Digitalisierung -

Studien von ifh und Deutsche Telekom Handwerksbtriebe packen Digitalisierung an

Das Handwerk stellt sich neu auf und digitalisiert seine Betriebsprozesse. Zu dieser Erkenntnis kommen zwei neue Studien, die speziell die Digitalisierung im Handwerk untersucht haben. Allerdings unterscheidet sich das Tempo der Betriebe deutlich.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Digitalisierung

Die große Mehrheit der Handwerksunternehmen verspürt einen zunehmenden Druck ihre Prozesse zu digitalisieren. Sie haben erkannt, dass sie ihre Stellung am Markt langfristig nur mit veränderten Strukturen halten können. Dabei zeigt sich, dass Betriebsgröße, Umsatz und Branchenzugehörigkeit die Geschwindigkeit und den Grad der Digitalisierung beeinflussen. Auch das persönliche Interesse des Betriebsinhabers oder Geschäftsführers für digitale Themen spielt eine Rolle. Während manches Unternehmen sich noch mit dem Aufbau der eigenen Webseite auseinandersetzt, widmen sich die Vorreiter im Handwerk schon Themen wie der additiven Fertigung, besser bekannt als 3D-Druck. Das sind die Ergebnisse zwei aktueller Studien, die den Stand der Digitalisierung im Handwerk untersucht haben.

Digitalisierung: Lücke zwischen Wahrnehmung und Umsetzung

Gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Digitales Handwerk (KDH) hat das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh) die Daten von rund 350 Handwerksbetrieben ausgewertet, die am "Digitalisierung-Check" des KDH teilgenommen haben. Die Analyse zeigt, dass zwischen Wahrnehmung und Umsetzung der Digitalisierung teilweise noch eine deutliche Lücke klafft.

Am Größten ist diese Kluft bei den Lebensmittelhandwerken. Das betrifft sowohl digitale Kunden- und Lieferantenbeziehungen als auch die Entwicklung digitaler Arbeitsprozesse und Geschäftsmodelle. Schon weiter sind in vielen dieser Bereiche der Digitalisierung die Gesundheitshandwerke. Stark digitalisierte Kundenbeziehungen weisen auch die Handwerke für den privaten Bedarf auf, zu denen z.B. die Friseure und Fotografen zählen.

Bei der Digitalisierung interner Prozesse und Schulung von Mitarbeitern sticht das Kfz-Handwerk positiv heraus. Noch viel Potenzial sehen die Betriebe über alle Branchen hinweg bei der Kommunikation mit mobilen Endgeräten, der digitalen Arbeitsplanung und Datenverarbeitung. Die IT-Sicherheit steht für die meisten Handwerksbetriebe laut der Studie bei der Digitalisierung an erster Stelle.

Studie zeigt: Mühen der Digitalisierung lohnen sich

Umso mehr überrascht es, dass das Handwerk laut dem "Digitalisierungsindex Mittelstand 2018" der Deutschen Telekom gerade in diesem Bereich unterdurchschnittlich gegenüber anderen Wirtschaftsbereichen abschneidet. So gaben bei der Befragung von 2.500 kleinen und mittelständischen Unternehmen z. B. nur 40 Prozent der Handwerksbetriebe an, dass ihre mobilen Endgeräte sicher eingebunden sind. Dagegen befindet sich das Handwerk beim Gesamtgrad seiner Digitalisierung leicht über dem Durchschnitt.

45 Prozent bewerten der Nutzen der Digitalisierung schon höher als die Kosten. Weitere 35 Prozent sehen ein ausgeglichenes Verhältnis von Kosten und Nutzen. Gegenüber der letzten Erfassung begreifen immer mehr Handwerker die Digitalisierung als festen Teil ihrer Geschäftsstrategie (45 Prozent). Dagegen nimmt die Zahl der Betriebe, die nur einzelne Projekte digitalisieren, immer stärker ab (38 Prozent).

Die Studie belegt nicht zuletzt, dass sich die Mühen der Digitalisierung lohnen. Die digitalen Vorreiter im Handwerk sind zufriedener – sei es bei Umsatz, Absatz oder der Innovationsfähigkeit.

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