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Diese Prüffelder sollten Sie kennen Betriebsprüfung: Wo das Finanzamt genau hinschaut

Betriebsprüfungen sind für Unternehmer nie angenehm. Doch wer weiß, worauf die Prüfer schauen, kann sich entsprechend verhalten und Steuernachzahlungen minimieren.

Nach "getaner Arbeit" ziehen Inhaber von Handwerksbetrieben meist lange Gesichter. Mit "getaner Arbeit" ist die Beendigung einer Betriebs- oder Umsatzsteuerprüfung durch das Finanzamt gemeint und dessen Vorgehensweise ist für Unternehmer oft nicht nachvollziehbar. Doch wer weiß, worauf die Prüfer schauen, kann sich entsprechend verhalten und Steuernachzahlungen minimieren. Hier einige Prüfungsfelder, die Handwerker kennen sollten.

Luxus-Auto im Fuhrpark tabu

Fährt der Inhaber eines Handwerksbetriebs Porsche, sind Kürzungen beim Betriebsausgabenabzug vorprogrammiert. Hier wird unterstellt, dass der Kauf dieser Luxuskarosse eher private Beweggründe hat. Der Handwerker kann jedoch darauf pochen, dass die Pkw-Kosten für ein vergleichbares Fahrzeug der gehobenen Klasse abgezogen werden dürfen (BFH, Az.: VIII R 20/12).

Vorsteuerabzug: Eingangsrechnung im Visier

Besonderes Augenmerk wird der Prüfer Eingangsrechnungen schenken. Fehlen bestimmte Rechnungsinhalte, kippt der Vorsteuerabzug. Besonders beliebt bei Prüfern: Ist die Leistungsbeschreibung in einer Rechnung so schwammig formuliert, dass ein Außenstehender nicht weiß, worüber eigentlich abgerechnet wird, kippt der Vorsteuerabzug.

Hier können Sie mit dem "Vier-Augen-Prinzip" gegensteuern, indem Eingangsrechnungen immer von zwei Mitarbeitern auf die Vorgaben für den Vorsteuerabzug abgeklopft werden.

Kassenführung: "Zapper" verhängnisvoll

Erfährt das Finanzamt durch Kontrollmaterial, dass ein Handwerker mit elektronischer Registrierkasse sich einen so genannten "Zapper" gekauft hat, sind Zuschätzungen zum Gewinn und Umsatz programmiert. Denn solche Zapper sind Software-Programme auf einem USB-Stick, mit denen Kassenaufzeichnungen nachträglich manipuliert werden können.

Besonders ­ver­hängnisvoll ist der Kauf eines Zappers, wenn für den Kauf keine ­Betriebsausgabe verbucht wird. Manchmal ist der Kauf eines Zappers aber auch ­legal und geeignet, um ein neues Kassensystem einzu­führen. Der Kauf ist dann aber offi­ziell über die Buchhaltung abzu­wickeln und der Steuerberater sollte schriftlich ausführen, wozu diese Software benötigt wurde.

Suche nach frisiertem ­Fahrtenbuch

Typische Vorbereitung auf den Besuch des Prüfers ist das Nachschreiben unvollständiger Fahrtenbücher. Der Prüfer des Finanzamts überprüft bei besonders sauberen und ordentlichen Fahrtenbüchern oftmals, in welchem Jahr dieses Papier-Fahrtenbuch vom Händler gedruckt wurde. Das ist an den verschiedenen Deckblättern des Fahrtenbuchs erkennbar.

Blöd, wenn ein Fahrtenbuch aus dem Prüfungsjahr in einem Layout geschrieben wird, das erst seit 2013 im Handel ist. Besser also das vorhandene Fahrtenbuch nutzen und hoffen, dass es den strengen Blicken des Prüfers trotz kleinerer Mängel standhält.

Häufige Kommafehler verdächtig

Bei der Verbuchung von Betriebsausgaben kann es schon mal passieren, dass man versehentlich um eine Kommastelle verrutscht. Stellt der Prüfer allerdings fest, dass in jedem Prüfungsjahr mehrere solcher Rechnungen falsch verbucht wurden, drohen Steuernachzahlungen und ein Steuerstrafverfahren (zum Beispiel Rechnung vom Subunternehmer über 671,00 Euro wird mit 6.710 Euro als Betriebsausgabe verbucht).

Kontrollmaterial von Kunden

Die Steueranrechnung für Handwerkerleistungen von 20 Prozent der Handwerkerleistung, maximal 1.200 Euro im Jahr, füllen zwar jedes Jahr die Auftragsbücher, diese Vergünstigung für Kunden hat aber auch eine Kehrseite. Denn reichen die Kunden die Rechnungen beim Finanzamt mit ihrer Steuererklärung ein, werden diese zu Kontrollzwecken postwendend an das zuständige Finanzamt des Handwerkers geschickt. Fehlt die Aufzeichnung von Betriebsausgaben aus solchen Geschäften, drohen wiederum hohe Zuschätzungen bei Gewinn und Umsatz.

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