Mittelfranken -

Nachfolge geglückt Betriebsübergabe an die zehnte Generation

Die Nachfolge ist geklärt: In der Ammerndorfer Brauerei schwingen jetzt zwei Chefinnen das Zepter.

Die Übergabe eines Unternehmens an die nächste Generation ist kein einfacher Schritt. Doch wenn sich jemand damit auskennt, dann die Murmanns. Seit zehn Generationen sind sie Brauer. In Ammerndorf. Daher auch der Name ihres Bieres: Ammerndorfer. Aktuell schwingen zwei Braumeisterinnen als Doppelspitze das Zepter im Familienunternehmen. Christine Murmann und Claudia Behounek-Murmann. Der 97-jährige Opa Bernhard kommt nur noch selten vorbei. Vater Helmut hingegen schon häufiger. Für ihn war es 2013 schon die dritte Übergabe, die er mitgemacht hat. Erst vom Opa auf den Vater. Dann auf ihn. Jetzt auf seine beiden Töchter. Ein alter Hase also.

Richtig übergeben

Klaus Pfattheicher, Betriebsberater bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, kennt sich ebenfalls aus mit Unternehmensübergaben. Er rät seinen Kunden immer dazu, sich langfristig mit dem Thema auseinanderzusetzen, denn es müssen viele Fragen geklärt werden. Wie möchte ich den Betrieb übergeben: verkaufen, verpachten, schenken oder eine Beteiligung? Ist die Altersvorsorge gesichert? Welchen wirtschaftlichen Wert hat das Unternehmen? Und vor allem: Habe ich einen geeigneten Nachfolger?

Gut vorbereitet

Auch bei Murmanns wurden diese Fragen angesprochen. „Man redet natürlich in der Familie über das Thema“, sagt Helmut Murmann. „Ab dem 50. Lebensjahr macht man sich seine Gedanken.“ Dabei war den beiden Schwestern schon bald klar, dass sie in seine Fußstapfen treten möchten. Gemeinsam. „Wir sind ja schon als Kinder immer in der Brauerei gewesen“, erinnert sich Claudia Behounek-Murmann.

2010 legten sie sich dann fest: Ja, wir wollen übernehmen. Erst einmal haben die beiden daher Betriebswirtschaftslehre studiert. Christine mit dem Schwerpunkt „Personal und Marketing“. Claudia mit dem Schwerpunkt „Steuerlehre, Controlling und Unternehmensführung.“ Doch Vater Helmut wollte ganz sichergehen, bevor er den Betrieb guten Gewissens übergeben konnte: „Sie müssen sich ja auch fachlich auskennen“, meint er.

Also folgten zahlreiche Praktika und schließlich der Gang auf die Brau-Meisterschule nach München, auf der Claudia als Beste ihres Jahrgangs abschnitt. Ein Jahr arbeiteten die beiden im Unternehmen mit, um sich bewusst zu machen, ob sie das wollen – und schaffen. Am 1.1.2014 wurden dann die ersten Anteile übertragen. 2018 sollen weitere folgen. „Sowas muss man natürlich mit dem Steuerberater absprechen“, rät Helmut Murmann.

Damals – heute

Er hat mit seinem Vater damals noch einen Übergabevertrag geschlossen. „Da war alles bis auf den letzten Punkt geregelt. Das haben wir diesmal aber nicht gemacht.“ Eines aber ist gleichgeblieben: Die Übergabe verlief sehr harmonisch. „Ich habe das bei meinem Opa mitbekommen. Als mein Vater den Betrieb übernahm, war das nicht leicht. Man muss loslassen können“, sinniert der Senior. „Aber das geht nur, wenn man das Gefühl hat, dass die Nachfolger alles im Griff haben.“

Das haben seine Töchter zwar, allerdings sind sie gar nicht so unglücklich, dass der Papa noch regelmäßig in die Brauerei kommt. „Wir profitieren sehr von seiner Erfahrung und fachlichen Kompetenz.“ Beispielsweise beim Umbau des Gär- und Lagerkellers. „Mit diesen Sachen oder bei den Fragen mit dem Architekten kenne ich mich aus“, sagt Murmann zufrieden. Bei der neuen Sudhausanlage aber macht er deutlich: „Meine Töchter steuern die mit dem Smartphone. Das muss ich nicht mehr lernen, das sollen die ruhig selbst machen.“

Was die Übergabe außerdem erfolgreich macht? „Wichtige Entscheidungen treffen wir gemeinsam“, sagen sie. „Das gibt dann schon manchmal Diskussionen“, gibt der Senior zu. Wie bei der Anschaffung der Flascheninspektionsmaschine. „Aber dann habe ich mich eben überzeugen lassen.“ Nicht immer verlaufen diese Konflikte so positiv, weiß Klaus Pfattheicher. „Manchmal prallen die Vorstellungen aufeinander und man findet nicht mehr zusammen.“

Gemeinsame Entscheidungen

Für diesen Fall bietet die Betriebsberatung der Handwerkskammer dann auch Mediatorengespräche an. Bei Murmanns war das nicht nötig. Außerdem haben sie noch einen weiteren Aspekt beachtet, der Klaus Pfattheicher am Herzen liegt: „Halten Sie Ihren Betrieb modern. Auch, wenn sie wissen, dass sie vielleicht bald übergeben. Denn wenn der Nachfolger erst einmal ein paar hunderttausend Euro investieren muss, um up to date zu sein, kann die Belastung zu groß sein.

“ Das weiß auch Murmann: „Wir haben immer viel investiert, damit wir gut dastehen. Schon mein Vater sagte: Wer nicht baut, bald nicht mehr braut.“ Nach dem Umbau des Gär- und Lagerkellers und der Anschaffung der neuen Flascheninspektionsmaschine haben die beiden Juniorchefinnen übrigens schon weitere Pläne. Aber die verraten sie noch nicht. „Sie sind noch nicht ausgegoren“, winken sie ab. Eines aber ist sicher: Getroffen wird diese wichtige Entscheidung bei den Murmanns wie in den vergangenen Jahren: gemeinsam. Zu dritt.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten