Meinung -

Kommentar Bevor Fachkräfte Mangelware werden

Wirtschaft und Politik müssen ihre Hausaufgaben machen.

Neben den Krisen dieser Tage hat sich das Bundeskabinett kürzlich auch mit einem höchst wichtigen Sachthema befasst: der Fachkräftesicherung. Bereits 2011 hatte sie dazu ein Konzept verabschiedet. Seitdem gibt es dazu jährliche Fortschrittsberichte.

Der Bericht 2014 stellt eine leichte Entspannung fest. Denn Befragungen zeigen, dass etwas weniger mittelständische Unternehmen äußern, es sei für sie sehr oder eher schwer, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Bei einem Rückgang der Quote von 75 auf 71 Prozent binnen eines Jahres kann man allerdings noch nicht von Entspannung sprechen.

Kein flächendeckender Fachkräftemangel

Wie gravierend sich der Fachkräftemangel bereits auswirkt, zeigt eine andere Zahl: Elf Prozent der kleinen und mittleren Firmen beklagen erhebliche und weitere 42 Prozent geringfügige Umsatzeinbußen. Auch wenn noch kein flächendeckender Fachkräftemangel festzustellen ist, so treten Engpässe in Bezug auf bestimmte Qualifikationen, Regionen und Branchen auf.

Namhafte Teile des Handwerks gehören laut der Fachkräfteengpass-Analyse der Bundesagentur für Arbeit dazu. Dabei verzeichnet Deutschland aktuell Rekordwerte bei der Zahl der Erwerbstätigen. Eine Erklärung dafür liegt auch darin, dass seit einigen Jahren deutlich mehr Personen nach Deutschland kommen als fortziehen. Auf lange Sicht aber – das zeigt der Fortschrittsbericht – wird die Bevölkerung in Deutschland und vor allem die im erwerbsfähigen Alter schrumpfen.

Weichenstellungen müssen jetzt erfolgen

Das heißt aber nicht, dass man bis dahin die Hände in den Schoß legen kann. Weichenstellungen müssen bereits jetzt erfolgen. Die Bundesregierung zeigt auf, wo Potenziale liegen. Sie nennt die Erhöhung der Erwerbsquote von Frauen, die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von Frauen, die Erhöhung der Erwerbsquote der Älteren – was unvereinbar ist mit der "Rente mit 63" – und die Erhöhung der Erwerbsquote von Personen mit Migrationshintergrund. Sie weist auch darauf hin, dass die Auszubildenden von heute die Fachkräfte von morgen sind.

Deshalb muss es uns mit Sorge erfüllen, dass mittlerweile mehr junge Menschen ein Studium aufnehmen als eine Berufsausbildung. Daher müssen auch neue Zielgruppen als Lehrlinge in den Fokus genommen werden – aktuell beispielsweise junge Flüchtlinge. Dazu muss allerdings dann die Politik die erforderlichen Rahmenbedingungen hinsichtlich des Bleiberechts schaffen.

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