Unternehmensführung -

Studie zum Migrationshintergrund bei der Jobvergabe Bewerbungen: "Häufig entscheidet das Bauchgefühl"

In Deutschland geborene Bewerber mit muslimischen Wurzeln werden laut einer Studie von Unternehmen benachteiligt. Die Diskriminierung in Kleinbetrieben ist jedoch geringer als gedacht, was einen einfachen Grund haben könnten, wie Wissenschaftlerin Ruta Yemane erklärt.

DHZ: Frau Yemane, Sie haben untersucht, ob in Deutschland geborene Bewerber mit Migrationshintergrund von Arbeitgebern diskriminiert werden. Was ist Ihr Ergebnis?

Yemane: Diskriminierung bei der Bewerberauswahl ist nicht von der Hand zu weisen. Wir haben für die Studie 6.000 Bewerbungen von fiktiven Personen versendet. Alle hatten die gleichen Qualifikationen, aber unterschiedliche Herkunft, Hautfarbe und Religion. Unsere Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Bewerber eindeutig benachteiligt werden.

D HZ: Wer ist besonders betroffen?

Yemane: Überdurchschnittlich oft werden Bewerber aus muslimischen Ländern und mit schwarzem Phänotyp diskriminiert. Diese Bewerber haben zum Teil bis zu 20 Prozent weniger positive Rückmeldungen von den Arbeitgebern bekommen als deutsche Bewerber. Die diskriminierten Personen haben ihre Wurzeln etwa in Albanien, Marokko oder dem Irak. Innerhalb dieser Gruppen gibt es jedoch keine Ausreißer.

DHZ: Worauf führen Sie die Diskriminierung dieser Bewerber zurück?

Yemane: Die Personaler bevorzugen Mitarbeiter, mit deren Kultur sie sich identifizieren können oder die ihnen nicht fremd erscheint. Je stärker sich das gesellschaftliche Normen- und Wertesystem vom eigenen abgrenzt, desto wahrscheinlicher wird ein Bewerber Opfer von Diskriminierung. Dabei spielen auch Klischees eine Rolle. Interessenten für eine Stelle werden vom Arbeitgeber pauschal einer bestimmten Wertegruppe zugeordnet, das Individuum tritt in den Hintergrund. Dabei müssen die Vorurteile des Personalers auf den einzelnen Bewerber gar nicht zutreffen.

DHZ: Diskriminiert jeder Arbeitgeber gleich?

Yemane: Frühere Studien haben gezeigt, dass in kleineren Betrieben stärker diskriminiert wird als in Großunternehmen. Das liegt eventuell daran, dass bei einem kleinen Betrieb häufig der Inhaber allein entscheidet, welcher Bewerber die Stelle bekommt. In vielen Fällen entscheiden die Sympathie und das Bauchgefühl über eine Anstellung. Größere Unternehmen mit einem Betriebsrat haben einen höheren Rechtfertigungsdruck und müssen die Kriterien ihrer Auswahl nachvollziehbar begründen können. Interessanterweise konnten wir diese Ergebnisse in unserer Studie aber nicht replizieren, bei uns ist das Ausmaß der Diskriminierung in kleinen Betrieben sogar geringer. Dies kann man vielleicht dadurch erklären, dass derzeit insbesondere kleine Betriebe starke Rekrutierungsprobleme haben.

DHZ: Wie verbreitet ist Diskriminierung im Handwerk?

Yemane: In unserem Feldversuch haben wir acht Berufe untersucht. Darunter auch den SHK-Anlagenmechaniker und den Mechatroniker. Es gibt aber keine besondere Auffälligkeit. In beiden Handwerksberufen liegt die Diskriminierungsquote etwa im Durchschnitt ­aller anderen untersuchten Branchen.

DHZ: Welche Konsequenzen sind aus Ihrer Sicht nötig?

Yemane: Uns geht es nicht darum, die Arbeitgeber an den Pranger zu stellen. Unsere Studien zeigen auch, dass Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt kein deutsches, sondern ein weltweites Problem ist. In manchen Ländern wie England und den USA sind die Werte deutlich höher. Dennoch sollten sich Arbeitgeber und Ausbilder besser schulen lassen, damit keine qualifizierten Bewerber auf der Strecke bleiben. Gerade die interkulturelle Kompetenz sollte an Bedeutung gewinnen.

Die vollständige Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung finden Sie hier zum Download.

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