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TV-Kritik über den Kampf von Unternehmen in der Corona-Krise Betriebsrente, Corona und Co.: "Plusminus" über aktuelle Probleme für Betriebe

Seit März hat die Corona-Krise die Weltwirtschaft fest im Griff. Lobenswert, dass manche TV-Formate die ganze Zeit über dran bleiben und Unternehmen auf ihrem Weg durch die Krise begleiten. Das ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus" hat nun gezeigt, wie Betriebe sich ganz langsam aus der Krise herausarbeiten – und in einem zweiten Beitrag über Betriebsrenten, welche neuen alten Probleme ganz abseits von Corona weiter aufs Gemüt der Wirtschaft drücken.

So verschieden kann Corona sein. Während die eine Firma unter der Krise ächzt, trifft sie die andere kaum - und manche liegen in der Mitte. Die Zahlen, die jüngst durch alle Medien gingen, ein Zehn-Prozent-Minus beim Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2020, sind schockierend, doch sie bilden natürlich nicht das individuelle Schicksal jedes einzelnen Unternehmens ab. Die Situation kann zwischen (fast) normal und existenzbedrohend schwanken. Das ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus" begleitet seit Beginn der Krise drei Unternehmen, die diese Unterschiede gut repräsentieren.

Voll getroffen, noch immer angeschlagen

Da ist beispielsweise eine Ergotherapie-Praxis, die auch nach bald fünf Monaten Krise noch immer etwa 25 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnet. Von einem Existenzkamp ist die Rede, der Firmeninhaber sagt: "Ohne die staatlichen Hilfen wäre ich nicht durch diese Krise gekommen." Dramatisch sei der Umsatz seit Februar/März eingebrochen, weil die Patienten aus Angst vor Ansteckung nicht mehr kamen. "So langsam sind wir jetzt wieder dabei, uns zu fangen und es geht schrittweise nach oben", sagt der Praxischef, allerdings fehlten noch immer etwa 25 Prozent der früheren Umsätze - Kündigungen nicht ausgeschlossen.

Getroffen, auf dem Weg aus der Krise

Bei Glasbau Hahn in Frankfurt am Main waren plötzlich die weltweiten Montagen von Vitrinen nicht mehr möglich, es gab sogar eine Quarantäne für vier Mitarbeiter - da sah die Zukunft düster aus. Mitinhaberin Isabel Hahn skizziert den Verlauf der Krise. Nach gutem Start Anfang des Jahrs habe es einen "leichten Einbruch" durch Corona gegeben, seit Juni gehe es wieder leicht nach oben. Wenn Hahn bei einem Großauftrag den Zuschlag bekomme, dann gehe der Verlauf wieder steil nach oben. Die Aussichten sind also nicht schlecht, wobei der Umbau eines neuen Gebäudes für die Verwaltung auf der Kostenseite Druck macht. Ein Hilfskredit der KfW, der kürzlich ausgezahlt wurde, dürfte dabei aber helfen. "So kann ich wieder ein paar ruhigere Nächte verbringen", formuliert es Mitinhaberin Hahn.

Kaum getroffen, guter Hoffnung

Der Frankfurter Industriventile-Hersteller Samson hat weder Kurzarbeit beantragt noch Hilfskredite. Das Unternehmen ist trotz Corona gut im Geschäft, kam bisher, wie es im Beitrag hieß, "mit Schrammen davon." Unternehmenschef Andreas Widl spricht durchaus von einer gewissen Corona-Betroffenheit, ist aber guter Dinge, dass es über den Sommer wieder läuft wie zuvor. Dennoch: Es wird gespart. Messebudgets halbiert, Dienstreisen gekappt, Einstellungsstopp - das Unternehmen mit etwa 4.000 Mitarbeitern hat reagiert, und darunter leiden natürlich wiederum Dienstleister, etwa rund um den Messe-Bereich. Doch es ging nicht anders, zu groß war die Unsicherheit auch bei einem Unternehmen, das selbst nicht hart von der Krise getroffen wurde.

Probleme quer durch alle Branchen

"Plusminus" liefert mit der Begleitung der drei Unternehmen seit März realistische, weil weder von Panik bestimmte noch zu rosarot gezeichnete Ansichten aus dem deutschen Mittelstand. Das ist verdienstvoller Journalismus, der sich um Realitäten kümmert, sie neutral beschreibt und Probleme sowie Lösungsmöglichkeiten aufzeigt, ohne abgehobene Ratschläge zu erteilen. Die Einsicht in diesem Fall: Gerade die Tatsache, dass irgendwie dann doch alle durch die Corona-Krise getroffen sind, zeigt, dass die aktuelle Krise den umfassendsten, weil nahezu alle Bereiche betreffenden Wirtschaftsabschwung der deutschen Geschichte darstellen dürfte - und verschiedene Branchen und Geschäftsmodelle ganz unterschiedlich durch die Krise kommen. Indes kommt dieser Abschwung zu allem Übel auch keineswegs in einer Zeit, da sonst alles wie am Schnürchen laufen würde.

Es lauern auch alte Probleme

Denn die "Plusminus"-Macher zeigten in derselben Ausgabe in einem weiteren Beitrag, dass Altlasten, die auf den Unternehmen liegen, keineswegs vom Tisch sind, nur weil gerade eine noch größere Krise tobt. Beim Thema Betriebsrenten nämlich hatte schon in den Jahren zuvor die Niedrigzinspolitik der EZB dazu geführt, dass so manche Pensionskasse in Schwierigkeiten geriet. Erste Kassen kürzen bereits die Rentenzusagen oder sogar die bereits laufenden Auszahlungen. Mit einem Beispiel der Pensionskasse der Caritas, die einem selbstständigen Psychotherapeuten die laufende Rente um gleich ein Drittel kürzt, hatten sich die ARD-Journalisten zwar ein drastisches Beispiel herausgesucht. Doch dass die Betriebsrenten, dieser wichtige Altersvorsorge-Baustein, der oft aus einer auskömmlichen eine gute Rente macht und ein sorgenfreies Leben im Alter ermöglicht, ähnlich sicher sind wie die gesetzliche Rente, das gilt schon lange nicht mehr.

Jedenfalls stehen 36 von 135 Pensionskassen in Deutschland laut Zahlen der Finanzaufsicht BaFin unter sogenannter verschärfter Beobachtung, wie "Plusminus" zeigte - weil sinkende Zinsen und steigende Lebenserwartung ihre Spuren hinterlassen. Die Kassen wehren sich mit der Senkung des Rentenfaktors oder anderen Maßnahmen - oft zum Nachteil der Versicherten, die weniger Geld erhalten. Aber auch die Kassen tragenden Unternehmen sind oft betroffen. Gerät eine Pensionskasse in finanzielle Probleme, müssen die Trägerunternehmen Geld zuschießen, um das Rentenniveau zu erhalten. Geht das nicht, werden die Renten gekürzt. Corona und die Rezession, heißt es von der BaFin, würden die bestehenden Probleme noch verschärfen.

Weil es sich bei der Niedrigzinsphase um ein noch länger anhaltendes Phänomen handeln dürfte, reagieren manche Unternehmen bereits mit neuen Modellen, natürlich mit niedrigeren garantierten Steigerungen. Beim Unternehmen Heidelberger Druck etwa wird so verfahren, und sogar die IG Metall unterstützt dies, um das Betriebsrentensystem überhaupt zu bewahren. Keine guten Aussichten also für das typisch deutsche Modell der Betriebsrente, zumal auch die gesetzliche Rente künftig nicht üppiger ausfallen dürfte. Und auch kleinere Betriebe kann die Betriebsrente ihrer Mitarbeiter in Probleme bringen, denn auch hier werden etwa im Wege der Direktversicherung Versorgungszusagen gegeben, die bei Problemen des Versicherers auch zulasten des Unternehmens gehen können. Der Unternehmer haftet dann unter Umständen für die Ausfälle durch die Kasse, und das kann teuer werden. So mancher Firmeninhaber dürfte sich das mit der Betriebsrente künftig aufgrund möglicher finanzieller Spätfolgen also genauer überlegen. Fazit einer ernüchternden "Plusminus"-Sendung: Corona ist noch lange nicht vorbei, und auch danach dürfte nicht direkt wieder alles eitel Sonnenschein sein.

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