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Busflotte der Stadtwerke Augsburg fährt umweltfreundlich Biogas braucht keine Maisfelder

Wenn der Sommer sich dem Ende neigt, prägen Maisfelder ganze Landstriche. Und mit jeder Pflanze wächst die Diskussion um Tank oder Teller. Dabei kann Biogas auch aus Gülle oder organischen Abfällen erzeugt werden.

Wie eine ganze Flotte von Erdgasfahrzeugen zuverlässig mit Biomethan fährt, zeigen die Stadtwerke Augsburg (SWA). 1995 wurden die ersten acht Busse mit Erdgasantrieb angeschafft. Heute fahren im Stadtverkehr nur Busse mit Gasmotoren, 95 insgesamt. Damit ist Augsburg die einzige Großstadt in Deutschland, die ausschließlich auf Erdgasbusse setzt. „Die Motoren unserer ersten Gasbusserie haben ohne Schäden eine Laufleistung von 700.000 bis 800.000 Kilometer erreicht“, sagt Werkstattleiter Ernst Schäfer.

CH4 – Biogas gleicht Erdgas

Schon seit Ende 2011 kaufen die SWA nur Biomethan als Kraftstoff für ihre Busflotte und erreichen damit bei einem Jahresverbrauch von 2,8 Mio. kg Biogas CO2-Einsparungen von 6.700 t gegenüber Dieselfahrzeugen. Biogas kann technisch auf Erdgasqualität gereinigt und ins Erdgasnetz eingespeist werden, denn Erdgas und Biomethan haben die gleiche chemische Zusammensetzung aus Kohlenstoff und Wasserstoff – CH4.

Wie das Biogas entsteht, kann am Stadtrand bei der Abfallverwertung Augsburg (AWA) beobachtet werden. Das Unternehmen hat im Dezember 2013 eine Biogasanlage mit zwei liegenden Fermentern in Betrieb genommen, in denen pro Jahr 55.000 t Bioabfälle aus der Stadt und den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg zu Biogas vergoren werden können. Pro Tonne Bioabfall erhoffen sich die Betreiber einen Ertrag von 100 m3 Rohbiogas, das in der benachbarten Aufbereitungsanlage auf Erdgasqualität gereinigt wird. Jede Stunde entstehen dort aus 1.100 m3 Rohbiogas rund 700 m3 Biomethan, das anschließend ins Erdgasnetz eingespeist wird.

Der Energiegehalt des Biogases einer Jahresproduktion liegt bei rund 30 Mio. kWh, was ausreicht, um 3.000 Pkw mit einer Jahreslaufleistung von 15.000 km anzutreiben, rechnet Wolfgang Veszely von der AWA vor. Als Nebenprodukte entstehen pro Jahr 12.000 t Kompost sowie 14.000 t Flüssigdünger.

Im Windschatten der SWA-Busflotte ist die Stadt Augsburg mit ihrem Umfeld eine regelrechte Hochburg der Erdgasmobilität geworden. Allein bei den Stadtwerken fahren neben den Bussen noch 18 Lkw und 34 Service-Fahrzeuge mit Gasmotoren. 36 Prozent der Taxis haben einen CNG-Antrieb. Insgesamt sind im Raum Augsburg rund 1.600 Erdgasfahrzeuge zugelassen.

Probleme beim Preisvergleich

Aber obwohl die Fahrzeugindustrie viele Modelle mit Erdgasantrieb anbietet – darunter auch Transporter für das Handwerk –, das Tankstellennetz immer dichter wird und der Treibstoff preiswerter ist als Benzin oder Diesel, entscheiden sich nur wenige Autofahrer für den alternativen Antrieb. „Grund dafür ist die Preisauszeichnung an der Tankstelle. Hier kann der Verbraucher nicht wirklich vergleichen“, klagt Maria Wöber, Geschäftsführerin des Lobbyunternehmens Gibgas.

Preise an Tankstelle
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Denn während die Preise für konventionelle Kraftstoffe in Litern angegeben werden, wird der Preis für komprimiertes Erdgas (CNG – Compressed Natural Gas) in Kilogramm ausgezeichnet, weil es das deutsche Eichgesetz so vorschreibt. Entscheidend sei aber der Energiegehalt. Während im ­Kilogramm Erdgas oder Biomethan 13,16 kWh stecken, kommt Diesel nur auf 8,77 kWh. Das heißt, wenn man ein Kilogramm Erdgas tankt, kommt man damit wesentlich weiter als mit einem Liter Benzin.

Großflottenbetreiber wie die Stadtwerke Augsburg nutzen den Preisvorteil längst und setzen zudem auf maximale CO2-Reduktion, indem sie von Erd- auf Biogas umgestellt haben. Gemessen an der Gesamtumweltbilanz stößt ein mit Biogas betriebenes Fahrzeug 90 Prozent weniger CO2 aus als ein vergleichbarer Benziner. Die Emissionen bei Stickoxiden oder Rußpartikel sinken um 95 Prozent, was angesichts der Feinstaubproblematik in den Städten eine wichtige Rolle spielt.

Dass die Anbaufläche von Mais als Energiepflanze noch weiter anwächst, ist derweil nicht zu erwarten. Mit der EEG-Novelle, die seit August in Kraft ist, haben sich die Förderbedingungen für Biomasse so verändert, dass sich das Wachstum dieses regenerativen Energieträgers auf den Einsatz von Reststoffen wie Gülle oder Abfall konzentriert.

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