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Urkundenfälschung Bewerbungsbetrug: Wie erkennt man falsche Zeugnisse?

Mit den Themen Bewerbungsbetrug und Urkundenfälschung sind nicht nur bekannte Politiker, sondern auch viele Handwerksbetriebe konfrontiert - oft, ohne es zu wissen. Das Problem nimmt nach Einschätzung von Experten immer größere Ausmaße an. So können sich Betriebe schützen.

Claudia Kilian kennt die Fallstricke und Tücken bei Zeugnissen, die Chiffren — und leider auch die miesen Tricks. "Hin und wieder spielt ein Bewerber mit gezinkten Karten", sagt sie und drückt sich damit noch vorsichtig aus. "Bei den Arbeitszeugnissen wird sicherlich gerne etwas in Sachen Datum geändert, um etwa eine längere berufliche Durststrecke, eine Lücke im Lebenslauf zu kaschieren", erzählt die Juristin, die die Online-Beratung mein-arbeitszeugnis.com ins Leben gerufen hat.

Schwindler: Zwei Drittel aller Bewerber?

Dabei sagt das Strafgesetzbuch klipp und klar: "Wer zur Täuschung im Rechtsverkehr eine unechte Urkunde herstellt, eine echte Urkunde verfälscht oder eine unechte oder verfälschte Urkunde gebraucht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft." Schon der Versuch ist strafbar, in besonders schweren Fällen droht laut Gesetz gar eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

Doch der Fall Petra Hinz zeigt: Das Problem fängt nicht erst bei einer ausgewachsenen Urkundenfälschung an - manchmal genügt schon eine dezente Frisur am Lebenslauf, mit der man sich selbst in ein besseres Licht rücken möchte. "Es kommt sehr häufig vor, dass ein Lebenslauf geschönt wird", sagt Detektiv und Jurist Paul H. Malberg, Geschäftsführer der Detektei Proof Management. Nur ein Drittel aller Lebensläufe sei nicht manipuliert, schätzt der Wirtschaftsdetektiv. Im Umkehrschluss heißt das: Die Arbeitswelt besteht zum überwiegenden Teil aus Schummlern und Tricksern, quer durch alle Branchen, auch im Handwerk. Lebensläufe werden frisiert, Ausbildungszeugnisse gefälscht, Schul-, Studien- und Arbeitszeugnisse, ständig und überall.

Nur beweisen lässt sich das kaum. Verlässliche Zahlen gibt es nicht. In einer anonymen Umfrage von Proof Management gaben insgesamt 43 Prozent der Befragten zu, bei ihrer letzten Bewerbung nicht ganz ehrlich gewesen zu sein. Das war 2009. "Seither hat das Problem eher zu- als abgenommen", glaubt Malberg.

Bewerbungsbetrug: Nur 14 Prozent schauen genau hin

Viele Arbeitgeber ermutigen die Schwindler sogar noch - durch ihre Untätigkeit. In einer (nicht repräsentativen) Umfrage der Businessplattform Xing im Jahr 2012 gaben von den 86 befragten Personalverantwortlichen nur 14 Prozent an, alle eingehenden Bewerbungen auf Unstimmigkeiten zu überprüfen. Dabei sagten die meisten Personaler schon damals, dass Bewerbungsbetrug ihrer Einschätzung nach eher zunehme. Die meisten prüften trotzdem nur bei einem Anfangsverdacht, oder wenn eine Stelle mit hoher Verantwortung zu vergeben war.

Und selbst wenn ein Bewerber erwischt wird, muss er kaum Konsequenzen befürchten. Der Job sei zwar weg, doch viel mehr passiert nicht. "Anzeigen erstattet in der Regel keiner, das bindet zu viele Ressourcen und schadet dem Image", sagt Malberg. "In der Firma muss erst etwas passieren damit man genauer hinschaut", weiß er. Tatsächlich sagten in der Xing-Umfrage nur vier Prozent der Befragten, bei einem Bewerbungsbetrug Polizei oder Rechtsanwalt einzuschalten. Der Großteil belässt es dabei, den Bewerber diskret auszusortieren.

Bewerbungsbetrug: So können sich Betriebe schützen

Betriebe, die von Anfang an genauer hinschauen, handeln also nicht nur im Sinne des Allgemeinwohls. Sie reduzieren das Risiko, einem Betrüger aufzusitzen - und die möglichen Folgen tragen zu müssen. Zum Einen können falsche (und inkompetente) Gesellen bei der Arbeit großen Schaden anrichten. Zum Zweiten erspart sich der Betrieb einen Rechtsstreit, der bei Enttarnung des Gauners droht. Und zum Dritten droht auch ein Imageschaden. Denn wer etwa über längere Zeit einen Mitarbeiter beschäftigt, von dem sich später herausstellt, dass er nicht über notwendige Qualifikationen verfügte, könnte auch im Nachhinein noch Kundenvertrauen verlieren.

Aber wie komme ich Schummlern, Schwindlern und ausgewachsenen Betrügern auf die Schliche? "Man kann zum Beispiel eine Plausibilitätsprüfung vornehmen. Ob zum Beispiel die Angaben im Firmenbriefkopf mit den Gegebenheiten zum Zeitpunkt der Zeugniserstellung übereinstimmen", empfiehlt Kilian. "Auch ein Blick auf das Ausstellungsdatum könnte interessant sein. Es wäre nicht das erste gefälschte Dokument, dass an einem Sonntag unterschrieben worden wäre."

Beliebte Tricks seien auch, Tätigkeiten nur mit Jahres- und nicht mit Monatszahlen zu versehen, um Lücken zu kaschieren. Oder ein nicht paraphiertes Zwei-Seiten-Zeugnis durch eine mittlere Seite zu ergänzen. Auch ein uneinheitliches Schriftbild könnte darauf hindeuten, dass nachträglich Hand angelegt wurde.

So erkennen Sie falsche Lebensläufe und Zeugnisse

  • Lebenslauf mit Zeugnissen abgleichen (auf Daten und Zeiträume achten)
  • Um Referenzgeber bitten und diese auch kontaktieren (vorab aus Datenschutzgründen Einwilligung vom Bewerber einholen)
  • Angaben des Bewerbers im Vorstellungsgespräch prüfen - und bei Unstimmigkeiten ggf. um Aufklärung bitten
  • Originalzeugnisse vorlegen lassen und abgleichen
  • Infos des Bewerbers im Internet recherchieren
 

Klar sei in jedem Fall, so Kilian, dass man für die Fälschung eines Arbeitszeugnisses jede Menge kriminelle Energie benötige. Ob es in Zeiten des Internets und stets verfügbarer technischer Hilfsmittel einfacher geworden sei, ein Zeugnis zu manipulieren? "Ein ganz klares Ja."

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