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Betriebsprüfung: Schätzung des Finanzamts kann teuer werden

Stößt ein Prüfer des Finanzamts bei einer Umsatzsteuer- oder Betriebsprüfungen auf Ungereimtheiten in der Buchführung, kann das zu erheblichen Steuernachzahlungen führen. Doch darf das Finanzamt die Zuschätzungen zum Gewinn und Umsatz auch für die Vorjahre unterstellen und festsetzen? Die Antwort lautet leider "ja".

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Betriebsprüfung

Bei Buchführungsmängeln und weiteren Indizien für nicht aufgezeichnete Einnahmen erhöht der Prüfer des Finanzamts die Umsätze im Schätzungsweg. Zudem erhöht er auch den zu versteuernden Gewinn für die betreffenden Jahre. Liegt eine Steuerhinterziehung auf der Hand, darf der Prüfer die Zuschätzungen nicht für den Prüfungszeitraum vornehmen, den er in seiner Prüfungsanordnung festgelegt hat. Er darf die Zuschätzungen vielmehr auch für die zurückliegenden zehn Jahre berücksichtigen.

Imbissbudenbetreiber im Visier der Finanzämter

Die für den Prüfungszeitraum ermittelten Zuschätzungen dürfen dabei auch für die Vergangenheit zugrunde gelegt werden (FG Hamburg, Urteil v. 23.2.2016, Az. 2 K 31/15; Nichtzulassungsbeschwerde beim BFH, Az. X B 32/16).

Dieses Urteil, das zu einem Unternehmer ergangen ist, der einen Imbisswagen betrieb, dürfte das Finanzamt in den Finanzämtern dazu führen, dass verstärkt Unternehmer geprüft werden, die beispielsweise Fleischprodukte oder Backwaren aus einem Imbissstand heraus verkaufen.

Steuertipp: Sollte das Finanzamt Zuschätzungen aufgrund eines Buchführungsmangels auch für die Vergangenheit durchführen und Sie haben steuerlich nichts Unrechtes getan, sollten Sie sich mit einem Einspruch wehren. Denn das letzte Wort in diesem Fall hat nun der Bundesfinanzhof. Die Richter müssen vor allem folgende Fragen klären:

  • Ist die Zuschätzung zu mindern, wenn der Unternehmer angibt, dass er niedrigere „Kampfpreise“ verlangt hat, um seine Kunden von anderen Konkurrenten fern zu halten?
  • Muss das Finanzamt berücksichtigen, dass der Unternehmer in den Vorjahren viele Waren zur Verkostung umsonst abgeben hat und deshalb trotz eines höheren Wareneinsatzes keine höheren Umsätze erzielt hat?
Weitere Steuertipps finden Sie im DHZ-Steuerarchiv. 
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