Schwaben -

Offenheit, Beratung und Planung Betriebsnachfolge in der Familie

Wenn die Nachfolge in Unternehmen innerhalb der Familie geregelt wird, dann hat das eine ganz besondere Dimension“, weiß Markus Prophet, der als Experte der Handwerkskammer für Schwaben (HWK) Betriebe berät.

Denn neben den harten Fakten rund um die Unternehmensbewertung, Steuerfragen und Übergabemodalitäten, spielen hier Emotionen, Traditionen, persönliche Empfindungen und die individuelle Familienstruktur eine gewichtige Rolle. Wolfgang (67) und Lukas (26) Binder aus Gersthofen kennen sich in diesen Themen gut aus.

Denn Vater und Sohn Binder haben den Übergabeprozess fast hinter sich. Zum 1. März 2019 ist der Junior der neue Firmenchef. „Wir haben uns innerhalb der Familie gut abgestimmt, denn ich habe noch drei Geschwister. Hinzu kommt, dass wir mit 18 Mitarbeitern auch dafür sorgen mussten, dass innerhalb des Teams eine gute Akzeptanz für den Übergang geschaffen wurde.“

Deshalb haben sich die Binders frühzeitig mit der Unternehmensnachfolge beschäftigt und Lukas Binder hat sich akribisch auf seine künftigen Aufgaben vorbereitet. „Ich halte es für unverzichtbar, dass ich als verantwortlicher Unternehmer auch über die erforderlichen Kompetenzen verfüge. Deshalb habe ich nach meiner Gesellenprüfung noch drei Jahre Erfahrungen gesammelt, die Meisterprüfung absolviert und anschließend noch den Betriebswirt (HwO) draufgesattelt“, erläutert er seine Vorbereitung.

Für Vater Binder ist dies ein guter Weg gewesen, denn so weiß er, dass sein Lebenswerk, die Firma besteht seit fast 40 Jahren, auch kompetent weitergeführt werden kann. Wolfgang Binder: „Wir haben uns für die Übergabe genügend Zeit genommen und auf die Beratung der Handwerkskammer gesetzt. Damit sind wir gut gefahren und ich bin froh, dass ich jetzt endlich kürzertreten kann.“

Thema ist hochaktuell

Dass die Regelung der Unternehmensnachfolge enorm wichtig ist, zeigen die Zahlen. 29.000 Handwerksbetriebe sind bei der Handwerkskammer für Schwaben (HWK) eingetragen. 4.500 dieser Firmen haben einen Inhaber, der älter ist als 60 Jahre. Für diese Unternehmer ist es an der Zeit, sich über die Nachfolge Gedanken zu machen und sie auch zu regeln.

Hans-Peter Rauch, Präsident der HWK Schwaben, zeigt die volkswirtschaftliche Bedeutung der Weiterführung solcher Betriebe auf: „Das Handwerk sichert Arbeits- und Ausbildungsplätze und ist ein wichtiger Faktor für die Versorgung in der Region. Diese Firmen erbringen Leistungen, die wesentlich zur Stabilität der Gesamtwirtschaft beitragen. Immerhin sind in diesen Firmen rund 30.000 Mitarbeiter beschäftigt.“ Die HWK ist für die Unternehmen der neutrale und kompetente Berater bei Betriebsübergaben. Gemeinsam wird ein Übergabekonzept entwickelt, bei dessen Umsetzung die passenden Experten eingebunden werden.

Mit den richtigen Experten arbeiten

Um die Unternehmensnachfolge auf ein stabiles Fundament zu stellen, sind verlässliche Partner unabdingbar. Der betriebswirtschaftliche Beratungsservice der HWK ist hier für die Handwerksfirmen der erste Ansprechpartner. Im Zuge einer Individualberatung wird ein Fahrplan für die Betriebsübergabe erarbeitet. Dabei werden unter anderem die wirtschaftliche Situation des Unternehmens analysiert, Maschinen und Einrichtungen bewertet, der Unternehmenspreis ermittelt und handwerksrechtliche Fragen geklärt. Zusammen mit einem Netzwerk von Spezialisten bei Banken und Steuerberatern können so optimale Lösungen für beide Parteien, den bisheriger Chef und den Nachfolger, erarbeitet werden.

„Dieses Zusammenspiel von Fachleuten, die fit in ihren Bereichen sind, ist elementar für das gute Gelingen einer Übernahme“, betont Rauch. „Die Experten der HWK sind zur Neutralität verpflichtet. Die Kammer zieht keinen Vorteil daraus, mit welcher Bank, mit welchem Steuerberater oder mit welchem Juristen gearbeitet wird. Unser Fokus liegt darauf, unsere Mitgliedsbetriebe optimal zu bedienen und erfolgreiche Unternehmen in die Zukunft zu führen.

Das ist im Interesse der Mitarbeiter in diesen Betrieben und der Gesamtwirtschaft.“ Finanzierung, steuerliche Aspekte, wo fällt für wen welche Steuer an, wie steht es um die eigene Altersversorgung, welche Rechtsform wird gewählt, wie können Mitarbeiter am besten in die Übergabe eingebunden werden oder gibt es für den Übernehmer eventuell auch Förderungen; das alles sind Themen, die genauestens bearbeitet werden müssen.

Zeitplan ist wichtig

Um wirklich alle Möglichkeiten auszuschöpfen, braucht es genügend Zeit für die Vorbereitung und Abwicklung sowie zuvor eine gute Planung und Beratung. Von der ersten Überlegung bis zur konkreten Übergabe rechnet die HWK mit plus/minus drei Jahren. „Entscheidend ist natürlich, dass ein Nachfolger da ist. Das kann innerhalb der Familie sein, aber auch unter den Mitarbeitern sind oft fähige junge Meister interessiert.

Eine weitere Möglichkeit ist auch die Betriebsbörse der HWK Schwaben. Hier sind Firmen, die einen Nachfolger suchen, eingetragen und wir stellen den Kontakt her“, erklärt Rauch. Die Umsetzung des Konzepts dauert dann erfahrungsgemäß ein Jahr. „Wichtig ist natürlich, dass alle Beteiligten auch wirklich wissen, was sie wollen. Die Unternehmensnachfolge ist mit vielen Emotionen verbunden und auch diesen persönlichen Aspekten muss Rechnung getragen werden.“ Das ist für Rauch auch eine Grundvoraussetzung für ein gutes und dauerhaftes Gelingen.

Weitere Informationen zur Unternehmensnachfolge im Internet: hwk-schwaben.de/nachfolge

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