Betriebsübergabe und Nachfolge -

Wenn die nächste Generation am Zug ist Betriebsnachfolge: Die Übergabe richtig planen

Auch wenn der Betrieb gut läuft - haben selbstständige Handwerker das Rentenalter erreicht, steht meist die Betriebsübergabe an. Doch wo sollte man bei der Nachfolgeplanung anfangen? Und vor allem wie?

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Betriebsübergabe und Nachfolge

Wenn die Zeit für die Übergabe des eigenen Betriebs an einen Nachfolger gekommen ist, gibt es unterschiedliches zu beachten. Zu den Fragen, die sich stellen, gehören unter anderem die nach den bestehenden Verträgen, die zu den Mitarbeitern und auch die nach der Sicherung des Standorts des Betriebs. Allgemein gesprochen: eine so wichtige Entscheidung wie eine Betriebsübergabe sollte sorgfältig und mit großem Vorlauf geplant werden.

"Wenn der Beschluss feststeht, den Betrieb an einen Nachfolger abzugeben, sollte auch überlegt werden, wann und wie die bevorstehende Übergabe kommuniziert werden soll", sagt Franz Falk, betriebswirtschaftlicher Berater von der Handwerkskammer Region Stuttgart. Dabei gebe es keinen idealen Zeitpunkt. Informiert man Kunden zu früh, könne es sein, dass diese ihre Aufträge zurücknehmen. Bei Mitarbeitern bestehe die Gefahr, dass sie das Unternehmen im Vorfeld der Übergabe verlassen.

Die Übergabe genau planen

Die meisten Menschen übergeben, wenn überhaupt, nur einmal im Leben ein Unternehmen. Die Wenigsten haben daher Erfahrungen mit den Anforderungen und den oft widersprüchlichen Gefühlen, die damit einhergehen. Dabei spielen emotionale Aspekte eine große Rolle, denn sowohl der Übergeber als auch der Nachfolger betreten in den meisten Fällen Neuland. Besonders wenn der Übergebende danach aus dem Berufsleben ausscheidet, muss er sich auch auf das Loslassen einstellen.

Zugleich steht er einer großen Herausforderung gegenüber. Er muss sich im Klaren darüber sein, dass jede Übergabe mit erheblichen finanziellen Risiken verbunden sein kann, und dass der Nachfolger alle Haftungen tragen wird – unabhängig der Rechtsform.

Auch ganz allgemein sollte der Übergebende sich genau überlegen, was er überhaupt übergeben will. Das gesamte Unternehmen oder nur einen Teilbereich? Gesellschaftsanteile oder einzelne Wirtschaftsgüter? Soll auch die Immobilie mitverkauft werden? Will er künftig beim Nachfolger noch mitarbeiten? "Diese Fragen sollten gerade vor dem Hintergrund der eigenen Altersversorgung gestellt werden", so Franz Falk.

Darüber hinaus stelle sich oft auch eine ganz banale Frage, so Falk: Ist der Vermieter der Betriebsräume einverstanden? "Es kann sein, dass er die Immobilie künftig anderweitig vermieten will. Dann können die Überlegungen zur Betriebsnachfolge Makulatur sein".

Die positiven Aspekte nicht übersehen

Trotz aller Risiken überwiegen aber meistens die positiven Aspekte. Oft wird das Lebenswerk des Vorgängers fortgeführt, die Mitarbeiter haben auch weiterhin einen Arbeitsplatz und ein kompletter oder nur teilweiser Verkauf des Unternehmens kann den ehemaligen Chef im Alter finanziell absichern. Auch der Nachfolger kann, wenn alles richtig angepackt wurde, einen gesunden und gut laufenden Betrieb weiterführen und seine Kompetenzen ausbauen.

In einer Broschüre unter dem Titel "Vom Loslassen und Anpacken" hat die Handwerkskammer Region Stuttgart einige Ratschläge zusammengefasst:

  • Wenn Sie planen, Ihren Betrieb langfristig an Ihre Kinder zu übergeben, dann lassen Sie sie immer spüren, dass Sie ihnen Vertrauen schenken und an ihren Erfolg glauben. Auch dann, wenn Sie es selbst anders machen würden.
  • Für den Nachfolger ändert sich in manchen Fällen nicht nur der Arbeitsplatz, sondern auch das Aufgabenfeld. Er sollte daher gut auf die neuen Führungsaufgaben vorbereitet werden.
  • Man sollte unbedingt auch an einen Notfallplan denken. Eine Generalvollmacht stellt sicher, dass der Partner auch im Falle eines Notfalls handlungsfähig ist.
  • Mitarbeiter sollten im jedem Falle auch in den Übergabeprozess miteinbezogen werden. Er geht nicht nur den Übergeber und den Übernehmer etwas an.
  • Die Betriebsübergabe ist kein kurzer Vorgang, sondern ein Prozess, der Zeit braucht. Mindestens fünf Jahre sollte man für die Suche nach einem geeigneten Nachfolger investieren und mit diesem gemeinsam die Übergabe planen.

Weitere Informationen, Checklisten und Werkzeuge zum Thema finden Sie unter anderem auf den Seiten der Handwerkskammer Region Stuttgart und auf der Seite der "nexxt Unternehmensbörse" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

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