Meinung -

Kommentar Betriebsspionage geht gar nicht

Die Spionageaffäre des US-Geheimdienstes beunruhigt deutsche Unternehmen. Wenn von den USA unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Terror Firmengeheimnisse entwendet werden, ist der Skandal umso größer.

Überall, wo hierzulande geforscht und entwickelt wird, besteht die Gefahr der Wirtschaftsspionage. Innovative Branchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau sind davon besonders betroffen. Und selbst Nischenhersteller im Handwerk kann das passieren.

Der deutsche Mittelstand leidet ja bereits seit vielen Jahren darunter, dass Chinesen und Russen auf dem deutschen Markt Informationen sammeln und unsere Produkte ungeniert plagiieren. Und nun also Amerika, das in den Daten deutscher Unternehmen herumstöbert. Der Schaden durch ausspioniertes Firmenwissen geht schon jetzt jedes Jahr in Deutschland in die Milliarden.

Burkhard Riering
© Zeichnung: Kasia Sander

Weckruf für alle

Es muss deshalb erstens konkret aufgeklärt werden, wofür die gesammelten Daten der Geheimdienste Amerikas und Großbritanniens verwendet werden. Welche Daten wurden gespeichert und wurden die Daten weitergereicht? Vielleicht ist es naiv, zu glauben, die Amerikaner würden bei der Aufklärung mitwirken. Aber die Bundesregierung sollte dies weiter einfordern. Deutschland war schließlich Hauptziel der US-Spione in Europa.

Zweitens muss ein Abkommen geschlossen werden, das es den Ländern verbietet, deutsche Firmen auszuspionieren. Das Recht auf geistiges Eigentum, auch der Patent- und Datenschutz, muss international gestärkt werden.

Drittens muss dies ein Weckruf sein für alle Betriebe und Unternehmen, die ihren Datenschutz allzu lax betreiben. Es scheint anderen leicht zu fallen, an die Daten zu kommen, die zum Beispiel über Internetdienste verschickt werden. Denken Sie daran: Ihre E-Mails, SMS und Telefonate sind womöglich im Besitz Dritter. Auch wenn Sie nichts zu verbergen haben, ist eine Überprüfung der Datensicherheit angezeigt.

Mehr als ein Bond-Film

Der ehemalige Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA, Edward Snowden, ist derweil weiter im Visier der Amerikaner. Er hat den Skandal aufgedeckt. Die Medien überbieten sich weltweit mit Spekulationen, was aus ihm wird. Die Öffentlichkeit liebt offenbar den Agententhriller hinter dieser Geschichte.

Doch viel wichtiger muss uns sein, was Snowden herausbekommen hat und was die Konsequenzen daraus sein werden: Amerikaner und Briten verwanzen ihre Freunde und spionieren sie aus. Das geht tatsächlich gar nicht.

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