Betriebsübergabe und Nachfolge -

Übergabe richtig planen Betriebsnachfolge professionell vorbereiten

Steht ein geeigneter Nachfolger für den Betrieb fest, ist die Übergabe noch lange nicht in trockenen Tüchern. Wie Vertragspartner die bekanntesten Hürden meistern.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Betriebsübergabe und Nachfolge

Malermeister Andreas Müller hat es sich richtig schön ausgemalt: Zum 1. Januar 2016 übergibt er den Betrieb, die Maler Müller GmbH, an einen jungen Meister. Herr Müller und sein designierter Nachfolger sind sich schnell sympathisch und verständigen sich rasch auf die Übergabe des Betriebes. Auch über den Preis sind sie sich sehr schnell einig. Schon frühzeitig hatte die Hausbank signalisiert, dass sie gerne die Übernahme finanzieren würde.

Schlechte Vorbereitung

Beide Handwerksmeister haben aber bei ihrer Absprache völlig außer Acht gelassen, dass eine Betriebsnachfolge ein sehr komplexer Bereich ist, von dem sie zudem wenig Ahnung haben. Bei den Gesprächen mit ihren Steuerberatern mussten sie erfahren, dass sie bei ihrer Einigung viele wichtige Punkte nicht berücksichtigt hatten und dass sie sich noch über zahlreiche Details verständigen müssten. Auch die Bank konnte keine Kreditanträge stellen, weil konkrete Angaben fehlten.

Bei einer Betriebsnachfolge geht es um viele steuerliche und rechtliche Aspekte. Meistens geht es um sehr viel Geld und vor allem geht es auch um die Zukunft des Nachfolgers. Der Traum von Meister Müller ist vorerst geplatzt. Der Termin für die Übergabe des Betriebes ist in weite Ferne gerückt und das Verhältnis zu seinem potenziellen Nachfolger hat sich merklich abgekühlt.

So wie es Malermeister Müller und seinem Nachfolger passiert ist, geschieht es immer wieder. Die Folgen: Die geplanten Übergabetermine können nicht eingehalten werden. Mitarbeiter und Kunden werden verunsichert. Übergeber und Übernehmer werden frustriert und verlieren die Lust an dem Vorhaben. Häufig scheitert die Nachfolge dann auch noch völlig.

Übergabe – das ist wichtig

Wer solche Störungen vermeiden möchte, muss bei der Planung der Nachfolge stringent vorgehen und schon frühzeitig alle wichtigen Aspekte mit einbeziehen. Dazu gehören vor allem:

  • Die genaue Definition des Kaufgegenstandes: Kaufgegenstand kann nie ein Betrieb sein. Herr Müller kann entweder Gesellschaftsanteile (Share Deal) verkaufen oder einzelne Wirtschaftsgüter (Asset Deal). Beide Varianten haben sehr unterschiedliche Folgen im Hinblick auf Steuern, Preis, Haftung, Datenschutz, Vertragsgestaltung. Deshalb sollte von vornherein klar sein, welche Form der Übernahme beabsichtigt wird. Wenn Vertragspartner sich auf den Verkauf einzelner Wirtschaftsgüter verständigen, dann muss definiert werden, welche Wirtschaftsgüter verkauft werden. Dafür ist eine Einzelauflistung wichtig. Denn nur die Wirtschaftsgüter, die auf der Liste enthalten sind, gehen an den Nachfolger über. Da der Erwerber von dem Kaufpreis wieder die Abschreibungen vornimmt, müssen die einzelnen Wirtschaftsgüter jeweils mit einem Preis versehen sein.
  • Ein plausibler Kaufpreis: Nur wenn bekannt ist, was verkauft wird, kann beurteilt werden, ob der Kaufpreis angemessen oder überhöht oder gar zu günstig ist. Sollte der Kaufpreis überhöht sein, werden sich Kreditinstitute und vor allem auch Förderinstitute weigern, den Kaufpreis zu finanzieren. Folglich müssen die Beteiligten belegen können, dass der Kaufpreis angemessen oder günstig ist. Dazu sind aber die genaue Bezeichnung und die Auflistung erforderlich.
  • Eine sorgfältige Berechnung des Kapitalbedarfs durch den Nachfolger: Die finanzierende Bank muss wissen, wie viel Geld der Übernehmer benötigt, damit er den Betrieb fortführen kann. Der Kaufpreis ist in aller Regel nur ein Teil des gesamten Kapitalbedarfs. Ersatz- und Neuinvestitionen, Nebenkosten und auch sogenannte Betriebsmittel zur Vorfinanzierung von Aufträgen kommen dazu. Somit ist der gesamte Kapitalbedarf wesentlich höher als der Kaufpreis.
  • Ein fundierter Geschäftsplan: Bei fast jeder Betriebsnachfolge stehen Veränderungen an. In Betrieben, die stark vom bisherigen Inhaber geprägt sind, ist eine Neuausrichtung in der Unternehmensführung notwendig. Meist ändert sich die Zielgruppe, ändert sich das Produkt- und Leistungsprogramm, werden organisatorische Veränderungen durchgeführt. Der Nachfolger muss erläutern, wie er künftig im Wettbewerb bestehen möchte. Dazu ist ein fundierter Geschäftsplan notwendig.
  • Planzahlen: Die geplanten Veränderungen wirken sich in Zahlen aus. Die Planung der Umsätze und Gewinne ist für die unmittelbar Beteiligten eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Vor allem der Nachfolger muss anhand der geplanten Gewinne beurteilen, ob die Übernahme für ihn lukrativ ist. Mit einem Liquiditätsplan muss er belegen, dass er auch in der Lage sein wird, Zins und Tilgung zu bezahlen.
  • Eindeutige Regelungen zur Nachfolge: Häufig werden bei einer Betriebsübernahme über die Vereinbarung des Kaufpreises hinaus zahlreiche weitere Vereinbarungen getroffen, beispielsweise über die Vermietung der Betriebsräume, die Übernahme des Firmennamens, die Weiterbeschäftigung des Betriebsinhabers, Garantien des Verkäufers, die Bezahlung des Kaufpreises, die Übernahme von Haftungsverpflichtungen, Weitergabe von Kundendaten. Häufig werden diese Themen zwar in den Verhandlungen besprochen, aber nicht in den Verträgen formuliert. Für die Beurteilung des Vorhabens und für das spätere Miteinander ist es aber außerordentlich wichtig, von Anfang an Klarheit zu schaffen. Deshalb müssen diese Vereinbarungen auch schriftlich formuliert werden. Zielführend ist es, wenn schon frühzeitig Vertragsentwürfe ausgearbeitet werden.
  • Ein schlüssiger Zeitplan: Ohne frühzeitige Beratung geht es nicht. Steuerberater, Rechtsanwälte und Unternehmensberater müssen auch bei Kleinbetrieben zusammenspielen, damit eine Lösung gefunden wird, die allen Seiten gerecht wird. Auch die Aufbereitung der Unterlagen und die notwendigen Recherchen erfordern meist viel mehr Zeit, als sich die Beteiligten gedacht hatten.

Fazit

Professionalität ist gefragt, damit das Vorhaben zügig vorangetrieben und die einzelnen Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, die bis zum Übergabestichtag erledigt sein müssen.

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