1949. Den Lackierbetrieb hat Jürgen Blach vor knapp 30 Jahren gegründet. "Die Idee, mich selbstständig zu machen, hatte ich schon in der Ausbildung", sagt er. Zu dieser Zeit war in Ansbach kein freier Lackierer am Markt. Gemeinsam entschieden die Brüder: "Wir packen das an." 1988 beziehen sie das Gebäude in der Adalbert-­Pilipp-Straße. "Im Lauf der Jahre haben wir Lackierer uns immer mehr ausgebreitet."

Die Arbeit beginnt im Labor

Von der Anfrage bis zur Ausführung vergeht bei einem Kunstprojekt oft ein halbes Jahr. Der Künstler hat zwar eine Vorstellung von seinem Werk. Welche Beschichtung gewählt und wie sie technisch aufgebracht wird, arbeiten jedoch die handwerklichen Profis aus. "Wir testen dann, wie es funktionieren kann", sagt Markus Steger, Betriebsleiter Industrie und Verspiegelung bei Blach. Schließlich verträgt nicht jedes Material die Trocknungstemperatur von 60 Grad. "Wir müssen aber immer Temperatur fahren. Der Lack muss sehr gut trocken sein, ohne einen Rest Lösemittel", sagt Jürgen Blach.

Blach Lackierung in Ansbach

Deshalb beginnt die Arbeit bei Blach im Labor mit der Suche nach der idealen Beschichtung. "Die Herausforderungen sind von Künstler zu Künstler unterschiedlich. Das wird nie Alltag sein, sondern ist immer wieder spannend", sagt Markus Steger. Sport und Kunst sind aber nur zwei Geschäftsbereiche bei Blach Lackierung. Zum Alltagsgeschäft gehören mehr als 1.000 Unfallreparaturen im Jahr. Darum kümmern sich in Ansbach drei Karosseriebauer und dreizehn Lackierer. Der Handwerksbetrieb kooperiert mit verschiedenen Versicherern. Der Zeitdruck ist groß. "Bei einem Unfall ist immer Feuer unterm Dach", weiß der Fahrzeuglackierermeister Jürgen Blach. Der Kunde wolle nach einem Unfall zeitnah bedient werden und schnell einen Reparaturtermin. "Früher bedeutete Qualität, sauber zu lackieren. Das reicht heute nicht mehr", sagt der 50-Jährige.

Drittes Standbein Industrielackierung

Drittes Standbein ist die Industrielackierung. Beispielsweise in der Medizintechnik, in der hochwertige Oberflächen etwa in Klavierlackoptik gefragt sind. Blach Lackierung veredelt unter anderem Tablettenautomaten und Teile von Kernspintomographen. Auch in der Industrielackierung wird für Kundenwünsche erst mal im Labor getestet. "Es geht nicht mehr um normale Lacke. Die Lacksysteme sollen kratzunempfindlich, antimikrobiell oder antibakteriell sein. In diesem Bereich ist heute viel möglich", weiß Betriebsleiter Markus Steger.

In knapp 30 Jahren mussten sich Jürgen Blach und seine Mitarbeiter immer wieder neuen Herausforderungen stellen. "Natürlich gab es auch Probleme. Aber dann haben wir überlegt, wie wir diese Probleme abschaffen." Nur ein Geschäftsfeld ließ Jürgen Blach in seinem Berufsleben links liegen. Auf dem russischen Markt hätte er mit Vergoldungen sehr erfolgreich sein können. "Dann wäre ich aber viel unterwegs gewesen und das wäre zu Lasten meiner Familie gegangen." So bleibt es für ihn ein einmaliges Highlight, sechs Wochen lang die Lüster im Andrejewski-Saal im Kreml vergoldet zu haben. "Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke."

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